Die Anwohner erheben Vorwürfe. Derzeit wird der Boden mit Sondenbohrungen untersucht.

Die Geowissenschaftler Christoph Glomsda (links) und Ulrich Janßen von BG Rhein-Ruhr untersuchen die Hülser Straße.
Die Geowissenschaftler Christoph Glomsda (links) und Ulrich Janßen von BG Rhein-Ruhr untersuchen die Hülser Straße.

Die Geowissenschaftler Christoph Glomsda (links) und Ulrich Janßen von BG Rhein-Ruhr untersuchen die Hülser Straße.

Dirk Jochmann

Die Geowissenschaftler Christoph Glomsda (links) und Ulrich Janßen von BG Rhein-Ruhr untersuchen die Hülser Straße.

Krefeld. Nichts geht mehr am "Nordpol". Schräg gegenüber der gleichnamigen Gaststätte an der Hülser Straße klaffte nach Unterspülungen vergangene Woche ein rund fünf Meter tiefes und mehrere Meter breites Loch unter den Straßenbahnschienen. Seit Dienstag ist der Straßenabschnitt zwischen Weyerhofstraße und Moritzplatz auf Anordnung des Fachbereichs Tiefbau der Stadt voll gesperrt.

Die Stadtwerke haben bis zum Ende der Herbstferien (26. Oktober) einen Schienen-Ersatzverkehr für die Linie 44 eingerichtet. Gutachter Helge von Seggern vom Büro BG RheinRuhr als beratender Geowissenschaftler in Düsseldorf hatte weitere Hohlräume unter der Straße entdeckt.

"Der Kanal ist uralt. Hier ist doch seit Jahrzehnten nichts dran gemacht worden."

MargretKnops, Anwohnerin

Auch am Mittwoch war ein dreiköpfiges BG-Team im Auftrag der SWK-Aqua mit Probesondierungen beschäftigt. Dabei wird mit Bohrungen in eine Tiefe zwischen vier und fünf Metern die Verdichtung des Untergrundes untersucht. Die Kanalsohle liegt bei rund vier Metern. Projektleiter Christoph Glomsda rechnet damit, dass die Sondierungen heute abgeschlossen werden.

Vermutungen, dass die Hohlräume mit Schäden am Kanalnetz und den jüngsten Starkregenfällen zu tun haben, wollte SWK-Pressesprecherin Dorothee Winkmann am Mittwoch nicht bestätigen. Sie verwies lediglich auf einen eventuellen Pressetermin vor Ort, der heute stattfinden soll-falls bis dahin genügend Fakten verfügbar seien.

Für Anwohner ist die Sache jedoch klar. Margret Knops von der Metzgerei am der Kreuzung Hülser-/Weyerhofstraße: "Der Kanal ist doch uralt. Hier ist doch Jahrzehnte nichts dran gemacht worden. Jetzt haben wir die Schweinerei." Dutzende Lastwagen, so Knops, hätten das ausgebaggerte Material abtransportiert. Angst um die Standfestigkeit ihres Hauses hat die Metzgerin dennoch nicht. Vielmehr sieht sie das Ganze auch mit Humor: "Kunden haben mich gefragt, ob wir hier jetzt eine Tiefgarage bauen."

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni griffen alliierte Bomberverbände Krefeld an. Dabei gingen 1033,5 Tonnen Spreng- und 1042 Tonnen Brandbomben auf die Stadt nieder. Bei den Explosionen und Bränden starben 1036 Krefelder. Fast 10000 wurden verletzt.

Fast 6000 Wohnhäuser wurden zerstört, etwa 9000 beschädigt. 80000 Menschen wurden obdachlos, die Innenstadt wurde zur Steinwüste.

Fachleute widersprechen jedoch der These von Margret Knops. Erst in den 90er Jahren habe es vor Ort umfangreiche Sanierungsmaßnahmen am Kanalnetz gegeben.

Rolf Hirschegger, Vorsitzender des Bürgervereins Inrath, der sich seit Jahren für einen Rückbau der Hülser Straße nördlich des jetzt gesperrten Abschnitts einsetzt, vermutet noch eine andere Ursache: "Vielleicht sind das auch alte Kriegsfolgen. Die Industriebetriebe im Inrath lagen ja unter starkem Bombardement. Da könnte es doch sein, dass in den Nachkriegszeiten die Verdichtung des Straßenuntergrundes nicht nach heutigen Maßstäben durchgeführt wurde."

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