Der neue Eigentümer des Gebäudes Leyentalstraße hat sich bei der Stadt vorgestellt.

Schandfleck
Kaputte Scheiben, abgefallene Fassadenteile, Müllberge vor der Tür: Das Haus an der Leyentalstraße ist ein Schandfleck.

Kaputte Scheiben, abgefallene Fassadenteile, Müllberge vor der Tür: Das Haus an der Leyentalstraße ist ein Schandfleck.

Dirk Jochmann

Kaputte Scheiben, abgefallene Fassadenteile, Müllberge vor der Tür: Das Haus an der Leyentalstraße ist ein Schandfleck.

Krefeld. Die Bauruine an der Leyentalstraße 103, Ecke Moerser Straße scheint doch noch zu retten. Wie die Pressestelle der Stadt auf WZ-Anfrage mitteilt, habe sich am Mittwoch der neue Eigentümer der sechsstöckigen Immobilie bei der städtischen Bauaufsicht vorgestellt. „In einem Gespräch wurden die weiteren Schritte erläutert, um das Gebäude für Wohnzwecke wieder herzurichten“, heißt es weiter in der Mitteilung. Wer der neue Eigentümer ist, dazu schweigt das Presseamt.

Die Versiegelung durch die Stadt wurde wieder aufgehoben

Damit hat die Stadt die Versiegelung des Hochhauses, die am 13. Februar amtlich erlassen wurde, aufgehoben. „Zwecks Entrümpelung und Reinigung sowie zur Vorbereitung der erforderlichen Planungs- und Bauleistungen“, teilt das Presseamt weiter mit. Haupteingang, Kelleröffnungen und den rückwärtigen Eingang vom Parkplatz hatte die Stadt mit Holz und Mauerwerk versiegelt, um weiterem Vandalismus einen Riegel vorzuschieben.

Bis zu einer neuen Nutzung wird aber noch viel Zeit vergehen. Zahlreiche Fensterscheiben sind zerschlagen, auf vielen Balkonen auf Vorder- und Rückseite quillt Müll über die Brüstungen. Sperrmüll türmt sich auch auf dem Parkplatz, in der Einfahrt steht ein völlig vermüllter Ford Galaxy mit Krefelder Kennzeichen und dem Hinweis „Fahrzeug wird abgeholt“. Die Szene rund um das Haus ist so schrill, dass eine Gruppe von Design-Studierenden aus Düsseldorf sie als Kulisse für Fotoaufnahmen nutzt.

Das seit Jahren leerstehende Haus war bereits mehrfach in den Schlagzeilen. Im Juni und August 2011 musste die Feuerwehr wegen Bränden anrücken. Im August war ein Sofa in Brand geraten, im Juni kam ein Bewohner im Feuer ums Leben. Brandspuren sind bis heute auf der Vorder- und der Rückseite zu sehen.

Die Stadtwerke ließen bereits vor Jahren das Wasser abstellen

Im Januar 2008 floss für die Mieter der 64 Wohnungen kein Wasser mehr aus den Hähnen. Die Stadtwerke hatten nach mehrfachen Mahnungen an die damaligen Eigentümer Janssen & Helbing GmbH, Dorsten, wegen hoher Rückstände das Wasser abgestellt. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es große Leerstände im Haus an der Leyentalstraße bestätigte der damalige Mieter Stefan Otto der WZ. Im selben Jahr war im Handelsregister nachzulesen: „Janssen & Helbing GmbH, Dorsten. Die Gesellschaft ist aufgelöst.“ Folgerichtig geht unter der Dorstener Telefonnummer heute niemand mehr an den Apparat.

Die WAZ berichtete im Dezember 2011 von einem Prozess am Landgericht Essen, nach dem ein leitender Mitarbeiter der Janssen & Helbing GmbH („Dr. Schneider“) wegen Betrügereien zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt wurde. Im Mai 2008 wurde in Essen das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Insolvenzverwalter bilanzierte für das Janssen & Helbing-Imperium in Deutschland insgesamt mehr als 4000 Wohneinheiten mit einer Wohnfläche von 240 000 Quadratmetern.

SWK Etwa ab 2009 übernahm die Pecunia1Property GmbH aus Hameln das Gebäude in Krefeld. An diese Gesellschaft haben die Stadtwerke noch Forderungen in fünfstelliger Höhe, die sie gerichtlich einklagen. Fast gleichzeitig mit der Versiegelung bauten die SWK sämtliche Zähler für Wasser, Strom und Gas an der Leyentalstraße ab.

Das Unternehmen aus Dorsten hat sich auch in anderen Städten als Immobilien-Heuschrecke gezeigt. In einem mehr als 400 Einheiten großen Hochhaus in Dortmund („Hannibal“) wurden zeitweise die Heizungen abgestellt, Instandhaltungen konnten nicht mehr durchgeführt werden, stellte der Mieterverein Witten im November 2007 fest.

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