Für Luftfahrtpionier Hanno Fischer ist seine Bruchlandung im Getreidefeld am Montag keine große Sache: Er fliegt seit 75 Jahren. Wir haben ihn besucht.

Der 92-Jährige ist nicht nur als Pilot aktiv, sondern auch Flugzeugkonstrukteur. Hier ist er mit seinem Entwurf „Hoverwing“ zu sehen. Archiv
Der 92-Jährige ist nicht nur als Pilot aktiv, sondern auch Flugzeugkonstrukteur. Hier ist er mit seinem Entwurf „Hoverwing“ zu sehen. Archiv

Der 92-Jährige ist nicht nur als Pilot aktiv, sondern auch Flugzeugkonstrukteur. Hier ist er mit seinem Entwurf „Hoverwing“ zu sehen. Archiv

Hanno Fischer hat seinen Vogel sicher heruntergebracht. Die Polizisten staunen nicht schlecht.

wka, Bild 1 von 2

Der 92-Jährige ist nicht nur als Pilot aktiv, sondern auch Flugzeugkonstrukteur. Hier ist er mit seinem Entwurf „Hoverwing“ zu sehen. Archiv

Krefeld. Mindestens in der Region darf Hanno Fischer aus Neersen als Pionier der Luftfahrt bezeichnet werden. Er ist der vielleicht älteste noch aktive Pilot der Republik und Montagmittag rettet ihm seine reiche Erfahrung ganz offensichtlich einmal mehr das Leben. Um kurz nach 13 Uhr setzt der 92-Jährige zu einer Notlandung in einem Getreidefeld auf der Stadtgrenze zu Krefeld an. Und bringt seine ebenfalls sehr reife RW-3 sicher hinunter. Für ihn keine große Sache. Natürlich sorgt die Aktion für jede Menge Aufsehen.

Fischer ist auf dem Weg nach Stadtlohn, als er über Moers den Leistungsabfall des Motors registriert. Den Plan, am Egelsberg zwischenzulanden, verwirft der Testpilot und Jagdflieger, der seit Jahrzehnten selbst Flugzeuge konstruiert. Er kann es nicht mehr schaffen. Das Getreidefeld in Moers-Kapellen wird seine Landebahn, eine 200 Meter lange Schneise soll davon zeugen. „Geringer Sachschaden“, wird die Polizei später protokollieren. Und Fischer wird energisch darauf hinweisen, regelmäßig auf seine Flugtauglichkeit kontrolliert zu werden.

Einblick in die Welt eines Flugzeugnarrs

Es ist grad ein Jahr her, dass die WZ den bekannten Tüftler daheim in Neersen besucht – und einen beeindruckenden Einblick in die Welt des Flugzeugnarrs erhält. „Mittlerweile habe ich 14 Fluggeräte entworfen und entwickelt“, sagt der Schlesier da, der vor etwa 50 Jahren in den Westen kam. Seit 1961 wohnt er in Neersen. Das Fliegen, daran lässt der Mann keinen Zweifel, sei schon immer seine Leidenschaft gewesen. Geschichten erzählen kann er gut. „Als 15-Jähriger fing ich mit dem Segelflug an. Nach dem Abi machte ich mit der Motorfliegerei weiter, steuerte während des Zweiten Weltkrieges den Jagdflieger FW 190, wurde an der Ostfront abgeschossen und blieb bei einer Bauchlandung weitgehend unverletzt.“ Dafür ging es für drei Jahre in die Zwangsarbeit nach Frankreich. „Danach absolvierte ich erfolgreich das Fernstudium eines Maschinenbauingenieurs.“

Fliegen und bauen, das ist sein Leben. „Für andere Hobbys habe ich nach wie vor keine Zeit“, sagt der Neersener dann und schmunzelt. Stundenlang kann er am Computer sitzen, rechnen und tüfteln. So wie er es nach dem Krieg auch gemacht hat. Oft genug heimlich „Damals war in den ersten Nachkriegsjahren die Fliegerei verboten, daher habe ich in Garagen gearbeitet und bin ,schwarz’ geflogen“, erinnert sich Hanno Fischer an seine ersten Patente. Hanno Fischer entwickelte zum Beispiel den zweisitzigen RW-3 Multoplane, das erste Leichtflugzeug, das in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in Serie gefertigt wurde. Er gründete 1956 in Köln-Porz die Rhein-Westflug Fischer & Co., die später am Verkehrslandeplatz weitermachte, und war viele Jahre lang der technische Leiter und Chef von rund 460 Mitarbeitern.

Nun wäre ihm ein Ausflug mit seinem RW-3 beinahe zum Verhängnis geworden. Für Fischer viel Aufregung um fast nichts.

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