Der Förderverein unterstützt seit 30 Jahren junge Patienten und ihre Eltern im Klinikum.

Der Förderverein unterstützt seit 30 Jahren junge Patienten und ihre Eltern im Klinikum.
Eins der letzten Fotos von Ensar, das seine Mutter Sevda Aytekin vor seinem Tod mit 17 Jahren von ihm gemacht hat.

Eins der letzten Fotos von Ensar, das seine Mutter Sevda Aytekin vor seinem Tod mit 17 Jahren von ihm gemacht hat.

Die stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins, Sigrid Völpel (l.), und Sevda Aytekin vor dem Eingang der „Villa Sonnenschein“.

S. Aytekin, Bild 1 von 2

Eins der letzten Fotos von Ensar, das seine Mutter Sevda Aytekin vor seinem Tod mit 17 Jahren von ihm gemacht hat.

Ensar ist elf Jahre alt, als bei ihm ein plastischer, kleinzelliger Tumor im Bauchbereich entdeckt wird. Das war 2007. Sechs Jahre lang wird er in der Kinderklinik des Helios-Klinikums am Lutherplatz behandelt. Mit Pausen, wie sich seine Mutter Sevda Aytekin noch genau erinnert – am heutigen Kinderkrebstag werden ihr diese Erinnerungen wieder schmerzlich bewusst. 30 Operationen hat er über sich ergehen lassen, mehr als 684 Tage stationär auf der onkologischen Station verbracht. „Es ist mein Schicksal“, sagt er damals selbst tapfer dazu. Doch trotz aller möglicher medizinischer Hilfe schafft er es nicht, die tückische Krankheit zu besiegen.

Mit 17 Jahren stirbt Ensar an den Folgen. „Er ist ein toller Junge gewesen“, sagt die langjährige Oberärztin auf der Kinder-Onkologiestation des heutigen Helios-Klinikums, Sigrid Völpel. Sie ist seit vielen Jahren die zweite Vorsitzende des Fördervereins zugunsten krebskranker Kinder. In diesem Jahr wird der Verein 30 Jahre alt.

Die Villa Sonnenschein bietet acht Familien ein kurzzeitiges Zuhause

„Was haben wir am Anfang für die Mitaufnahme der Eltern ins Krankenhaus gekämpft, wenn ein an Krebs erkranktes Kind auf die Station kam“, erinnert sich Völpel noch genau. Heutzutage übernimmt die Krankenkasse die Kosten für ein Elternteil und Mutter/Vater-Kind-Einheiten. Der Förderverein konnte 2015 nach zehn Jahren Ideensammlung und Planung sein großes Projekt, die Villa Sonnenschein“, verwirklichen. Das ist ein Elternhaus und Begegnungszentrum in einem umgebauten Wohnhaus am Lutherplatz 33. Es bietet acht Zimmer für Familien an, damit Eltern und Geschwister für eine Weile in der Nähe des schwerkranken Kindes sein können. Wie wichtig das ist, haben Sevda Aytekin und ihr Mann selbst erfahren.

Beide waren voll berufstätig, als ihr Sohn erkrankte. Seine Mutter meldete sich die ersten drei Monate krank, um bei ihm zu sein. „Den Differenzbetrag zwischen ihrem Einkommen und dem gezahlten Krankengeld hat der Förderverein übernommen“, berichtet Völpel. Denn finanzielle Sorgen seien das Letzte, was betroffene Familien in einer solchen Situation noch gebrauchen können. Nach drei Monaten ist Sevda Aytekin wieder arbeiten gegangen, aber mit reduzierter Stundenzahl. „Ich wollte meinen Job behalten“, sagt sie, und ist noch heute dankbar für die weitere Unterstützung des Fördervereins. Nicht nur in finanzieller Art für die Familie, auch für ihren Sohn. Um ihn aufzubauen und ihn mental zu unterstützen, bekam er zunächst ein Keyboard geschenkt und in der Folge eine Musiktherapie im Krankenhaus.

Trotz der starken Nebenwirkungen der Chemotherapie und der immer wiederkehrenden Operationen macht ihm das Musizieren Spaß. Er glaubt fest an die Kraft der guten Laune und des Lachens: „Mit Lachen allein geht kein Tumor weg, die Leukos gehen aber hoch, und damit kann die nächste Chemo eher beginnen, und man hat ein paar Tage mehr Gesundheit gewonnen.“ Diese Zeilen schreibt er über eins seiner zahlreichen selbstgemalten Bilder, die lachende bunte „Weiße Blutkörperchen“ zeigen, die die Krebszellen abwehren.

In frühen Jahren hatte der Förderverein noch Typisierungsaktionen finanziert und veranstaltet, mit deren Hilfe passende Stammzellen-Spender für an Leukämie erkrankte Kinder gesucht wurden. Auch Sevda Aytekin hat selber später für ein anderes Kind Knochenmark gespendet. Das Kind hat überlebt. „Inzwischen sind die Knochenmarkspenderdateien international so breit aufgestellt, dass es Spender auch für arabische, afrikanische und asiatische Patienten gibt“, sagt Völpel. Deshalb hat sich der Verein aus diesem Engagement zurückgezogen.

„Wir setzen heute andere Schwerpunkte“, sagt Völpel, notgedrungen. Die vielen kleinen Spenden seien zurückgegangen und vielen Krefeldern sei der Förderverein gar nicht mehr bekannt. Hatte der Verein früher dem städtischen Krankenhaus dabei geholfen, notwendige Gerätschaften anzuschaffen, sei das bei einem privatwirtschaftlich geführten Haus heutzutage nicht mehr möglich – und nötig. „Deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf das Wohlbefinden unserer Patienten“, sagt Völpel. Dazu gehört die psychosoziale Betreuung der Familien, gezielte finanzielle Unterstützung, freundliche Gestaltung der Krankenzimmer, Bastel- und Unterhaltungsaktionen, Organisation von Erholungsausflügen, Erfüllung von Herzenswünschen und Mitfinanzierung der familienorientierten Rehabilitation. Möglich wird diese Hilfe durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Zuletzt noch durch einen Sponsorenlauf der Schüler des Ricarda-Huch-Gymnasiums und der WZ–Versteigerung der von Radprofis handsignierten Einschreibetafel beim Krefelder Radrennen „Retour Le Tour“.

Ohne Spenden und Beiträge wäre das Engagement nicht leistbar

Mehr als 250 Krefelder unterstützen mit einem Jahresbeitrag von 20 Euro die so wichtige Arbeit des Fördervereins. Finanziell unterstützt wird der auch durch die 1989 vom Stadtspiegel initiierte Aktion Teddybär, die inzwischen längst unter dem Dach des Fördervereins angesiedelt ist. Auch Sevda Aytekin engagiert sich seit Jahren für den Verein. Zunächst ehrenamtlich als Kassiererin. Inzwischen wegen der Fülle der Arbeiten als Geschäftsstellenleiterin.

Im vergangenen Jahr sind 30 schwersterkrankte Kinder im Helios-Klinikum laufend betreut worden, zuzüglich einer Schar von Kindern, die regelmäßig zur Kontrolle kommen. Längst ist das Behandlungsspektrum auf chronisch kranke Kinder ebenso wie auf Frühchen erweitert worden. „Als wir im Klinikum mit der Kinderonkologie begonnen haben, wussten wir nicht, ob die Therapien klappen, inzwischen gibt es viel Erfahrung darin“, erinnert sich Völpel. Zur Rettung vieler Kinder. „Ich bin inzwischen mehrfache Onko-Oma“, erzählt sie mit einem Lächeln. Geheilte ehemalige junge Patienten haben inzwischen eigene Kinder bekommen können.

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