Krefelder Unfallopfer gründet in Fernost ein kleines Therapiezentrum. Verein sammelt Geld.

Krefeld. Der 15-jährige Dtaro hat noch nie in seinem Leben aufrecht stehen können. Er liegt mit einer spastischen Veränderung am Körper gekrümmt auf der Seite. Sein Kinn drückt er gegen den Boden, wenn er sich drehen will. Nach einer Stunde intensiver und fachgerechter Behandlung der deutschen Therapeuten steht er - mit Unterstützung zwar - zum ersten Mal in seinem Leben und lächelt übers ganze Gesicht. Sein Körper ist gestreckt.

Zwölf Tage waren die Krefelder Physiotherapeuten Stefan Niermann und Ard-Jan Brok im tailändischen Udon Tani, haben ihren Urlaub geopfert und 65 Kinder behandelt bis der Schweiß in Strömen floss. Sie waren auf Anregung von Thorsten Schütz in den Fernen Osten gereist.

Thorsten Schütz ist seit einem Unfall querschnittsgelähmt

Der 38-jährige Krefelder ist seit einem unverschuldeten Autounfall in Australien im Jahr 2003 querschnittsgelähmt. "Als es ihm dank Medizin und Physiotherapie besser ging, hat er einen Urlaub in Thailand verbracht und ist geblieben. Seit vier Jahren lebt er in Udon Tani und hat dort eine Lebensaufgabe gefunden", berichtet seine Mutter Waltraud. "Dort sah er Kinder, denen es ganz schlecht geht, die keine medizinische Versorgung kennen und erst recht keine Therapie."

Der Nord-Osten des Landes ist eine der ärmsten Regionen Thailands. Dort leben die Menschen in Wellblechhütten oder provisorischen Unterkünften. Sie arbeiten in den Reisfeldern. Als Schütz das Leid sah, war für ihn klar. "Hier muss ich helfen." Zurzeit errichtet er ein kleines therapeutisches Zentrum und versucht, gute Mitarbeiter ins Land zu holen. Kontakte zu den wenigen heimischen Ärzten wurden geknüpft. Seinem Krefelder Therapeuten schickte er die Nachricht: "Stefan, ich brauche dich." Und Niermann flog mit seinem Kollegen hin.

Zurzeit bezahlt der engagierte Mann noch alles von seinem Schmerzensgeld, das vom Unfall stammt. "Doch irgendwann wird das Geld zu Ende sein", sagt seine Mutter. Niermann hatte nun die zündende Idee. Vor wenigen Tagen wurde der Verein "Friends of Udon" gegründet, der Eintrag ins Vereinsregister steht kurz bevor.

"Ziel und Zweck des Vereins ist es, das Therapie- und Bildungsnetzwerk zu schaffen, das den Kindern vor Ort zugute kommt", erklärt Niermann, der neue Vorsitzende. "Wir brauchen vor allem finanzielle Unterstützung", sagt er. Außerdem werden Physiotherapeuten gesucht, die für eine gewisse Zeit in das Land gehen. Denn auch Dtaro geht es nach nur einer Behandlung nicht dauerhaft besser. Er könnte es mit der richtigen Hilfe aber schaffen, sich irgendwann in einem Rollstuhl allein fortzubewegen.

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