Helmut Kupski bedauert die Auflösung der DRG mangels Vorstandsnachfolge. Er zieht sich zurück und widmet sich seinen Hobbys.

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Helmut Kupski bei der Übergabe sei nes Nachlasses aus der DRG. (Archivfoto)

Helmut Kupski bei der Übergabe sei nes Nachlasses aus der DRG. (Archivfoto)

Helmut Kupski bei der Übergabe sei nes Nachlasses aus der DRG. (Archivfoto)

Er ist ein Mann, der nie stillhält, sagt Helmut Kupski über sich. Der Sozialdemokrat hat Ziele, bei deren Verfolgung er auch Reibereien in Kauf nimmt.

Aus einem christlichen Elternhaus entstammend und in ebenso eines geheiratet, ist die Grundeinstellung der Wertschätzung immer präsent. Neben seinen hauptamtlichen Aufgaben als Regierungsinspektor, kirchlicher Verwaltungsbeamter und SPD-Landtagsabgeordneter, ist er stets ehrenamtlich aktiv gewesen.

Als Presbyter wirkte er in Bockum, war im Vorstand des evangelischen Gemeindeverbundes, wurde in die Kreisynode gewählt und saß im Diakonieausschuss. Ab 1980 brachte er in verschiedenen Ausschüssen die Entwicklungspolitik nach vorne. "In dieser Zeit erfuhr ich enorme Unterstützung seitens Johannes Rau", erinnert er sich.

"Wir müssen uns bewusst machen was wir tun, wenn wir eine Kokosnuss für 99 Pfennig kaufen."

Helmut Kupski

"Allererstes Ziel war immer, das Bewusstsein über globale Zusammenhänge zu schaffen und Verhalten zu ändern. Klarmachen, dass das Tun der Industrieländer Auswirkungen auf die Entwicklungsländer hat", beschreibt Kupski. Die Klammer zwischen beiden sei heute katastrophal wahrnehmbar.

Als die Entwicklungspolitik in NRW Thema wurde, nahm das Bundesland gleichzeitig die Vorreiterolle an, was Kupski nicht ohne Stolz erzählt. Er gehörte dem Kuratorium der Stiftung Entwicklung und Frieden bis vor Kurzem an. "Jetzt liegt es an denen, die noch aktiv in der Politik sind", begründet er seinen Ausstieg. Die Grundhaltung schwindet nicht mit dem allmählichen Rückzug Kupskis aus seinen Ämtern. "Wir müssen uns bewusst machen was wir tun, wenn wir eine Kokusnuss für 99 Pfennig kaufen", merkt er an. Die Entwicklungsländer haben keine andere Wahl, als sich darauf einzulassen.

Umso erfreulicher war es, als Anfang der Neunziger ein Querschnitterfolg zu verzeichnen war. "Nachhaltigkeit ging durch alle Ressorts der Landesregierung", erinnert Kupski sich. An diesem Erfolg war er nicht unbeteiligt und nennt diesen Punkt als einen bedeutenden in seinem Leben. "Viel kann man im Landesparlament nicht bewegen, aber im Umweltbereich lohnt es sich." Obwohl er anschließt: "Das gehört weniger zum Tagesgeschäft, es ist mehr eine Lebensaufgabe, eine Grundeinstellung. Erst wenn man an den Strukturen knabbert, bewegt sich was."

Die Ansiedlung der Herzchirurgie in Krefeld bedeutet ihm auch sehr viel. Seinen Kontakten zum NRW-Gesundheitsausschuss ist dies zu verdanken. "Es ging damals darum, sich gegen andere Städte durchzusetzen." Kupski ist immer noch Vorsitzender der Stiftung Herzchirugie.

Neben seinem politischen Engagement stellt die von ihm 1991 gegründete Deutsch Russische Gesellschaft (DRG) einen weitereren wichtigen Bestandteil seines Wirkens dar. Die DRG sollte - sie löst sich in absehbarer Zeit auf - primär die Beziehungen zu Russland fördern. Im Konkreten: Aufbau des Handwerks und Förderung der Wirtschaftswissenschaften. "Ein tolles Ergebnis unserer Arbeit ist die Eröffnung der Berufsschule Nr. 2 in Uljanowsk mit dem Schulungsraum der Bosch AG", resümiert der 77-jährige.

Kupski hätte gerne Wirtschaft und Jura studiert

Wenn er darüber nachdenkt, was er noch gerne erreicht hätte: "Das wirtschaftswissenschaftliche und das Jurastudium. Für das nächste Leben würde ich mir wünschen, mit einer fundierten Ausbildung in die Welt zu ziehen." Er musste, aufgrund der Kriegsereignisse, alles nachholen.

Falsch laufe bei der schulischen Ausbildung, dass Kinder nicht in ihrem Willen gestärkt würden, gerne zur Schule zu gehen. "Das Tempo wird auf die Wirtschaft ausgerichtet, ohne Zeit für die Persönlichkeitsreifung zu lassen." Warum jeder Wissenschaftler werden müsse, fragt er darauf. Jetzt, wo er sich zurückzieht, arbeitet er gerne handwerklich: "Es ist toll, kreativ zu arbeiten. Allgemein wird unterschätzt, was für eine Gedankenarbeit dahinter steckt."

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