Die „Grünen Damen“ sprechen mit den Insassen über Krankheit und Sorgen – was viel Fingerspitzengefühl erfordert.

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Elisabeth Kords besucht Patient Heinrich Hess in der Klinik für Allgemeine Chirurgie.

Elisabeth Kords besucht Patient Heinrich Hess in der Klinik für Allgemeine Chirurgie.

Andreas Bischof

Elisabeth Kords besucht Patient Heinrich Hess in der Klinik für Allgemeine Chirurgie.

Krefeld. Manchmal fällt es Fremden gegenüber leichter als mit Familienangehörigen oder Freunden über die eigene Krankheit, Ängste und Nöte zu sprechen. Diese Erfahrung machen Ulrike Grünberg und Elisabeth Kords immer wieder. Die beiden Krefelderinnen sind als "Grüne Damen" im Helios-Klinikum im Einsatz und bieten den Patienten regelmäßig Zeit und Gespräche an.

Diese Aufgabe erfordert viel Fingerspitzengefühl. Einmal die Woche für jeweils drei Stunden kommen die 38 Damen und sechs Herren des ehrenamtlichen Dienstes auf die Stationen. Jeder von ihnen hat eine feste Abteilung, die er teils schon jahrelang betreut. "Es ist ein behutsames Vortasten, ein intensives Hinspüren, was der unbekannte kranke Mensch vor mir brauchen könnte", beschreibt Ulrike Grünberg den Moment, wenn sie ein neues Krankenzimmer betritt.

Reaktionen reichen von Freude bis anfängliches Desinteresse

Die Reaktionen auf ihr Erscheinen sind sehr unterschiedlich. "Manche sind erfreut mich zu sehen, manche erscheinen zunächst desinteressiert", erzählt Elisabeth Kords, die gemeinsam mit Ulrike Grünberg, Gisela Bertram und Karin Schulze das Leitungsteam der Ökumenischen Krankenhaushilfe bildet.

Mit dem Namen "Grüne Damen" können die meisten nicht viel anfangen. Dabei haben die Damen den Namen von der Farbe des Kittels, den sie bei ihren Besuchen tragen. "Wir drängen uns nicht auf, verstehen uns vielmehr als ein Angebot", sagt Kords. Sie haben Zeit zum Zuhören, sie bemühen sich, einfühlsame Gesprächpartnerinnen zu sein, sie begleiten Patienten bei Spaziergängen, zu Untersuchungen und zum Gottesdienst, sie erledigen kleine Besorgungen, Telefonate und auch schon mal Behördengänge.

Ulrike Grünberg geht seit 20 Jahren einmal die Woche ins Klinikum, Elisabeth Kords seit 14 Jahren. "Das intensive Zuhören und so manches Schicksal ist zwar einerseits manchmal sehr anstrengend, andererseits habe ich enorm viel gelernt durch den beeindruckenden Umgang von Patienten mit ihrer Erkrankung", sagt Kords.

Allein gelassen mit ihren Erlebnissen und Eindrücken werden die Grünen Damen und Herren nicht. Noch heute stehen die Seelsorger des Klinikums, die vor 28 Jahren zusammen mit verschiedenen Ärztinnen den Besuchsdienst ins Leben gerufen haben, den Ehrenamtlern mit Rat und Tat zur Seite. Sei es durch regelmäßige Fortbildungen, sei es notfalls durch einzelne Gespräche, wenn ein menschliches Schicksal einen Helfer belastet. Grünberg: "In solchen Fällen hilft es, darüber zu sprechen."

Die Gruppe sucht weitere Unterstützung

Überhaupt wird die Gemeinschaft bei der ehrenamtlichen Gruppe groß geschrieben. Einmal im Moment trifft sie sich zum Austausch. Das wird auch unter der neuen Trägerschaft von Helios im Klinikum am Lutherplatz so bleiben.

Derzeit suchen Grünberg und Kords wieder Unterstützung. Wer drei Stunden in der Woche Zeit zum Zuhören hat, Patienten den Klinikaufenthalt erleichtern möchte und belastbar ist, kann sich bei den beiden melden. Interessenten werden an drei Vormittagen auf den Besuchsdienst vorbereitet. Eine wichtige Eigenschaft dafür: Zuhören zu können.

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