Betroffene können sich direkt – auch ohne ärztliche Überweisung – in dem neuen Zentrum „Chest Pain Unit“ vorstellen.

Krefeld. Wegen hoher Sterblichkleitsraten bei der Behandlung von Herzinfarktpatienten sind deutsche Kardiologen in den vergangenen Jahren in die Kritik geraten. "Auf vorbeugende Maßnahmen haben wir Mediziner keinen Einfluss, aber auf die stationäre Behandlung", sagt Prof. Heinrich Klues, Chefarzt der Medizinischen Klinik I, bestimmt. Während die Sterblichkeitsrate in niederrheinischen Kliniken laut Statistik bei elf Prozent liegt, liege sie im Helios-Klinikum nur bei 5,1 Prozent. Mit der Einrichtung der "Chest Paint Unit" wollen Klues und sein Team künftig noch mehr Menschen in Krefeld und Umgebung das Leben retten.

Nach 60 Minuten verdoppelt sich das Risiko, am Herzinfarkt zu sterben

"Beim akuten Brustschmerz zählt jede Minute", erklärt Klues. Je weniger Zeit bis zur endgültigen Diagnose vergeht, desto weniger Herzmuskulatur wird im Falle eines Herzinfarktes geschädigt und umso höher sei die Chance zu überleben. Nach 60 Minuten verdoppele sich das Risiko, an dem Herzinfarkt zu sterben. Doch auch eine Lungenembolie oder ein Riss der Gefäßwand verlaufen in der Hälfte der Fälle tödlich, wenn sie nicht so schnell wie möglich erkannt und behandelt werden.

Seit elf Jahren arbeiten in Krefeld bereits niedergelassene Ärzte, Rettungsdienste und das Klinikum erfolgreich zusammen. "Derzeit vergehen vom ersten Kontakt zum Patienten bis zum Betten auf den Tisch des Herzkatheter-Labors in Krefeld 40 Minuten", sagt Dr. Ulrich Lenssen, Leiter des Krefelder Rettungsdienstes nicht ohne Stolz.

Oberarzt Dr.Rainer Ott geht einen Schritt weiter: "20 Minuten für einen akuten Herzinfarkt wären ideal." Die Einrichtung der "Chest Pain Unit" (Brustschmerzeinheit) als zentrale Anlaufstelle eines regionalen Infarktnetzwerkes in der Kardiologie geht auf ihn zurück. Sein Ziel: eine fachkompetente Behandlung ohne Zeitverlust. Betroffene können sich jederzeit direkt - auch ohne ärztliche Überweisung und ohne Anmeldeformalitäten - in der "Chest Pain Unit" vorstellen. Die verfügt über ein eigenes Herzkatheterlabor und garantiert eine ärztliche Versorgung rund um die Uhr an 365 Tagen.

"Einmalig in Krefeld ist jedoch, dass hier interdisziplinär zusammen gearbeitet wird", sagt Klues. Gut 30 Prozent aller Patienten, die mit unklaren Brustschmerzen beim Arzt oder in der Notfallaufnahme vorstellig werden, haben keine kardialen Ursachen. "Nicht selten werden sie durch Erkrankungen der Lunge und des Rippenfells oder durch Risse in der Gefäßwand ausgelöst", berichtet Prof. Thomas Frieling, der Chefarzt der Medizinischen Klinik II.

Das Klinikum hat eine Hotline für Betroffene eingerichtet. Unter Ruf 32 4883 ist das Brustschmerz-Zentrum rund um die Uhr zu erreichen.

Anlässlich der Eröffnung findet am Samstag, 30.Januar, von 9 bis 12 Uhr das interdisziplinäre Symposium "Chest Pain Unit - Herz und mehr!" statt. Neben Fachleuten sind auch Laien in den Hörsaal im Studiengebäude eingeladen.

Die Symptome bei einem Herzinfarkt können individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei akuten Brustschmerzen sollte deshalb sofort der Rettungsdienst unter 112 angerufen werden.

Gemeinsam mit der Röntgendiagnostik im Klinikum können sie nun innerhalb von 60 Minuten nach Einlieferung lebensbedrohliche Erkrankungen gezielt behandeln. "Der Transport ins Krankenhaus sollte jedoch aus Gründen der optimalen Patientenversorgung ausschließlich mit dem Rettungswagen erfolgen", betont Ott.

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