Die Anlieferer der Firmen an der Bataverstraße klagen über weite Umwege durch die neue Regelung.

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Erwischt: Ein Lastwagen-Fahrer ignoriert die Einbahnregelung auf der Bataverstraße Richtung Drehbrücke.

Erwischt: Ein Lastwagen-Fahrer ignoriert die Einbahnregelung auf der Bataverstraße Richtung Drehbrücke.

Dirk Jochmann

Erwischt: Ein Lastwagen-Fahrer ignoriert die Einbahnregelung auf der Bataverstraße Richtung Drehbrücke.

Krefeld. Seit drei Wochen stecken die Betriebe an der Bataverstraße in einer Sackgasse - und vor allem Anlieferer ärgern sich über den Umweg von bis zu fünf Kilometern, den sie nehmen müssen, um über Heidbergsweg und Fegeteschstraße wieder die Düsseldorfer Straße zu erreichen.

Vom ersten Knick am Rhein mit neugeschaffener Wendemöglichkeit bis zur Einmündung in die Hentrichstraße ist die Bataverstraße in Richtung Drehbrücke als "unechte Einbahnstraße" ausgewiesen worden - in der Hoffnung, dass ein halbierter Verkehr Auswirkungen auf die Feinstaubmessungen der Station an der Hentrichstraße nehmen wird. "Das ist noch ein Teil des 2005 erstellten Aktionsplans der Bezirksregierung", erläutert Umweltamtsleiter Helmut Döpcke.

Für Umbau der Hentrichstraße fehlt noch die Bewilligung

Ob die Einbahn-Regelung das gewünschte Ergebnis bringe, wisse man frühestens nach zwölf Monaten. Denn mindestens so lange wird die seit langem diskutierte und nach ursprünglicher Planung überfällige Begradigung der Hentrichstraße auf sich warten lassen. Aber noch hat der Bewilligungsbescheid des Landes für die Fördermittel das Stadthaus nicht erreicht. Dafür sind inzwischen die alten Henkel-Meisterhäuser "entmietet" und ihrem Abbruch steht nichts mehr entgegen.

Über das Argument, bei der Hafenbecken-Umrundung entfielen ja die Wartezeiten im Begegnungsverkehr vor der Drehbrücke und der Ampel an der Düsseldorfer Straße, kann Udo Heikaus nur müde lächeln. Der Straßen- und Tiefbauunternehmer fährt häufig Bauschutt zur Aufbereitungsanlage der Firma GFR - und nimmt auf dem Rückweg bei Klausmann Betonsteine und Pflaster mit.

"Das bedeutet nicht nur, dass ich bei der Umrundung des Hafenbeckens bis zur erneuten Einfahrt in die Hentrichstraße einen sieben Kilometer langen Umweg fahre, sondern auch dreimal an der Messstation vorbei komme." Zeit und Energie würden hier verschwendet. Allerdings scheren sich nicht alle Fahrer um die Einbahnregelung.

Die EU-Kommission hat festgelegt, dass der Grenzwert für Feinstaub bereits in diesem Jahr auch für Industriestandorte gilt.

Das sind Staubteilchen in einer Größe bis 2,5 Tausendstel Millimeter.

Erlaubt sind 35 Überschreitungstage mit max. 50 Mikrogramm PM 10 pro Kubikmeter Luft.

Von zusätzlichen Kosten spricht auch Dominic Steffens, Prokurist bei der Mineralstoffaufbereitung und Verwertung (MAV). "95 Prozent unserer Anlieferer müssen den großen Bogen fahren."

Allerdings habe das Unternehmen seinen Spediteuren schon vor Monaten empfohlen, den Umweg freiwillig zu nehmen, um die Feinstaub-Messungen zu beeinflussen. Die sind, trotz Hitze und Trockenheit, in diesem Jahr beileibe nicht so dramatisch hoch wie vor Jahren.

Feinstaub-Werte hoch, aber nicht in extremen Regionen

Am Dienstagvormittag betrug der Maximalwert 41 Mikrogramm PM 10 (erlaubt sind maximal 50 Mikrogramm). Insgesamt - so Umweltamtsleiter Döpcke - habe es "erst" 30 Überschreitungstage in diesem Jahr gegeben (35 sind nach EU-Maßgaben erlaubt).

Dass die Belastung mit dem unsichtbaren und bis in die Lunge dringenden Feinstaub in diesem Jahr im Hafen nicht so hoch ist, führt Döpcke auf das Wetter zurück: "Es hat immer wieder reinigende Gewitter gegeben."

Über all das "Gedöns" am Hafen wundert sich Manfred Roth. Bis September 2009 hat er in einem der alten Meisterhäuser gewohnt, bis er und seine Frau in Oppum etwas Neues fanden. "Früher hatte es geheißen, dass der Aktionsplan nur wegen der wenigen Anlieger der Hentrichstraße gemacht worden ist. Jetzt wohnt dort keiner mehr, und es wird weiter herumgedoktert."

Dass die Europäische Union nun auch das Wohl der Beschäftigten im Hafen und der Sportvereinsmitglieder an Rhein und Wendebecken im Blick hat, wundert ihn: "Darauf habe ich vor Jahren sowohl Brüssel als auch die Bezirksregierung in Düsseldorf hingewiesen. Damals hat sich keiner dafür interessiert."

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