Guerilla Gardening hat sich im Krefelder Süden nicht bewährt. Die Initiative gibt das Projekt auf.

Die Nachbarschaft ließ sich von der Idee eines frei zugänglichen Bürgernutzgartens nicht anstecken.  Archiv
Die Nachbarschaft ließ sich von der Idee eines frei zugänglichen Bürgernutzgartens nicht anstecken. Archiv

Die Nachbarschaft ließ sich von der Idee eines frei zugänglichen Bürgernutzgartens nicht anstecken. Archiv

Bernd Mildebrath auf der Bank, die von den Fahrgästen der SWK gerne genutzt wurde. Archiv

In Holzkisten wurden Pflanzen oder Samen gehegt und gepflegt. Das Wasser wurde in Plastikflaschen herangetragen.

Dirk Jochmann, Bild 1 von 3

Die Nachbarschaft ließ sich von der Idee eines frei zugänglichen Bürgernutzgartens nicht anstecken. Archiv

Krefeld. Noch im Herbst wollten Bernd Mildebrath und seine Mitstreiter nicht aufgeben. Jetzt werfen sie doch das Handtuch: „Wir sind offensichtlich daran gescheitert, mehr zu machen, als den eigenen Enthusiasmus zu leben“, sagt Mildebrath. „Wir haben weder die Umgebung noch die Stadt als Grundstückseigentümer dafür interessieren können.“

Urban oder guerilla gardening heißt das Konzept, das an der Melanchthonstraße in Krefeld einzigartig war und nun gescheitert ist. Die Idee ist simpel: Brachflächen werden wie Kleingärten genutzt, Blumen und Gemüse gepflanzt – alles offen, von jedem, der will, ohne Zaun und Besitzanspruch. Wer will, kann mitmachen – oder sich einfach ein paar Schnittlauchstängel für den Salat abschneiden.

„Wir sind offensichtlich daran gescheitert, mehr zu machen als unseren eigenen Enthusiasmus zu leben.“
Bernd Mildebrath

Gut drei Jahre lang haben Krefelder versucht, das Projekt in Gang zu halten, mal mit mehr, mal weniger Erfolg. „Zuletzt waren wir nur noch eine Hand voll Leute“, sagt Mildebrath. Ende Oktober haben die Unentwegten den Müll weggeräumt, die Fläche geharkt. „So wollten wir durch den Winter kommen.“ Warum ziehen sie dann jetzt einen Schlussstrich? Nach Neujahr sei der Platz völlig vermüllt gewesen, berichtet Mildebrath. „Offensichtlich war die Fläche intensiv als Startrampe für Feuerwerkskörper genutzt worden. Überall lagen die Reste der Verpackungen und leere Flaschen herum.“ Das sei „ein unhaltbarer Zustand“ gewesen. Anfang des Jahres haben die Initiatoren der Stadt mitgeteilt, dass sie die Fläche nicht länger betreuen werden. Das sei nicht alternativlos, sagt Mildebrath, aber konsequent.

Warum man mit der Idee eines Bürgernutzgartens gescheitert sei, habe man noch nicht abschließend analysiert, sagt Mildebrath.

Sein persönlicher Impuls für den Garten war es, den vielen schäbigen Ein- und Ausblicken in Krefelds Süden und der als „demotivierend“ erlebten Umgebung etwas entgegenzusetzen. In dieser Hinsicht war das Grundstück an der Melanchthon-/Ecke Kölner Straße ideal: Brachgelände, in städtischem Besitz und vernachlässigt, ungepflegt, und vermüllt. „Die Stadt kommt ihrer Pflicht als Eigentümerin nicht nach.“

Ein letztes Mal kommt auf die Gärtner jetzt viel Arbeit zu: Bis 19. März hat die Stadt die Frist gesetzt, alles abzuräumen, Kisten, Kästen und auch die Wartebank.

„Ich bin um eine Erfahrung reicher und keinesfalls demotiviert“, sagt Bernd Mildebrath. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er sich in Zukunft für eine neue Idee wieder gleichermaßen begeistern könne.

 

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