Im Herbst soll die erste von 19 Straßenbahnen in Krefeld ankommen.

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Krefeld. Die Köpfe der Stadtwerke Krefeld nehmen schon mal im Führerhaus Stellung ein. Ulrich Hahnen und Carsten Liedtke, Aufsichtsratschef und Geschäftsführer SWK, besichtigen das Bombardier-Werk in Aachen. Dort sind viele Hände damit beschäftigt, die 19 neuen Straßenbahnen mit dem extra niedrigen Einstieg für Krefeld zu bauen.

45 Millionen Euro investieren die SWK in die Niederflurbahnen. Das ist viel Geld. Entsprechend groß war der Empfang der SWK-Spitze bei Bombardier: Willkommensschild, fünf Führungskräfte und zwei Präsentationen.

Mitarbeiter der SWK begleiten die Produktion in Aachen

Dass die SWK das Aachener Werk besuchen, ist indes nichts Besonderes: Burkhard Kuphal, stellvertretender Betriebsleiter der SWK Mobil, und seine Mitarbeiter sind oft dort und begleiten die Produktion. Nicht nur für diese Zusammenarbeit dankt Liedtke, sondern auch dafür, dass die Bahnen in Aachen gebaut werden, nicht wie vorgesehen in Bautzen: "Der Auftrag bleibt nicht nur in NRW, sondern auch in der Region."

Nicht von ungefähr weist weist Wolfgang Pape, General Manager von Bombardier Aachen, in seiner Präsentation darauf hin, dass unter den 756 Bombardier-Mitarbeitern 1,1 Prozent Krefelder sind. Noch anderthalb Jahre nach der Entscheidung für Bombardier - und damit auch gegen den Bewerber Siemens aus Uerdingen -, ist die Mühe groß, die alten Wogen zu glätten. Beim "Probesitzen" haben die Krefelder, darunter WZ-Leser, mehrheitlich für den "Flexity Outlook" von Bombardier gestimmt.

In der Halle werden 30 bis 40 Kilometer Kabel in jede Bahn eingebaut. Dazu schickt Vossloh Kiepe aus Düsseldorf eigene Leute nach Aachen. Acht Prozent der 500 Angestellten seien aus Krefeld.

Ein Zug ist 30 Meter lang, wiegt leer 40 Tonnen, bietet 52 Sitz- und 106 Stehplätze. 70 Stundenkilometer kann die Bahn fahren, auf Krefelds Gleisen aber nur 60.

Im September kommt die erste Bahn nach Krefeld. Dort wird sie zwei Monate getestet, bevor die Aufsichtsbehörde vier bis sechs Wochen prüft. Für jede weitere Bahn gibt’s eine kleine Prüfung, die 14 Tage dauert. Läuft es optimal, könnten ab August 2010 alle 19 Züge in Krefeld fahren.

Die Köpfe der Bahnen bekommen gerade ihr Innenleben, während die weiß-rote Außenhaut schon ein bisschen seidenstädtisch anmutet. "Eine Straßenbahn ist kein Produkt, das man von der Stange kauft", sagt Klaus Baur, Vorsitzender der Bombardier-Geschäftsführung.

Die Krefelder konnten sich vieles aussuchen. Der Boden der Wagen ist zum Beispiel dunkelgrau, aber mit weißen Sprengeln übersät. "Der Kontrast ist wichtig für Sehbehinderte, so können sie das besser wahrnehmen", erklärt auch hier Kaphul. Aus diesem Grund seien auch die Anzeigen nicht gelb, sondern amberfarben. Lange habe er mit den Behindertenverbänden beraten, um die neue Straßenbahn so optimal wie möglich einzurichten. Komfort wird großgeschrieben im Wettbewerb gegen den PKW.

An der zweiten Station in der Halle setzt ein Arbeiter gerade das Dachmodul unter Wasser, um zu sehen, ob die Nähte dichthalten. Checklisten kleben an den Teilen mit Platz für die Unterschrift, die ihr OK gibt.

Alles geht nach Plan: Im Juli soll der erste Zug auf das Fahrzeuggestell aufgesetzt, Ende August dann die Bahn von den SWK im Werk abgenommen werden. Dann geht’s nach Krefeld. Erst dort kann sie die dynamischen Tests durchlaufen, etwa eine Vollbremsung mit Ladung. Die einen Meter schmale Spur gibt es in Aachen nicht.

Diese Tests werden rund sechs bis acht Wochen dauern. Weitere vier bis sechs Wochen nimmt die Prüfung der Technischen Aufsichtsbehörde in Anspruch. Erst mit deren Betriebserlaubnis darf die Bahn auf Krefelds Straßen fahren - vermutlich im Dezember.

Noch ist viel zu tun, bis die Neuen die 40 Jahre alten Schätzchen ersetzen. Die Fahrer müssen geschult werden und die Werkstatt braucht ein Lifting. Denn bei den Niederflurbahnen ist die Technik nicht unten, sondern im Dach untergebracht.

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