270 Tonnen heißes Eisen vergoss das Krefelder Unternehmen für den Oberholm einer Blech-Richtpresse.

Feuriger Job: Bei Siempelkamp ist das bisher schwerste Gussteil entstanden.
Feuriger Job: Bei Siempelkamp ist das bisher schwerste Gussteil entstanden.

Feuriger Job: Bei Siempelkamp ist das bisher schwerste Gussteil entstanden.

Jürgen Brefort

Feuriger Job: Bei Siempelkamp ist das bisher schwerste Gussteil entstanden.

Krefeld. Langsam neigen sich die fünf Gießereipfannen in Form von sechs Meter tiefen Töpfen. Sie sind bis oben hin mit flüssigem Gusseisen gefüllt. Genau 120 Sekunden dauert es, bis 270 Tonnen des mit 1350 Grad Celsius glühend-heißen Flüssigeisens in eine Grubenform geflossen sind. Große Funken sprühen und innerhalb weniger Sekunden steigt heller Rauch unter die Decke der Siempelkamper Gießereiwerkstatt.

Hochkonzentriert stehen die Arbeiter nur wenige Meter von dem glühenden Stoff entfernt. Geschützt sind sie dabei durch Visiere und eine spezielle silberne Schutzkleidung, die mit Aluminium beschichtet ist. Die Hitze ist auch in 20 Metern Entfernung noch zu spüren. Als das Roheisen in der Grube verschwunden ist, sind nur noch kleine Flammen zu sehen. Die Anspannung ist weg, Händeschütteln, Applaus von den Zuschauern aus der Verwaltung, den Kunden und dem Bundesverband der Gießerei-Industrie.

Normalerweise können die Arbeiter in der Werkstatt nicht so viele Zuschauer begrüßen. Aber diesmal stellte die Siempelkamp Gießerei einen neuen Weltrekord auf. Zehn Jahre zuvor wurde an gleicher Stelle das bisher schwerste Gussteil der Welt aus 260 Tonnen Flüssigeisen gegossen.

Der neu gegossene Oberholm für eine Dickblech-Richtpresse der Dillinger Hüttenwerke AG wiegt im abgekühlten Zustand 252 Tonnen, das entspricht etwa dem Gewicht von 200 Kleinwagen oder neun voll beladenen Sattelzügen. Keine andere Werkstatt auf der Welt hätte das Projekt wegen seiner Größe realisieren können. Nur bei Siempelkamp gibt es Kräne, die dieses Gewicht heben können. Gießerei-Geschäftsführer Stefan Mettler ist hoch zufrieden: "Es lief wie ein Konzert."

Drei bis vier Wochen muss der Oberholm abkühlen

Vier Wochen dauerten die Vorbereitungen. Zuerst wurde ein Modell angefertigt und dann die Form. Zwei Tage lang mussten noch die 270 Tonnen Eisen geschmolzen werden, die innerhalb von zwei Minuten vergossen waren. "Aber die logistische Kunst eine so große Menge Flüssigeisen gleichzeitig und richtig einzufüllen, haben wir durch jahrzehntelange Erfahrung entwickelt", erzählt Mettler. Immerhin mussten die 270 Tonnen in derselben chemischen Zusammensetzung und Temperatur in den Gießereipfannen bereitstehen.

Drei bis vier Wochen wird der Oberholm in der eigens angefertigten Sand-Form auf etwa 300 Grad Celsius abkühlen. Erst dann wird zu sehen sein, ob auch wirklich alles funktioniert und die richtige Form bekommen hat. In der Putzerei wird das Teil vom Dreck befreit, bevor die Schwesterfirma "Siempelkamp Maschinen und Anlagebau" es übernimmt. Dort wird die gesamte Presse aufgebaut und überprüft. Im Spätherbst geht es mit Schwertransportern zum Bestimmungsort nach Dillingen ins Saarland.

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