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Eine Kommentar von Christoph Elles.

Eine Kommentar von Christoph Elles.

Bischof, Andreas (abi)

Eine Kommentar von Christoph Elles.

Krefeld. Wer Kinder hat, stellt sich Fragen, die ihm sonst nie in den Sinn gekommen wären. Wie lange kann man einen Bissen Käsebrot im Mund bewegen, ohne ihn herunterzuschlucken? Wie oft ist derselbe Witz auf der identischen Seite des immer gleichen Kinderbuchs lustig? Und: Funktioniert die Fernbedienung des DVD-Players noch, nachdem sie in ein Wasserglas getunkt wurde?

Die aktuellen Fragen sind im Vergleich dazu eher gewöhnlich: Was gehört in eine Schultüte? Warum kann man Filzstift-Gekritzel nicht ausradieren? Und wie früh müssen wir künftig eigentlich aufstehen, um pünktlich im Klassenraum einzutreffen, obwohl doch vorher noch eben kurz die Legoburg fertig gebaut werden MUSS.

Ab Donnerstag sollst du also ein Schulkind sein, mit einem Tornister auf dem Rücken, der so aussieht, als sei er für eine Elefanten-Einschulung konstruiert worden. Die Schule hat auf einer eng beschriebenen Din-A4-Seite notiert, was alles in diesen Ranzen hineingehört. Neben dem Gegenstand steht oft eine Nummer – 1 für liniert, 7 für kariert – und meist eine Farbe: Blau für Mathe, Rot für Deutsch, Gelb für Sachkunde, Lila für Religion, Weiß für Musik. Dazu Stifte aller Sorten. Mit denen schreibst du bald Buchstaben und Zahlen, statt Flughäfen zu malen, Bäume oder Weltraummonster. Da ist sie, die Frage aller Fragen: Wie groß willst du werden und wie schnell soll das bitte gehen?

Daneben bleiben konkrete Herausforderungen: Was zieht man zum ersten Schultag an? Muss die Schultüte cool sein, oder reicht es, wenn sie schön aussieht? Ist „Rabe Socke“ auf dem Freundebuch schon Babykram? Wie verhindert man, dass der kleine Bruder alle Stifte und Hefte aus dem Tornister seiner eigenen Sammlung einverleibt? Wie feiert man diesen großen Tag? Und wie sollen wir es eines fernen Tages bloß schaffen, dir den langen Schulweg über zwei große Straßen ganz allein zuzutrauen?

Das Schöne an diesen Fragen ist, dass es Elternfragen sind. Der unmittelbar Betroffene verhält sich so souverän, als habe er schon mehrere Einschulungen erfolgreich durchlaufen. All das Aufsehen um den ersten Schultag ist dir gänzlich unverständlich. Fast zumindest. Denn was in dieser Schultüte steckt, das würdest du schon gerne wissen.

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