Auch Krefelder achten in der Kneipe aufs Geld – doch bei Königshofer steigen die Umsätze.

Krefeld. "Hopfen und Malz, Gott erhalt’s": Der fromme Wunsch dürfte so manchem Gastronom und Bierbrauer zurzeit besonders oft über die Lippen gehen. Die Zeiten für die Branche sind hart - auch in Krefeld.

Bundesweit ist im ersten Halbjahr der Absatz beim beliebtesten Getränk der Deutschen um 4,5 Prozent zurückgegangen. Das melden Deutscher Brauer-Bund und Statistisches Bundesamt. In der Wirtschaftskrise sparen auch die Niederrheiner am Genuss - besonders betroffen ist das Bier. Das merken Gastronomen in der gesamten Stadt. Die Krefelder Brauerei Königshof hat dagegen keine Probleme mit Krise und Kommerz.

Georg Mäurers, Geschäftsführer von Gleumes, Krefelds ältester Brauerei, bestätigt hingegen den Rückgang, wie der Brauer-Bund ihn beziffert hat, in etwa auch für seinen Betrieb. "Die Leute setzen sich eher mit Freunden und einer Kiste Bier zuhause hin um Geld zu sparen", sagt der Braumeister. "Vor allem wenn das Wetter wie in diesem Sommer nicht so toll ist. Und wenn in den Lokalen nicht mehr geraucht werden darf." Daher leide unter dem Absatzrückgang die Gastronomie noch deutlich stärker als der Einzelhandel.

Bei Gleumes wird das Bier nach dem alten Braurezept von 1807 hergestellt. Davon abweichen würde Georg Mäurers niemals - "auch wenn die Zahlen im Moment nicht so gut sind". Das Problem dabei: Vor allem Jugendliche ziehen dem guten alten Gebräu öfter mal den Alkopop vor.

Klaus-Jürgen Wiewrodt, Inhaber des Lokals "Dachsbau - Haus der Biere" mit 18 Sorten, sieht den Einbruch auf dem Markt sogar noch dramatischer. Im Fassbereich spricht er von bis zu 20 Prozent weniger Umsatz und bezieht diese Zahl auf die Gastronomie in der gesamten Stadt. Wiewrodt nennt als Grund aber nicht nur "die Wirtschaft". Er meint: "Die Situation wird oft schlechter geredet, als sie ist. Die Leute sind schon so verunsichert, dass sie am liebsten gar nichts mehr ausgeben."

Oder sie kaufen billigeres Bier: "Unser Absatz ist in den letzten zwei Jahren konstant gestiegen", sagt Frank Tichelkamp, Verkaufsleiter bei der Krefelder Brauerei Königshof. "Und ja, wir profitieren davon, dass weniger Geld im Umlauf ist." Die Krefelder Brauerei Königshof braut seit zwei Jahren die eigene Marke "Original Königshofer" mit den Sorten Alt und Pils. 2008 sind die günstigen "Brauerei Königshof Biere" dazugekommen, die auch Export, Radler, Weizen und Malz einschließen.

"Regionales Bier gilt in manchen Kreisen als hip."

Frank Tichelkamp, Verkaufsleiter bei Königshof

Ein Geschäftsgeheimnis, mit dem er sein Bier deutlich günstiger anbieten kann als andere, hat Tichelkamp auch: "Wir haben von Anfang an auf kostspielige Werbung und viel Personal verzichtet." Dazu kommt, dass Königshof kein Bier ausschenkt und damit das Hauptproblem der Gastronomen nicht kennt.

Noch entscheidender sei das Image der Marke Königshofer: "Wir brauen ein regionales Bier. In manchen Kreisen gilt es als hip, für viele ist es noch neu. Akzeptiert haben uns die Krefelder aber mittlerweile fast alle." Von Anschuldigungen in Richtung "Billigbier" will er nichts wissen. "Wir erfüllen alle Reinheitsgebote." Insoweit stimmt ihm Klaus-Jürgen Wiewrodt zu. Das "Königshofer Original" schenkt er auch selbst aus, genau wie mittlerweile 23 Gastronome in Krefeld. Die neu hinzugekommenen Sorten bietet Wiewrodt jedoch nicht an. "Sie passen nicht zu unseren Ansprüchen", sagt er.

Krise und Absatzplus, Tradition und Modemarke - all’ das kennen Krefelds Gastronomen. Georg Mäurers vom Gleumes sieht immerhin eine Gemeinsamkeit: "Keiner macht schlechtes Bier."

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