Ohne Rudolf Hacker läuft im Uerdinger Karneval wenig – zumindest was die Optik angeht. Er sorgt für Dekoration, Bühnenbild und Wagenbau.

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Mit der Hand entwirft Rudolf Hacker in seiner Wohnung die Bühnenbilder oder die Motivwagen des Uerdinger Karnevals.

Mit der Hand entwirft Rudolf Hacker in seiner Wohnung die Bühnenbilder oder die Motivwagen des Uerdinger Karnevals.

Dirk Jochmann

Mit der Hand entwirft Rudolf Hacker in seiner Wohnung die Bühnenbilder oder die Motivwagen des Uerdinger Karnevals.

Krefeld. Was würde der Uerdinger Karneval nur ohne Rudolf Hacker machen: Es gibt im jecken Treiben der Vereine in der Rheinstadt kaum eine Dekoration, bei der "Rudi" Hacker, wie der 65-Jährige gerufen wird, nicht seine Pinsel im Spiel hatte. Für elf große und kleine Karnevalsgesellschaften schwingt er seine Pinsel. Gerade erst hat er den Orden zum Jubiläum "150Jahre Uerdinger Karnevalszug" entworfen. Den Ruf, ein echtes Original zu sein, hat er sich hart erarbeitet.

Dabei ist seine Spanne breit: In Bullay an der Mosel hat er eine Straußenwirtschaft mit großen Bildern zum Thema "Wein" ausgemalt, aus lauter Spaß. Die Ölgemälde mit Landschaften, Tieren und alten Häusern in seiner Wohnung in Gartenstadt hat er auch selbst geschaffen. Der gelernte Schlosser, der schon in der Schule in Lank am liebsten die Tafel mit Bildern vollmalte, während die Mitschüler Spökes machten, war 41 Jahre lang bei Bayer, lange freigestellter Betriebsrat, und ist auch in seinem Vorruhestand noch Ortsgruppenvorsitzender der Gewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie sowie ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Essen.

Rudi Hacker will möglichst alles in Bildern fassen

Wenn er Karten oder Briefe schreibt, werden das nicht selten kleine Bilder. Die Entwürfe für die Wagen des Tulpensonntagszuges in Uerdingen hat er auf A-4-Blätter skizziert und überträgt sie später aufs Original. Er hat sich zum Chefdekorateur des Uerdinger Karnevals entwickelt. Für die KG "Op de Höh", bei der er Mitglied ist, gestaltet Rudi Hacker alleine fünf Wagen. Für die Braunschweiger Narrenzunft (BNZ) hat er den Elferratstisch mit Szenen aus dem Lagerleben der Soldaten im Siebenjährigen Krieg gemalt, mit Marketenderin und Truppenhund. Das Original ist zwölf Meter breit.

Dieses Maß bei acht Metern Höhe hat auch das große Bühnenbild für die Uerdinger Halle. "Da hatte ich aber ziemlichen Bammel", erzählt Hacker. "Den Entwurf musste ich auf kleine Flächen übertragen. Da hätte es passieren können, dass der große Clown schielt." Der große Clown guckte letztlich geradeaus.

Für die "Uerdinger Blaare" hat Hacker eine Wagenbemalung entworfen, die Uerdinger Narren beim Befeuern des Kraftwerks zeigt. Da brauchte er nur den Entwurf zu liefern, die Ausführung übernehmen die Aktiven. Auch die Uerdinger Prinzessinnen lassen sich von "Rudi" bei der Wagengestaltung helfen. Die Prinzenwagen gestaltet er seit sechs Jahren.

Rudi Hacker malt, wenn ihm was einfällt. So hat er schon Karnevalsentwürfe im Sommer auf dem Balkon skizziert. "Das verteilt sich so übers Jahr", sagt er. Zwischendurch frönt er seinem Hobby Radfahren. Manchmal fährt er "nach Düsseldorf zum Brötchenholen" oder nach Venlo. Und um Nikolaus hat er sowieso keine Zeit. Dann tritt er als Heiliger Mann im Kindergarten oder auf dem Uerdinger Markt auf. Einmal im Jahr kommt Mundart-Autor Heinz Webers auf ihn zu. Hacker kann sich dann Motive zu Titel und Monatsblättern des Mundartkalenders ausdenken. Die realisiert er in Bleistift.

Für seine Hilfe im Karneval wird Hacker alljährlich mit Orden überhäuft. Einen trägt er mit besonderem Stolz: "Das ist der Bürgerverdienstorden des Karnevalszugvereins und der Braunschweiger Narrenzunft."

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