Micholka übernimmt neue Helios-Region. Er blickt auf fünf Jahre harte Arbeit am Lutherplatz zurück.

Nach fünf Jahren verlässt Reiner Micholka das Helios-Klinikum und Krefeld.
Nach fünf Jahren verlässt Reiner Micholka das Helios-Klinikum und Krefeld.

Nach fünf Jahren verlässt Reiner Micholka das Helios-Klinikum und Krefeld.

Jochmann, Dirk (dj)

Nach fünf Jahren verlässt Reiner Micholka das Helios-Klinikum und Krefeld.

Krefeld. Nach fünf Jahren verlässt Reiner Micholka das Helios-Klinikum und Krefeld. Der Geschäftsführer des Krankenhauses übernimmt in seiner norddeutschen Heimat die neue Helios-Region Nord-West. So lange wie hier hat der 51-Jährige noch nie an einer Stelle gearbeitet. Es ist sein insgesamt 23. Umzug, aber diesmal fällt ihm der Abschied schwer. Im Interview blickt er auf seine Zeit am Lutherplatz zurück.

Sind Sie gerne ans Klinikum gekommen?

Reiner Micholka: Ja, grundsätzlich habe ich mich auf die Aufgabe sehr gefreut. Bisher hatte ich für den Konzern nur Krankenhäuser gebaut. Jetzt war ich erstmals der Bauherr und zu 80 Prozent am operativen Geschäft beteiligt. Als ich aber im Internet die Lichterketten gegen die Privatisierung des Krankenhauses sah, waren die Gefühle jedoch gemischt.

Wie sind die Gefühle jetzt, beim Abschied?

Micholka: Wieder gemischt. Das Verhältnis zu den Verantwortlichen der Stadt und zu den Mitarbeitern hat sich gedreht. Ich habe Freunde gefunden, mich sehr wohlgefühlt und fühle mich als ein Teil der Klinik, der Stadt und der Region.

Wie lautete damals Ihr Auftrag und haben Sie ihn erfüllen können?

Micholka: Wir sollten die Klinik sanieren. Sie hatte stets einen großen Namen und stand immer für hervorragende Medizin. Das Haus war in vielem ein Vorreiter, so in der Tatsache, seit 1995 das erste papierlose Krankenhaus zu sein. Die Qualität zu halten, war erste Voraussetzung. Zudem haben wir die Klinik auf eine solide Basis gestellt, die Mitarbeiter geschult und die Medizin samt der Apparate-Medizin erweitert.

Wie haben sich die Fallzahlen entwickelt?

Micholka: Am 31. 12. 2007 zählte die Klinik rund 38 000 Patienten. Heute sind es zehntausend mehr. Wir haben durch die medizinische Qualität und die Neubauten Zulauf bekommen.

Helios wollte schnell schwarze Zahlen schreiben. Hat es geklappt?

Micholka: Ja, wenn ich heute auf die Entwicklung zurückblicke, bin ich stolz auf das, was wir hier gemeinsam geschafft haben. In 2012 haben wir bereits zum dritten Mal eine große Mitarbeiter-Party gefeiert.

Es gab vor kurzem eine anonyme Mitarbeiterbefragung. Das Ergebnis ist nicht nur erfreulich für Helios. Kritisiert werden teilweise die ruppige Ansprache auf der Personalebene sowie die Arbeitsverdichtung. Wie reagiert die Geschäftsführung darauf?

Micholka: Die Note 2,4 würde ich nicht als unerfreulich bezeichnen, sie zeigt aber Handlungsbedarf. Wir haben mit dem Betriebsrat Problemfelder lokalisiert und arbeiten diese gerade in einem neu gegründeten Arbeitskreis, dem auch Betriebsratsmitglieder und Freiwillige angehören, auf. Wir werden Personalentwicklungsgespräche führen, um der als unzureichend empfundenen Wertschätzung zu begegnen.

Was könnte der Konzern Helios besser machen?

Micholka: Da gibt es immer etwas. Bei der Patientenbefragung bekommen wir etwa 50 Prozent Rückmeldung, das ist repräsentativ. In Kritik und Beschwerden sehe ich eine Möglichkeit für Verbesserungen. Wir haben die Patientenbeschwerdestelle geschaffen. Jede Rückmeldung landet auf meinem Schreibtisch und wird auch von mir beantwortet. Außerdem haben wir eine Patientenhotline etabliert.

Wie lang ist Ihre tägliche Arbeitszeit hier gewesen?

Micholka: Die Arbeit macht Spaß und ist keine Last. Manchmal wundere ich mich, dass es schon wieder dunkel draußen ist.

Was hat Ihnen an Ihrer Aufgabe in Krefeld besondere Freude gemacht?

Micholka: Als ich hier mit dem Kollegen Hans-Walter Singer angefangen habe, waren wir die „Men in Black“, denen viel Misstrauen entgegengebracht wurde. Mit der Zeit haben wir eine Vertrauensbasis geschaffen und Hierarchieebenen abgebaut. Auch Pflegeschülerinnen und Küchenkräfte suchen das Gespräch mit uns. Das wäre vor fünf Jahren noch undenkbar gewesen.

Was hat Ihnen Sorge bereitet?

Micholka: Ich baue schon lange Krankenhäuser, bisher war ein gebrochener Arm die größte Verletzung der Arbeiter. Der Todesfall beim Baustellenunglück am 4. April 2012 und der Brief der Tochter des Verstorbenen am Bauzaun haben mich sehr bewegt und auch privat tief betroffen gemacht. Neben Zahlen und wirtschaftlichen Ergebnissen gibt es wichtigere Dinge.

Sie sind ab 2009 zunächst für den ersten Bauabschnitt zuständig gewesen und seit vergangenen Mai zusätzlich auch alleiniger Klinikgeschäftsführer. Die Fertigstellung für den zweiten Bauabschnitt ist für Ende 2014 geplant. Wieso verlassen Sie bereits jetzt Krefeld?

Micholka: Natürlich habe ich mir gewünscht, den Bauabschnitt weiter aktiv mitzugestalten und in 2014 den Schlüssel übergeben zu bekommen. Es ist traurig, mittendrin aufzuhören, aber die neuen Aufgaben warten bereits. Doch mein Nachfolger hat auch Bauerfahrung.

Sie sind ein Mensch, der gerne Sport treibt?

Micholka: Ja, bei den „Heliolympics“, die alle zwei Jahre in Kienbaum stattfinden. Wir haben etwa Drachenbootfahren und Bogenschießen absolviert. Da gab es allerdings noch Trainingsbedarf im Krefelder Team, also haben wir kurzerhand zwei Betriebsmannschaften gegründet. In 2013 zeigen wir den anderen, wo der Hammer hängt, das wird ein großer Spaß. Zum Abschluss gibt es gleich noch ein Kicker-Turnier. Feiern werde ich meinen Abschied nicht. Aber für die Schlüsselübergabe des Neubaus hoffe ich auf eine Einladung.

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