Weil ihr Enkel unter ihrer Aufsicht in die Tiefe stürzte, stand eine 59-Jährige vor Gericht. Bis heute leidet sie unter dem Vorfall.

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Land- und Amtsgericht Krefeld

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Archivbild Andreas Bischof

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Krefeld. Es ist ein Albtraum für alle Eltern: Ein Kind fällt aus großer Höhe und verletzt sich schwer. So endete im Februar vergangenen Jahres der Gang eines 19 Monate alten Jungen durchs Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses.

Das Kind rutschte zwischen dem zweiten und dritten Obergeschoss durch ein Loch im Geländer und fiel bis in den Keller. Eine Schädelfraktur, Hirnblutungen, Einstauchungen der Zähne und Prellungen am Kopf waren die Folge. Die 59-jährige Oma, die das Kind damals begleitete, musste sich gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Der Junge ist wieder gesund, doch Spätfolgen sind nicht ausgeschlossen

Eine Strafe kommt nicht auf sie zu, das Verfahren wird eingestellt. Richter und Staatsanwalt sind sich darüber einig, dass die Frau durch die schweren Verletzungen ihres Enkels schon genug gestraft ist. Außerdem sei das Verschulden der bis jetzt nicht vorbestraften Frau eher gering.

Immer wieder ist sie im Gerichtssaal den Tränen nah, als sie von jenem schicksalhaften 24. Februar erzählt. Ihre Tochter sei noch mit dem anderen Kind oben geblieben und habe es angezogen. Sie sei mit dem Jüngsten schon vorgegangen. Wie Kinder in dem Alter nun mal sind, wollte der Kleine seinen Weg allein die Treppe hinuntergehen. Er habe sich an den Metallstreben des Treppengeländers festgehalten.

An der letzten Stufe vor dem Zwischenpodest fehlte eine Strebe – und das Kind fiel hindurch. Sie habe zwar nur eine Stufe vor dem Jungen gestanden, aber es sei zu schnell gegangen, um ihn noch zu packen, sagt die Frau vor Gericht: „Jedes Mal, wenn ich an die Sache denke, wird mir schlecht und mir schmerzt der Kopf.“

Heute ist der Junge wieder ganz gesund. Der Kinderarzt könne aber nicht ausschließen, dass noch Spätfolgen aufträten, erzählt die Mutter vor Gericht. „Kinder und Betrunkene haben ja meist einen Schutzengel. Gott sei Dank“, sagt der Richter.

Die 26-Jährige Mutter erhebt im Gerichtssaal schwere Vorwürfe gegen ihren Vermieter. Mehrmals habe sie ihn auf fehlende Metallstreben im Treppenhaus aufmerksam gemacht. Erst nachdem ihr Sohn abgestürzt war, sei eine Plexiglasscheibe vor dem Loch angebracht worden.