Der Katholikenrat fürchtet die Auswirkungen der Pfarr-Fusionen.

Regionaldekan Johannes Sczyrba übt Kritik am Bischof. (Archiv
Regionaldekan Johannes Sczyrba übt Kritik am Bischof. (Archiv

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Lothar Strücken

Regionaldekan Johannes Sczyrba übt Kritik am Bischof. (Archiv

Krefeld. Bei der offenen Vollversammlung des regionalen Katholikenrats Krefeld-Meerbusch sind sich alle Teilnehmer einig gewesen, dass die Auswirkungen der Fusion vieler Gemeinden zu Großpfarreien auf die pastorale Arbeit der Ehrenamtlichen groß sind. Ebenso übereinstimmend fiel die Kritik an Bischof Heinrich Mussinghoff über die rigide Art und Weise der Anordnung aus. Uneinig waren sich die Mitglieder des Katholikenrats, der Pfarrgemeinderäte und der Verbände jedoch über die Bewertung der Auswirkungen auf die Gemeindearbeit, die kontrovers diskutiert wurden.

Regionaldekan Johannes Sczyrba nahm kein Blatt vor den Mund, wohlwissend, dass er sich beim Bistum in Aachen keine Freunde damit macht: "Diese Entscheidung ist eine Katastrophe, eine Entmündigung der Gemeinden vor Ort."

Er habe sich andere Perspektiven für die Gemeinden Linn, Uerdingen und Meerbusch gewünscht. Die neue Organisation erkenne den Willen der Menschen in den Gemeinden nicht an und nehme ihnen die Verantwortung. Richtung Aachen schickte er ein Wort Goethes: "Der Mensch braucht Wurzeln und Flügel."

Unterstützung fand Sczyrba bei den ehrenamtlichen Teilnehmern. So wurde die Frage gestellt, wie die Kirche wohl reagiere, wenn die Mitglieder nicht mehr unter diesen Strukturen arbeiten wollten. Gefordert wurden Mitspracherecht und Anerkennung. Eine Berufsschullehrerin fragte, wo denn die Jungen im Pfarrsaal von St. Anna seien und prophezeite noch mehr Nachwuchssorgen als bisher. Der Leiter der Malteser befürchtete, dass die 150 ehrenamtlichen Mitarbeiter noch stärker von der Kirche dominiert werden. Der PR-Gau habe schon stattgefunden, sagte er zu den Kommunikationsproblemen mit der Kirche.

Zuvor hatten Lothar Zimmermann, Vorsitzender des Katholikenrats, und Lutz Braunöhler, Vorstandsmitglied des Diözesanrats, dazu aufgerufen, das Beste aus der Situation zu machen. Zimmermann selbstbewusst: "Wir sind die Kirche und lassen uns nicht beiseite schieben." Nur wenn man sich einig sei und mit Gleichgesinnten verbinde, könne man Strukturen ändern. Ähnlich äußerte sich Braunöhler. Die Rechte des "gemeinen Kirchenvolkes" könnten nur gesichert werden, wenn man die immer weniger werdenden Hauptamtlichen nicht einfach machen lasse, sondern ihnen mit überzeugenden Konzepten entgegen trete. Und er warnte: Wer sich jetzt nicht in die Gemeinderäte wählen ließe, habe 2013 bei der Wahl der synodalen Gremien nichts mehr zu melden.

Politik soll Arbeitslosenzentrum unterstützen Im Jahresrückblick ging Zimmermann auf die Themen Arbeitslosigkeit, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Spaltung der Gesellschaft ein, mit denen sich der Rat beschäftigt habe. Er vermisse trotz großer Worte der Politiker der Ratsfraktionen die Unterstützung des Arbeitslosenzentrums Krefeld-Meerbusch. Wegen der schlechten Finanzsituation stoße die Kirche an ihre Grenzen, mahnte er die Unterstützung der Politik an.

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