Fichte-Gymnasium ist Ausrichter.

27. Januar
Der Tunnel im Südbahnhof mit Blick auf den Eingang „Am Hauptbahnhof“: Fichte-Schüler bereiten die Gedenkfeier am Sonntag vor.

Der Tunnel im Südbahnhof mit Blick auf den Eingang „Am Hauptbahnhof“: Fichte-Schüler bereiten die Gedenkfeier am Sonntag vor.

DJ

Der Tunnel im Südbahnhof mit Blick auf den Eingang „Am Hauptbahnhof“: Fichte-Schüler bereiten die Gedenkfeier am Sonntag vor.

Krefeld. Es wird ein Tag mit Erinnerungen, Gedenken, Begegnungen – aber auch ein Tag mit dem Blick nach vorne, verbunden mit der Frage: „Wie bin ich gegenüber jemandem, der anders ist als ich?“

All dies wird Inhalt des Gedenktages für die Opfer von Krieg, Diktatur und Gewalt am Sonntag sein. Es ist der Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945.

Bericht eines Betroffenen hat die Auswahl des Ortes mitbestimmt

Der Gedenktag wird in Krefeld seit Jahren von der Stadt und von Schulen ausgerichtet. In diesem Jahr ist es das Fichte-Gymnasium – und erstmals findet der Tag nicht auf einem Schulgelände statt, sondern im Südbahnhof.

Waltraud Fröchte, Direktorin des Fichte-Gymnasiums, berichtete gestern im Gespräch mit der WZ von einem Schüler, der vor über 50 Jahren am Fichte sein Abitur gemacht hat. Als er elf oder zwölf Jahre ist, wird er gerufen, um am Hansa-Zentrum verzweifelt Abschied von seiner Mutter zu nehmen – einer Jüdin, die in den Zug steigen muss und nach Theresienstadt deportiert wird.

Es ist der letzte Zug, der von Krefeld aus nach Theresienstadt geht. Für Waltraud Fröchte war dieser Bericht, den sie selbst mit anhörte, der Grund, den Südbahnhof als Ort der Gedenkfeier zu wählen: „Am Sonntag sitzen die Gäste und Gestalter des Gedenktages genau unter den Gleisen, auf denen damals auch dieser letzte Zug gefahren ist. Das ist eigentlich der Ort, an dem wir sein sollten, um uns an Deportation und Vernichtung zu erinnern.“

„Ich und Anders“ ist der Leitgedanke des Gedenktages. 60 Fichte-Schüler werden am Sonntag Mit-Gestalter der Feier sein, viel mehr als diese 60 haben bei den Vorbereitungen mitgemacht – quer durch alle Stufen von 6 bis 13. Seit dem Beginn dieses Schuljahres haben sie sich im Unterricht und in Arbeitsgemeinschaften an die damaligen Geschehnisse, aber auch an mögliche Darstellungsformen herangearbeitet. So war zum Beispiel ein Leistungskurs der Oberstufe oft im Stadtarchiv, um dort zu recherchieren.

Schüler werden die Gäste am Eingang empfangen

Bei dieser Arbeit dabei waren Lehrer, Historiker, bildende Künstler, Musiker. Und am Sonntag gehören Manuel Schroeder und Mauga Houba-Hausherr zu den Künstlern, die Kulturagentin Birgitta Heller, die auch am Fichte-Gymnasium arbeitet, für das Programm der Gedenkfeier miteinbeziehen konnte.

Treffpunkt am Sonntag wird um 11 Uhr der Eingang zum Südbahnhof nicht an der Saumstraße, sondern an der anderen Seite an der Straße Am Hauptbahnhof sein.

Die Gäste werden von Schülern der Theater-AG einzeln in Empfang genommen. Über verschiedene Stationen hinweg werden sie durch den langen Tunnel in den Veranstaltungsraum gebracht.

Eine halbe Stunde später, um 11.30 Uhr, beginnt die eigentliche Gedenkfeier, bei der neben den Reden ein Dialog auf dem Programm steht.

Am Montag wird der Performance-Teil der Veranstaltung für die Acht- und Neuntklässler des Fichte im Südbahnhof wiederholt. Noch keinen Termin gibt es für die Oberstufenschüler, die das Erarbeitete im Kresch-Theater sehen werden.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer