Im Altar von St. Cyriakus wurde ein Marmorstein aus den Jahren 100 bis 300 nach Christus entdeckt.

Hans-Dieter Klose (r.) hat die Schenkungsurkunde übersetzt. Er zeigt mit Pfarrer Paul Jansen den Altarstein aus den Jahren 100 bis 300 nach Christus.
Hans-Dieter Klose (r.) hat die Schenkungsurkunde übersetzt. Er zeigt mit Pfarrer Paul Jansen den Altarstein aus den Jahren 100 bis 300 nach Christus.

Hans-Dieter Klose (r.) hat die Schenkungsurkunde übersetzt. Er zeigt mit Pfarrer Paul Jansen den Altarstein aus den Jahren 100 bis 300 nach Christus.

abi

Hans-Dieter Klose (r.) hat die Schenkungsurkunde übersetzt. Er zeigt mit Pfarrer Paul Jansen den Altarstein aus den Jahren 100 bis 300 nach Christus.

Hüls. Es ist eine kleine Sensation. In den 26 Jahren, in denen Paul Jansen als Pfarrer von St. Cyriakus wirkt, hat er tausend Mal am Altar gestanden. Erst seit dem vergangenen Donnerstag weiß er, welches Kleinod im Altarsockel eingemauert ist.

Es ist ein Stein aus der Zeit zwischen 100 und 300 nach Christus. Er stammt aus der St.-Callixtus-Katakombe, dem Friedhof, der in Rom in der Nähe der Via Appia liegt.

Das Aufsehen erregende Ereignis begann so: „Als ich den Nachlass von Heimatforscher Werner Mellen ordnete, fand ich in einem Briefumschlag eine alte Urkunde“, berichtet der Heimatvereins-Vorsitzende Gottfried Andree. „Die hatten wir noch nie gesehen.“ Andree wandte sich damit im Herbst an den ehemaligen Lateinlehrer und Historiker Hans-Dieter Close. Close kam erst jetzt dazu, sich das Schriftstück genauer anzusehen und merkte schnell, welche Sensation er da in Händen hielt.

Urkunde gibt Hinweis auf den Friedhof von St. Callixtus

Zu der Frage, wie dieser wertvolle Stein wohl aus Rom nach Hüls gekommen ist, gibt die Übersetzung der Urkunde Hinweise. Darin steht: „Ich, der ich unten unterschrieben habe, Geheimsekretär der Kommission für Christliche Archäologie, bezeuge, dass dieser Stein aus weißem Marmor durch Ermächtigung und Erlaubnis des erhabensten und hochwürdigsten Herrn Constantinus Patricius, Kardinal und Generalvikar unseres Heiligsten Herrn Papst Pius IX. in Rom, vom Friedhof von St. Callixtus entnommen wurde, der rechts von der Via Appia liegt.“

Diese Urkunde könnte mit ihrem Text als Schenkungsurkunde gelten. Denn weiter heißt es, dass der unterzeichnende Felix Canonicus Profili den Stein im Jahr 1864 dem „Bewundernswerten Hochwürdigen Herrn Gerhard Drießen, Pfarrer der Diözese Münster zum Geschenk gegeben werde, (. . .) damit er segensreicher Weihestein der neuen Kirche sei, die der erwähnte Pfarrer zu bauen beabsichtigt.“

Steinmetz hat wichtige Angaben eingraviert

Doch der Stein wurde nicht in Münster verbaut, sondern in der neuen Kirche in Hüls. Jansen: „Sie wurde erbaut, als die vielen Gläubigen im alten Gotteshaus keinen Platz mehr fanden, wie die Ölsardinen standen und regelmäßig in Ohnmacht fielen. Im Gegensatz zu heute gingen die Menschen allesamt in die Kirche und Vorabend-Messen waren noch nicht erfunden“, sagt Jansen mit einem Schmunzeln.

Also wurden das alte Hülser Gotteshaus abgerissen und von 1865 bis 1868 eine neue Kirche errichtet. Jansen: „Bei diesem Bauvorhaben mussten Teile der ,Klausur‘ aus Platzgründen abgerissen werden. Sie standen im jetzigen Altarbereich.“ Und dort ist nun auch das wertvolle Stück aus Rom eingemauert.

Close: „Wieso der Stein den Weg nach Hüls und nicht nach Münster fand, ist bisher ungeklärt. Das werde ich noch versuchen, herauszufinden.“

Der Stein selbst trägt die ähnliche Aufschrift in Kurzform, wie sie auch in der Urkunde zu finden ist. „Der Steinmetz hat die wichtigsten Angaben eingraviert.“

Der Stein befindet sich in der Mitte eines dreiteiligen Ensembles. Jansen: „Links ist die Abrahams-Geschichte dargestellt, rechts Manna in der Wüste, alles im neugotischen Stil mit Rundbögen und Säulen.“ Zwei Engel über dem Mittelteil erinnerten an die Art des Malers Raffael und die Engel in der Sixtinischen Kapelle, erklärt der Geistliche.

Pfarrer Jansen muss seine Kirchenführung aktualisieren

Pfarrer Jansen hat noch eine weitere Aufgabe: „Jetzt habe ich 1000 Mal am Altar vor diesem Stein gestanden und nicht gewusst, wie alt und wichtig er ist. Jetzt muss ich meine Kirchenführungen ändern. Bisher sagte ich immer, das 600 Jahre alte hölzerne Sakramentshaus hinter dem Altar sei das älteste Stück in der Kirche. Das muss ich nun revidieren.“

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