Die Musikband „Rock am Ring“ der Lebenshilfe vertont derzeit sieben eigene Songs. Sie hofft, damit den Meister der Nussecken zu überzeugen und in Berlin auftreten zu dürfen.

Wettbewerb
Die Musiker der Band „Rock am Ring“ haben im Tonstudio 13 an der Ritterstraße viel Spaß. Im Vordergrund Bratschistin Laura Uhle.

Die Musiker der Band „Rock am Ring“ haben im Tonstudio 13 an der Ritterstraße viel Spaß. Im Vordergrund Bratschistin Laura Uhle.

Andreas Bischof

Die Musiker der Band „Rock am Ring“ haben im Tonstudio 13 an der Ritterstraße viel Spaß. Im Vordergrund Bratschistin Laura Uhle.

Krefeld. Wenn sie blond und blauäugig ist, dann hat sie gute Chancen, der Schwarm von Marius Brehmer zu werden. Und wenn der 28-Jährige nicht gerade komponiert, dann arbeitet der Sänger der Lebenshilfe-Musikband „Rock am (Franken)Ring“ in der geschützten Werkstatt des Heilpädagogischen Zentrums in Krefeld. Sein „Lovesong“ an eine Fernsehschönheit, „die ich wohl nie erreichen werde“, wie er selbst sagt, hat echten Ohrwurm-Charakter. Es ist nur eins von sieben selbst komponierten Stücken, die die Band derzeit in einem Krefelder Tonstudio aufnimmt.

Rhythmische Rockballaden voller Gefühl, Melancholie und Ehrlichkeit lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass hier die behinderten Musiker den vielen Profis im Musikgeschäft durchaus eines voraus haben: Sie müssen nicht jahrelang daran feilen, ihre Gefühle lebensnah auf die Bühne zu bringen – sie können es einfach, spontan und glaubhaft. „Und damit geht unser Konzept voll auf“, sagt Andrea Hülsmann, die künstlerische Leiterin des Lebenshilfe-Bandprojektes.

Zu singen, zu komponieren und ein Instrument zu lernen, wird dort vor allem in der Gruppe erlebt. Andrea Hülsmann: „Diese Gemeinsamkeit hat ja ganz viel mit gesellschaftlichem Zusammenleben und dem Abbau von Barrieren zu tun.“

Mit üblichen Casting-Shows hat der Wettbewerb nichts zu tun

Derzeit besteht die Band aus 17 behinderten Menschen, die tatkräftig und überwiegend ehrenamtlich von Musiktherapeuten und Erziehern begleitet werden. Eine ungewöhnliche, temperamentvolle, aber auch durchaus konzentrierte bunte Truppe, die für den Moment nichts anderes im Sinn hat, als nach Berlin zu reisen.

„Guildo sucht die Superband“, so lautet nämlich der Ruf aus der Hauptstadt, der sicherlich auf den ersten Blick etwas schräg klingen mag. Doch wenn man genauer hinschaut, hat dies nichts mit dem heute inflationär auftretenden Casting-Wahnsinn zu tun.

Die Lebenshilfe versteht sich als Selbsthilfevereinigung, Eltern-, Fach- und Trägerverband für Menschen mit geistiger Behinderung und ihre Familien. Sie hat 120.000 Mitglieder. Die Lebenshilfe wurde 1958 in Deutschland auf Bundesebene von betroffenen Eltern und Fachleuten als Bundesvereinigung Lebenshilfe gegründet.

 

Die Lebenshilfe begleitet Menschen mit geistiger Behinderung in ihrem Bestreben, gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilzunehmen und tritt für die barrierefreie Gestaltung aller Lebensbereiche ein. Sie ist eine solidarisch handelnde Selbsthilfeorganisation mit kompetenten Beratungs- und Betreuungsangeboten, mit differenzierten Einrichtungen und zukunftsweisenden Projekten.

 

Die Lebenshilfe Krefeld ist ein eingetragener Verein mit 520 Mitgliedern.

 

Im Gegenteil. Guildo Horn, selbst ernannter Meister seiner Fans und aller orthopädischen Strümpfe und Nussecken Deutschlands, Schlagerbarde und Grand-Prix-Teilnehmer, startete nämlich seine berufliche Laufbahn als Musiktherapeut bei der Lebenshilfe Trier. Er unterstützt behinderte Menschen und die Lebenshilfe seit vielen Jahren.

Jetzt sucht er gemeinsam mit der Bundesvereinigung Lebenshilfe deutschlandweit die „Superbands“ in denen Menschen mit geistiger Behinderung spielen oder singen. „Bis zum 30. April müssen wir unsere CD einreichen“, sagt Andrea Hülsmann. Auch sie verspürt jetzt einen gewissen Zeitdruck. Die drei besten Bands werden nach Berlin eingeladen und dürfen dann zum Abschluss eines Lebenshilfe-Kongresses nicht nur ihre Songs vorstellen, sondern später auch mit Guildo Horn gemeinsam „irgendwelche Musik“ machen.

„Die Betonung liegt da sicher auf „irgendwelche Musik“, so Andrea Hülsmann. Denn auch wenn die Musiker der Krefelder Lebenshilfe hart arbeiten, nach einem gemeinsamen Spontan- Konzert mit Guildo Horn dürften selbst ihnen die Haare zu Berge stehen.

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