Germanistikprofessorin: Das Krefelder Ehepaar Gayk und die Russin Wera Sotoljuk pflegen private Kontakte. Die Enkelin ist auch dabei.

Enkelin Walentina Syssojewa und ihre Großmutter Wera Sotoljuk, Rita Propers-Karpov, Erika und der langjährige WZ-Fotograf Axel Gayk (von links) samt Dackeldame Bienchen an der Kaffeetafel.
Enkelin Walentina Syssojewa und ihre Großmutter Wera Sotoljuk, Rita Propers-Karpov, Erika und der langjährige WZ-Fotograf Axel Gayk (von links) samt Dackeldame Bienchen an der Kaffeetafel.

Enkelin Walentina Syssojewa und ihre Großmutter Wera Sotoljuk, Rita Propers-Karpov, Erika und der langjährige WZ-Fotograf Axel Gayk (von links) samt Dackeldame Bienchen an der Kaffeetafel.

Andreas Bischof

Enkelin Walentina Syssojewa und ihre Großmutter Wera Sotoljuk, Rita Propers-Karpov, Erika und der langjährige WZ-Fotograf Axel Gayk (von links) samt Dackeldame Bienchen an der Kaffeetafel.

Krefeld. Russische Bonbons und deutsche Waffeln stehen auf der gedeckten Kaffeetafel. Die kleine Runde an dem Tisch ist ins Gespräch vertieft. Elf Jahre haben sie sich nicht gesehen. Doch der Freundschaft zwischen den Krefeldern Axel und Erika Gayk sowie Wera Sotoljuk (73) aus Uljanowsk hat das keinen Abbruch getan. Im Gegenteil, sie hat sogar schon die dritte Generation in ihren Bann gezogen.

Nach der Wende wollte das Ehepaar Gayk, das bis dahin regen Briefkontakt in die DDR hatte, auch andere Menschen unterstützen. Die Krefelder Städtepartnerschaft mit Uljanowsk kam ihnen da sehr gelegen.

Plötzlich saß die Brieffreundin mutterseelenallein in Hannover

So lernten sie Wera Sotoljuk kennen, eine Germanistikprofessorin mit ausgeprägter Liebe zu Deutschland. Briefe gingen hin und her, später wurde telefoniert, und schnell war man beim Du. Auch Pakete gingen auf die Reise. "Direkt konnten wir aber nichts schicken, das kam ja nicht an", erinnert sich Erika Gayk. "Also sind wir extra nach Gießen gefahren zu einem Sammeltransport. Es war so heiß, und wir hatten Margarine in dem Paket."

Jahre vergingen, bis es zum ersten Treffen kam. Und dann, ganz plötzlich, rief Wera Sotoljuk an - aus Hannover. Prompt machte sich die Gayks auf den Weg. "Da saß sie nun, ganz allein, mit ihrem Koffer", sagt Erika Gayk. "Da gab es kein Fremdsein", erzählt die Krefelderin. "Wir haben uns sofort umarmt."

Auch Wera Sotoljuk erinnert sich an die erste Begegnung. Jeden Tag, jeden Ausflug hat sie in einem Kalender notiert. Und auch die neu gelernten Wörter weiß sie noch: "Wir haben damals Matjes gegessen. Brötchen mit Hering und Zwiebeln habe ich mir aufgeschrieben." Die Zeit verging wie im Flug. "Ich sehe sie noch", sagt Erika Gayk, "wie sie mit einem Tortenboden in der Hand ins Flugzeug gestiegen ist."

Die Stadt liegt im zentralen Teil des europäischen Russland und erstreckt sich an beiden Seiten des Kuibyschewer Stausees der Wolga, wobei der größere Teil der Stadt am rechten Ufer liegt. Die Entfernung nach Moskau beträgt knapp 900 Kilometer. Die Städtepartnerschaft mit Krefeld besteht seit 1993.

Der Kontakt bricht all die Jahre nicht ab, auch wenn Wera Sotoljuk den Sommer auf dem Land verbringt, ohne Telefon, ohne Poststelle. "Ich muss immer schauen, wer in der Zeit deines Geburtstages nach Deutschland fährt", sagt sie zu Erika Gayk. Monate vorher schreibe sie dann die Karte. Denn mit der Post, das sagen beide Seiten, sei es nach wie vor schwierig.

Eine große Hilfe ist da Rita Propers-Karpov. Die 48-Jährige ist mit einem Mann aus Uljanowsk verheiratet. "Immer, wenn er rüberfliegt, fragt er, ob er etwas mitnehmen kann", erzählt sie.

Diesmal ist die russische Germanistikprofessorin nicht allein gekommen. Ihre 18-jährige Enkelin Walentina Syssojewa hat sie auf der einwöchigen Reise begleitet. Für das blonde Mädchen ist es der erste Besuch in Deutschland. Doch ihr Deutsch ist schon fast so perfekt wie das ihrer Großmutter. Auch sonst scheint sie dieser nachzueifern, studiert ebenfalls Germanistik. Begeistert erzählt Walentina Syssojewa von den vielen Fotos, die sie schon gemacht hat. "In Russland ist es gerade so kalt und hier acht Grad plus. Es ist alles so schön grün hier - und gepflegt. Außerdem sind die Menschen sehr gastfreundlich."

In ihre Heimat eingeladen hat Wera Sotoljuk die Gayks immer wieder. "Aber wir haben einen Hund, da geht das leider nicht", sagt Erika Gayk. Auch Russisch haben sie in der Zeit nicht gelernt. "Sie spricht ja perfekt Deutsch", erklärt die 72-Jährige. Und ihr Mann fügt hinzu: "Sie hat auch immer ein Zitat parat." Sie liebe eben die deutsche Literatur, so Wera Sotoljuk.

Ob sie sich in naher Zukunft wiedersehen, das ist den dreien nicht so wichtig. "Hauptsache, wir sind Freunde", sagt Wera Sotolojuk und schließt nach ihrer Art mit einem Zitat von Goethe. "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut - genauso ist diese Familie."

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer