Über Monate wurden Lieferanten geprellt. Der mutmaßliche Drahtzieher sitzt in Untersuchungshaft.

Mehmet Y. (42) soll der große Strippenzieher bei den Betrügereien gewesen sein.
Mehmet Y. (42) soll der große Strippenzieher bei den Betrügereien gewesen sein.

Mehmet Y. (42) soll der große Strippenzieher bei den Betrügereien gewesen sein.

Polizei

Mehmet Y. (42) soll der große Strippenzieher bei den Betrügereien gewesen sein.

Krefeld. Sein Lächeln war nur Fassade: Dutzende fielen auf den freundlichen Mehmet Y. herein. Jetzt sitzt der 42-Jährige in Untersuchungshaft. Fast eine Million Euro soll der Belgier türkischer Abstammung durch groß angelegte Betrügereien erbeutet haben. Dabei spielte er nach Überzeugung von Polizeipräsident Rainer Furth mit der Existenz von Betrieben und Mitarbeitern. Nach intensiven Ermittlungen der Polizeibehörden in Krefeld und Mettmann setzten Zielfahnder des Landeskriminalamtes (LKA) seinem Treiben vergangenen Freitag ein Ende: Der Mann, der schnelle und teure Autos liebt, wurde in Dortmund in einem Phaeton festgenommen.

Mehmet Y. blieb gerne der Mann im Hintergrund

Monate zuvor war er laut Polizei als freundlicher „Herr Berkan“ der Strippenzieher im Hintergrund einer Gesellschaft an der Weyerhofstraße. Er soll den 51-jährigen Mehmet S. aus Belgien geholt und als Geschäftsführer eines Betriebs für Druckereierzeugnisse eingesetzt haben. Die war zunächst von der Uerdinger Straße an den Rand des Gewerbegebiets Mevissenstraße gezogen, um dann ihr Betätigungsfeld zu erweitern: Plötzlich wurde auch mit Waren aller Art gehandelt – Lebensmittel, iPhones, teurer Wein. Die Männer protzten mit dicken Geldrollen, die sie aus den Hosentaschen zogen.

Nach anfänglichen kleinen Lieferungen, die auch bezahlt wurden, kamen von der Weyerhofstraße dann die ganz großen Bestellungen. Sie erreichten schnell einen fünfstelligen Wert. Die Ware hatten die mutmaßlichen Betrüger flott verkauft, die Rechnungen allerdings bezahlten sie nicht mehr, so Kriminalhauptkommissar Jochen Fier. Zwei ahnungslose Sekretärinnen, die die Männer über die Arbeitsagentur gefunden hatten, beschwichtigten die Lieferanten. Irgendwann konnten aber auch sie ihren Chef nicht mehr erreichen. Von der Firmenübernahme am 6. März 2010 bis zur ersten Betrugsanzeige am 19. Oktober vergingen gerade einmal sieben Monate.

Als der freundliche „Herr Berkan“ am 6. Mai in Dortmund festgenommen wurde, hatte er in Lünen bereits die nächste Firma übernommen, um mit deren einstmals gutem Namen die nächsten Lieferanten abzuzocken. Rudolf Brügge, Chef der LKA-Zielfahnder, saß da schon bei seinen belgischen Kollegen, die nahezu zeitgleich bei Tongeren den flüchtigen 51-jährigen Geschäftsführer aus Krefeld aus einem Wagen ziehen konnten.

Teure Autos spielten ohnehin eine große Rolle bei der Bande, die Staatsanwalt Georg Blank vor dem Krefelder Landgericht anklagen will: Teure Wagen – Mercedes 350 CDI, BMW X6 oder Audi A8 – wurden geleast, die ersten Raten beglichen. Dann aber blieben auch hier die Zahlungen aus. Lieferanten oder Außendienstmitarbeiter hatten sich von den wertvollen Wagen vor den Büros blenden lassen, dann wurden die Fahrzeuge ins Ausland verschoben. Ein Fahrzeug, das die Betrüger in Krefeld nutzten, stoppte die Polizei in Passau – es sollte nach Albanien gebracht werden. Der Fahrer wurde festgenommen und später zu einer eineinhalbjährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Dem freundlichen „Herrn Berkan“ drohen vermutlich etwa sechs Jahre Haft.