Justiz
Der Krefelder Pastor der Volksmission, Ewald Frank, räumte vor Gericht ein, ein Fax für den umstrittenen Colonia- Sektenarzt verschickt zu haben.

Der Krefelder Pastor der Volksmission, Ewald Frank, räumte vor Gericht ein, ein Fax für den umstrittenen Colonia- Sektenarzt verschickt zu haben.

Jochmann, Dirk (dj)

Der Krefelder Pastor der Volksmission, Ewald Frank, räumte vor Gericht ein, ein Fax für den umstrittenen Colonia- Sektenarzt verschickt zu haben.

Düsseldorf. Die evangelikale Freie Volksmission in Krefeld hat sich von der berüchtigten Sektensiedlung Colonia Dignidad in Chile distanziert. Das Düsseldorfer Landgericht untersagte am Mittwoch auf Antrag der Volksmission eine Reihe von Aussagen über vermeintliche Verbindungen der Krefelder Gruppierung zur Colonia Dignidad.

So dürfe nicht mehr verbreitet werden, die Volksmission biete führenden Funktionären der Colonia Dignidad oder dem Sektenarzt H. H. Zuflucht, sagte ein Gerichtssprecher. Die Volksmission hatte zwar eingeräumt, dass 13 ehemalige Bewohner des Colonia-Geländes ihre Gottesdienste besuchen. Dabei handele es sich aber um Opfer, nicht um Täter aus dem Kreis des Sektenführers Paul Schäfer.

Allerdings räumte der Krefelder Pastor der Volksmission, Ewald Frank, vor Gericht ein, ein Fax für den umstrittenen Colonia- Sektenarzt H. H. verschickt zu haben. H. war in Chile zu einer Gefängnisstrafe wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden und hatte sich nach Krefeld abgesetzt. In Deutschland wird gegen ihn wegen Mordes ermittelt. Ein Anwalt von H. hatte die Vorwürfe bestritten. Das Fax an die  Westdeutsche Zeitung trug die Absender-Kennung der Volksmission.

H. habe das Gelände der Volksmission aber nicht betreten, behauptete Frank. Eine andere Zeitung und ein anderes Internetportal hatten über Bezüge der Krefelder Religionsgruppe zur berüchtigten Deutschen-Siedlung in Chile berichtet. Dabei sei der Eindruck erweckt worden, die Freie Volksmission sei eine Art Nachfolge-Organisation der „Folter-Sekte“, hatte der Anwalt der Volksmission kritisiert.

Gefallen lassen muss sich der Prediger Ewald Frank dem Gericht zufolge aber die Behauptung, dass es Parallelen in der Weltanschauung der Prediger Schäfer und Frank gebe. Dies sei als Werturteil von der Meinungsfreiheit gedeckt. Auch sei unstreitig, dass Frank mit einer ehemaligen Buchhalterin der Colonia Dignidad in Israel gewesen sei. Frank hatte angeführt, die Frau sei lediglich bei einer seiner vielen Reisen nach Israel in einer größeren Reisegruppe auch dort gewesen.

Die berüchtigte deutsche Siedlung Colonia Dignidad (Kolonie der Würde) in Chile war unter ihrem Gründer Paul Schäfer ein befestigtes Lager mit sektenähnlichen Strukturen. Die seit 1991 in „Villa Baviera“ (Bayerisches Dorf) umbenannte landwirtschaftliche Anlage liegt etwa 350 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chile. Die ehemals rund 300 Mitglieder lebten auf dem rund 15 000 Hektar großen Areal völlig abgeschirmt von der Öffentlichkeit.

Einigen Mitgliedern der Gemeinschaft war im Lauf der Jahre die Flucht gelungen. Während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet in Chile (1973 bis 1990) soll die damals hermetisch abgeschirmte Anlage eines der berüchtigten Folterzentren der chilenischen Geheimpolizei gewesen sein. Auch sollen auf dem Gelände Kinder missbraucht worden sein.

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