Was zahlt die Sparkasse für die WestLB, bleibt es bei Gebühren für die Kontoführung? Zu diesen und weiteren Fragen äußert sich die neue Chefin der Sparkasse Krefeld im WZ-Gespräch.

interview
Wichtig ist die regionale Identität: Sparkasssen-Chefin Birgit Roos.

Wichtig ist die regionale Identität: Sparkasssen-Chefin Birgit Roos.

Bischof

Wichtig ist die regionale Identität: Sparkasssen-Chefin Birgit Roos.

WZ: Frau Roos, Sie sind seit dem 1. April Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld. Wie sahen Ihre ersten Arbeitstage aus?

Roos: In den ersten Wochen habe ich in unserem Haus sehr viele Gespräche geführt und dabei sehr viele Menschen kennengelernt.

 

Vor Ihrer Wahl gab es im Personal Vorbehalte. Man hatte sich einen Kandidaten aus dem Haus gewünscht.

Roos: Das habe ich zur Kenntnis genommen. Nur so viel: Ich habe von Beginn an ein sehr konstruktives Miteinander mit den Vorstandskollegen festgestellt.

Birgit Roos, Jahrgang 1958, ist in Meerbusch-Nierst mit vier Geschwistern aufgewachsen. Ihr Abitur baute sie an der Marienschule in Krefeld, studierte an der WWU Münster Volkswirtschaftslehre und promovierte über das Thema „Die Funktionsfähigkeit des Wettbewerbs auf den Arzneimittelmärkten der Bundesrepublik Deutschland“. Sie ist verheiratet, kinderlos und lebt in Meerbusch.

Roos war von 1984 bis 1985 persönliche Referentin des Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf und danach am Aufbau der Wirtschaftsförderung der Stadt Meerbusch beteiligt. Ab 1990 arbeitete Roos für die WestLB, zuletzt als Leiterin des Marktbereiches Wirtschaftsförderung der NRW.Bank. Von 2004 bis 2009 war sie Vorstandsmitglied der Investitionsbank Berlin. Von 2009 bis 2012 war sie Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse Düsseldorf. Seit 1. April 2012 ist sie Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Krefeld.

 

Sie kommen von der Stadtsparkasse Düsseldorf nach Krefeld. Gibt es Unterschiede?

Roos: In Düsseldorf gab es eine schwierige Phase aus den bekannten Gründen. Hier in Krefeld haben wir diese Probleme nicht. Als Vorstandsvorsitzende ist meine Rolle neu. Anders ist somit auch die Erwartungshaltung an mich.

 

Welche Richtung werden Sie einschlagen?

Roos: Die Notwendigkeit zu umwälzenden Veränderungen sehe ich nicht, schließlich hat sich das Sparkassenmodell bewährt, gerade auch in dieser Region. Ich will meinen Beitrag leisten, die Sparkasse Krefeld nach vorne zu bringen. Wichtig ist die regionale Identität; wir brauchen eine Balance zwischen Krefeld, Kreis Viersen und Geldern.

 

Haben Sie eine Vision für Ihre Arbeit?

Roos: Ja, ich möchte die Kunden durch Qualität und Nachhaltigkeit so bedienen und zufriedenstellen, dass wir auf Dauer möglichst noch neue Kunden hinzugewinnen können.

 

Neue Kunden kann man auch über Größe gewinnen. Wird es nach Viersen und Geldern weitere Fusionen der Sparkasse geben?

Roos: Die Frage stellt sich derzeit überhaupt nicht. Fusionen sind eine politische Entscheidung.

 

Zur Attraktivität einer Sparkasse gehören auch günstige Konditionen für die Kunden. Werden bei Ihnen künftig die Kontoführungsgebühren wegfallen?

Roos: Eine große Herausforderung für die Zukunft wird sein, auf welchen Wegen wir künftig mit unseren Kunden kommunizieren und unser Geschäft machen. Stichwort: Multikanal. In diesem Zusammenhang muss man auch das Thema einer möglichen Preisdifferenzierung sehen.

 

Andere Sparkassen schütten ihren Gewinn an die Stadtkasse aus. Auch Krefeld möchte das, um den maroden Haushalt zu sanieren.

Roos: Dies wiederum ist eine Entscheidung der Gremien. Die Träger, also Stadt Krefeld und Kreis Viersen, müssen gemeinsam darüber entscheiden, ob der Gewinn weiter wie bisher in die Rücklagen zur Stärkung der Sparkasse fließt oder in die öffentlichen Kassen. Auf jeden Fall brauchen wir eine starke Sparkasse.

Über Jahre hat die Sparkasse Rückstellungen für die WestLB leisten müssen. Wie hoch werden die Kosten ausfallen?

Roos: Dies wird sich erst im Laufe der Zeit ergeben, wenn klar ist, wieviel von den Rückstellungen wirklich benötigt wird. Wir haben in den letzten Jahren genau 3,7 Millionen Euro pro Jahr zurückgelegt.

 

Sie haben es geschafft, sind erste Chefin einer Großsparkasse. Sollte es eine Quote für Frauen in Führungspositionen geben?

Roos: Eine Frauenquote kann hilfreich sein. Wichtiger ist meines Erachtens jedoch, dass Frauen in ihrem Unternehmen die Rahmenbedingungen vorfinden, um ihre Leistungen bringen zu können. Dazu gehören auch Überlegungen und Angebote, wie man den Spagat zwischen Familie und Beruf lösen kann. Hilfreich sind in jedem Fall auch Frauen in Führungspositionen als Vorbilder. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Zu einer solchen persönlichen Entwicklung gehören auch Niederlagen.

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