Das Wesen der Natur ist beherrschendes Thema in den Werken von Hiltrud Lewe.

Hiltrud Lewe hat für „Quer geschnitten“ ein faszinierendes Papier-Geflecht geschaffen.
Hiltrud Lewe hat für „Quer geschnitten“ ein faszinierendes Papier-Geflecht geschaffen.

Hiltrud Lewe hat für „Quer geschnitten“ ein faszinierendes Papier-Geflecht geschaffen.

Dirk Jochmann

Hiltrud Lewe hat für „Quer geschnitten“ ein faszinierendes Papier-Geflecht geschaffen.

Krefeld. Ein Geflecht aus Papier breitet sich über eine Wand aus, es erinnert an dichtes Astwerk. Je nach Lichteinfall nimmt der Betrachter den Untergrund kaum wahr, die Grenzen zwischen Bild und Wand werden fließend.

Mit dieser Arbeit, die bei "Quer geschnitten" im Kaiser-Wilhelm-Museum zu sehen ist, löst sich Hiltrud Lewe stark vom klassisch gemalten Bild. Auch die Materialien Papier und Klebeband gehören eher zu plastischen Objekten. Allein die äußere Erscheinungsform macht das Werk zum Blickfang im Raum, in dem sich noch drei weitere Bilder der Krefelder Künstlerin befinden.

Lewe beschäftigt sich viel mit Anthroposophie, die Natur ist ihr Thema, das sie mit ihren Arbeiten künstlerisch erforscht. Neben Blattformen und anderen pflanzenartigen Gebilden findet man Strukturen, die an biologische Zellen erinnern. Die Künstlerin interessiert nicht nur der äußere Anschein in der Natur, sie dringt in tiefere Schichten ein.

Schichtweise verläuft auch der Arbeitsprozess. Sowohl in ihrer Malerei auf Leinwand als auch im reliefartigen Wandbild überlagern sich die Formen. Transparenz ist ein weiteres Merkmal. So besteht die oberste Schicht eines Bildes aus einem durchsichtigen Netzwerk, das sich über die ganze Bildfläche zieht. Diese Strukturen scheinen sich auch über den Bildrand hinaus zu bewegen.

Chaos und Ordnung, Wachstum und Absterben bestimmen die Bilder

"In meinen Bildern gibt es Chaos und Ordnung, Wachstum und Absterben, Struktur und Fläche, Farbigkeit und Verblassen", beschreibt Lewe ihre Arbeit. Gerade die Farbwahl in ihren Bildern ist außergewöhnlich. Neben natürlichen Grün- und Brauntönen gibt es auch zartes Rosa. Auf der Arbeit mit dem schönen Titel "Kristallklar", einziges Hochformat im Raum, erinnern die rosafarbenen Formen an kristalline Strukturen oder sogar Blüten. Die Künstlerin selbst gibt keine genaue Deutung vor, verzichtet meist bewusst auf Titel, um dem Betrachter nichts aufzuzwingen.

Mit ihren Bildern gibt sie Anregungen, fordert den Betrachter auf, nicht stehen zu bleiben, sondern selbst zum Naturforscher zu werden und in tiefere Schichten einzudringen. "Wenn man übers Eis geht, befindet sich darunter ein ganzer Organismus" sagt Lewe, die mit diesem Naturbild einen schönen Vergleich zu ihren Arbeiten zieht.

Sie selbst begibt sich gerne aufs Eis, indem sie die Grenzen der Malerei überschreitet und mit ihren Papierarbeiten immer neue Ausdrucksformen sucht. Sie bildet die Natur nicht ab - doch deren Wesen ist deutlich spürbar.

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