Bei der Straßenmodenschau wird ein spontaner Menschenauflauf zum Gedenken an die Opfer der Loveparade organisiert.

wza_800x534_739639.jpeg
Flashmob-Beispiel Wuppertal: Im vergangenen Jahr versammelten sich etwa 200 Jugendliche mit schwarzer Oberbekleidung „völlig sinnlos“ vor den City Arkaden. (Archiv

Flashmob-Beispiel Wuppertal: Im vergangenen Jahr versammelten sich etwa 200 Jugendliche mit schwarzer Oberbekleidung „völlig sinnlos“ vor den City Arkaden. (Archiv

Christopher Schoppmann

Flashmob-Beispiel Wuppertal: Im vergangenen Jahr versammelten sich etwa 200 Jugendliche mit schwarzer Oberbekleidung „völlig sinnlos“ vor den City Arkaden. (Archiv

Krefeld. Sie kennen sich nicht, erkennen sich aber an ihrem schwarzen Oberteil und der roten Rose in der Hand. Mitten im bunten Treiben der Größten Straßenmodenschau der Welt erinnern sie an Tod, an Leid, an die Opfer der Loveparade.

Am Samstag, 18. September, um 17 Uhr an der Ecke Rheinstraße/Hochstraße werden Flashmobber scheinbar spontan für einen Menschenauflauf in der Masse sorgen. Daniel H. (Name der Redaktion bekannt) organisiert den Flashmob im Internet über soziale Netzwerke wie Facebook oder Foren. Flashmob steht wörtlich übersetzt für einen blitzartig auftauchenden Menschenauflauf.

"Wir wollten eigentlich selbst zur Loveparade", erinnert sich der junge Vater. "Aber wir haben keinen Babysitter gefunden." So blieb er mit seiner Freundin Nancy F. und dem zweijährigen Söhnchen zu Hause, verfolgte geschockt die Nachrichten, hörte die Berichte von Freunden, denen glücklicherweise "nicht so viel passiert ist". Dennoch: Eine Tote muss auch sein Bekanntenkreis betrauern. "Das Ereignis in Duisburg hat uns sehr getroffen", sagt Daniel H.

So kamen er und seine Freundin auf die Idee, einen Flashmob zu initiieren, um der 21 Toten und über 500 Verletzten der Katastrophe zu gedenken. "Ich finde es schade, dass die Loveparade nicht mehr stattfinden soll - und dass niemand die Verantwortung übernimmt." Es geht um ihm vor allem um den Respekt vor den Opfern.

Ein Plakat soll auf den ernsten Hintergrund aufmerksam machen

Mit einem Plakat will Daniel H. auf den ernsten Hintergrund des Flashmobs aufmerksam machen. Ungewöhnlich ist das allemal, schließlich stehen die spontanen Treffen eher für Spaß. Wer am Samstag kommt, die Rose niederlegt und sein Anliegen damit teilt, weiß er nicht. "Das ist ja das Spannende. Bisher weiß ich von 50 bis 60 Leuten, die kommen wollen." Eventuelle Konsequenzen aus der Aktion nimmt er in Kauf.

Die erste Spaßaktion gab es 2003 in New York, wo 200 Teilnehmer ein Luxushotel stürmten und die irritierten Hotelgäste beklatschten. Auf der ganzen Welt verabreden sich junge Leute auf irgendeinem Platz, machen irgendeine Blitzaktion und lösen sich schnell wieder auf. Unangekündigt und spontan soll das Ganze sein. Meist gib es ein gemeinsames Erkennungszeichen.

Eigentlich ist diese Art Versammlung in der Öffentlichkeit anmeldepflichtig, erklärt Polizeisprecher Rainer Behrens. Aber das widerspricht der Idee solcher Aktionen. Bei einem Flashmob könne gegen mehrere Regeln verstoßen werden, indem etwa der Straßenverkehr gefährdet wird oder Kosten für die Reinigung verursacht werden. Dass ein Flashmob stattfinden soll, weiß die Polizei. Ernsthafte Probleme für die Straßenmodenschau erwarte sie aber nicht, sagt Behrens.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer