Nach 40 Jahren erhält Krefeld in diesem Herbst einen neuen Flächennutzungsplan.

Laut Flächennutzungsplan ist im Westen und Osten Fischelns eine Ausweitung der Wohnbebauung möglich. Das soll vor allem Interessenten aus Düsseldorf locken. Die blaue Linie zeigt die geplante Südwest-Umgehung.  Bearbeitung: abi
Laut Flächennutzungsplan ist im Westen und Osten Fischelns eine Ausweitung der Wohnbebauung möglich. Das soll vor allem Interessenten aus Düsseldorf locken. Die blaue Linie zeigt die geplante Südwest-Umgehung. Bearbeitung: abi

Laut Flächennutzungsplan ist im Westen und Osten Fischelns eine Ausweitung der Wohnbebauung möglich. Das soll vor allem Interessenten aus Düsseldorf locken. Die blaue Linie zeigt die geplante Südwest-Umgehung. Bearbeitung: abi

Bischof, Andreas (abi)

Laut Flächennutzungsplan ist im Westen und Osten Fischelns eine Ausweitung der Wohnbebauung möglich. Das soll vor allem Interessenten aus Düsseldorf locken. Die blaue Linie zeigt die geplante Südwest-Umgehung. Bearbeitung: abi

Krefeld. Jürgen Hengst zeigt auf drei prall gefüllte Din-A-4-Aktenordner. „Das ist der Zwischenstand, da kommt bestimmt noch ein Ordner hinzu“, sagt der planungspolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion. Am 18. März beginnt die letzte Runde der Verabschiedung des neuen Flächennutzungsplanes (FNP) der Stadt. Die Uerdinger Bezirksvertretung beginnt dann die abschließende Beratung darüber.

Bis dahin haben die städtischen Planer noch eine wahre Herkulesarbeit vor sich. 135 Bezirksvertreter, 22 Ratsmitglieder, die keiner Bezirksvertretung angehören, sowie zwei sachkundige Bürger im Planungsausschuss müssten entsprechend der Gemeindeordnung mit den Unterlagen, die sich dann vermutlich in vier Aktenordnern befinden, ausgestattet werden. Das wären 636 Ordner mit jeweils mehreren hundert Seiten. Ein Aktenberg von rund 45 Metern Höhe, höher als das Stadthaus.

Gutachten und Stellungnahmen sorgen für Flut von Seiten

In Absprache mit den Ratsfraktionen erhalten die politischen Vertreter in den Gremien aber nur eine handliche CD, die alle Unterlagen enthält.

Der riesige Umfang resultiert aus den zahlreichen Gutachten. Sie begleiten den Entwurf, der den inzwischen fast 40 Jahre alten Flächennutzungsplan ablösen soll. Dazu kommen geschätzte 1200 Vermerke und Stellungnahmen aus der Bürgerschaft und aus Verbänden.

Jeden einzelnen dieser Hinweise müssen die Stadtplaner anonymisieren und auf die Folgen hin bewerten. Der Politik wird dann eine Abwägung, eine Empfehlung vorgelegt, über die diese zu entscheiden hat. Bei den Abwägungen müssen die Stadtplaner vor allem die Rechtssicherheit im Auge haben.

Zweck des Flächennutzungsplans (FNP) ist eine konzeptionelle Entwicklungsplanung. Besondere Bedeutung hat der Flächennutzungsplan für die Ausweisung von Neubaugebieten. Durch die Ausweisung von bisher unbebauten Flächen im Außenbereich als Bauflächen bringt die Kommune ihre Absicht zum Ausdruck, diese Bereiche in einem überschaubaren Zeitraum durch die Aufstellung von Bebauungsplänen zu neuen Baugebieten zu entwickeln (Bauerwartungsland). Der FNP sichert aber auch landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Erholungsgebiete und weist künftige Bereiche für Handel, Gewerbe oder Industrie aus.

Das weitere Verfahren bis zur Inkraftsetzung des Plans soll noch vor den Kommunalwahlen am 25. Mai abgeschlossen sein. Beratung über Anregungen und Stellungnahmen zum Planentwurf finden in den neun Bezirksvertretungen statt, und zwar zwischen dem 18. März (Uerdingen) und 2. April (Hüls). Es folgen die Beratungen im Planungsausschuss am 3. April. Danach kommt die Beratung und der wahrscheinliche Beschluss im Rat am 8. April. Anschließend geht der Plan zur Bestätigung an die Bezirksregierung. Die Aufsichtsbehörde hat zur Prüfung drei Monate Zeit. Mit dem Inkrafttreten des FNP kann im Herbst gerechnet werden.

Jürgen Hengst ist seit 1994 Ratsmitglied. Er weist darauf hin, dass die ersten Diskussionen über den neuen Flächennutzungsplan am 7. November 2001, also vor mehr als zwölf Jahren, begonnen haben. Der SPD-Politiker, der auch Mitglied des Regionalrates ist, sucht die Ursache für die lange Vorplanung aber nicht alleine in internen Konflikten. Hengst: „Ein Problem dabei ist, dass die kommunale Planung in Übereinstimmung mit der Landes- und Regionalplanung stehen muss. Das ist auch die Ursache dafür, dass Krefeld an einigen Punkten Abstriche machen musste.“

SPD-Ratsherr rechnet mit deutlicher Mehrheit im Rat

Abzusehen sei jedoch, prognostiziert der Oberstudiendirektor, dass der neue Plan am 8. April im Rat trotz vereinzelter Gegenstimmen wohl eine deutliche Mehrheit erhalten werde. „Es wird vielleicht noch die eine oder andere Protokollnotiz geben, aber im Großen und Ganzen sind wir uns einig.“

Er ist froh darüber. Normalerweise habe eine solche strategische Planung eine „Lebensdauer“ von 15 bis 20 Jahren. „40 Jahre sind einfach zu lang“, sagt Hengst. Ein zu alter Flächennutzungsplan fördere die kommunale Planung nicht, sondern behindere sie. „Bei vielen Bebauungsplänen musste in den vergangenen Jahren auch der Flächennutzungsplan geändert werden, was die Bearbeitungszeit deutlich verlängert.“

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