Sümeyye Okuyucu und Dr. Fatih Keskin schildern in einem kleinen Tagebuch vier Wochen lang Erlebnisse und Empfindungen während des Fastenmonats Ramadan.

Ramadan in Berlin
Ramadan in Berlin: Gläubige lesen in der Sehitlik-Moschee im Koran. Foto: Maurizio Gambarini

Ramadan in Berlin: Gläubige lesen in der Sehitlik-Moschee im Koran. Foto: Maurizio Gambarini

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Ramadan in Berlin: Gläubige lesen in der Sehitlik-Moschee im Koran. Foto: Maurizio Gambarini

Für Muslime beginnt am Mittwoch der Fastenmonat Ramadan. Er ist für viele Muslime nicht nur religiöse Pflicht, sondern auch moralische. Das Fasten soll daran erinnern, wie es den Bedürftigen geht, zusammenführen, die Gemeinschaft unter den Gläubigen stärken. Zwei, die davon überzeugt sind, arbeiten in Krefeld. Es sind Sümeyye Okuyucu und Dr. Fatih Keskin. Und sie lassen uns teilhaben an ihrem besonderen Monat der Entbehrung, der Solidarität und des gemeinsamen Fastenbrechens in einem kleinen Ramadan-Tagebuch.In der WZ schildern die beiden in regelmäßigen Abständen ihre Erlebnisse, ihr Empfinden.

Keine Nahrung zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang

Das heißt: Sie werden zwischen 4.06 und 21.25 Uhr – also rund 17,5 Stunden zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang – nichts essen, trinken und auch nicht rauchen. In den folgenden 30 Tagen verschieben sich die Zeiten. Zum Schluss sind es 18 Stunden ohne Nahrungsaufnahme. Was bleibt: „Das Fasten gehört wie das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, die Almosenabgabe und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam“, erklären Sümeyye Okuyucu und Dr. Fatih Keskin.

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„Der Ramadan ist auch der Monat der guten Taten und der Läuterung von Körper und Seele, erklärt Sümeyye Okuyucu.

Die beiden Muslime leben es seit der Pubertät. Sümeyye Okuyucu ist 33 Jahre alt und als Kind türkischer Eltern in Krefeld geboren. Sie hat das Abitur gebaut und danach Pädagogik studiert. Sie war bei Jugendämtern verschiedener Städte beschäftigt und arbeitet zurzeit als Arbeitsvermittlerin bei der Bundesagentur für Arbeit in Krefeld.

Die 33-Jährige ist mit einem Türken verheiratet und hat keine Kinder. „Ich trage das Kopftuch aus Überzeugung und lebe den Ramadan aus der gleichen Überzeugung“, sagt sie. „Der Ramadan ist auch der Monat der guten Taten und der Läuterung von Körper und Seele. Mitmenschlichkeit und Versöhnung stehen im Mittelpunkt, die Gläubigen entrichten die Armensteuer Zakat oder unterstützen Bedürftige. Er ist Teil meiner Religion.“

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Dr. Fatih Keskin leben den Ramadan seit ihrer Jugend aus Überzeugung. Er ist Teil seiner Religion.

Sie erzählt, dass das Leben, der Alltag in diesen 30 Tagen normal weitergeht. „Was sich verändert ist der Körper, der sich regeneriert. Außerdem gibt es mehr Gebete, ich bin mehr mit der Religion beschäftigt und fühle die Nähe zu Gott.“ Sie denke nicht den ganzen Tag über an ein Glas Tee oder eine Kugel Eis, wenn es warm sei. „Wenn der Wille zum Fasten da ist, wird der Kopf frei sein.“

Nach drei Tagen ist es für die 33-Jährige ganz normal, nachts aufzustehen und zu essen. Heute hat ihr Wecker um 3.30 Uhr geklingelt. „Ich kann dann nicht viel zu mir nehmen. Ein kleines Frühstück und ganz viel Wasser reichen.“

Fatih Keskin ist 41 Jahre alt und Oberarzt in der Klinik Königshof. „Ich habe meinen Facharzt in Psychiatrie und Psychotherapie gemacht.“ Er ist in Köln geboren, hat in Bochum studiert und lebt mit seiner türkischen Frau und den beiden Kindern in Mönchengladbach. „Ich bin seit der Pubertät damit groß geworden, den Ramadan zu befolgen“, sagt er.

„Als Schulkind habe ich nur an den Wochenenden gefastet, damit die Leistungen nicht litten.“ Auch heute gebe es noch Stunden für ihn, an denen das Fasten anstrengend werde. „Um drei oder vier Uhr morgens zu essen ist kein Problem. Aber der Morgenkaffee fehlt. Er bekommt so eine ganz andere Wertigkeit.“ So sei es mit allen Lebensmitteln, die man zu sich nehme, erklärt Keskin weiter. Dabei habe er es noch relativ leicht, da er in klimatisierten Räumen einer mentalen Arbeit nachgehe. „Menschen am Hochofen oder im Garten- und Landschaftsbau haben es viel schwerer.“

Was ihm sonst noch am Ramadan auffällt, ist der Eindruck, mehr Zeit zu haben. „Ich nutze die Mittagspause nicht zur Nahrungsaufnahme und auch abends, wenn ich nach Hause komme, habe ich bis 21.25 Uhr Zeit, wenn ich mich an den Tisch setze.“

Keskin ist dankbar: „Beim Ramadan fühle ich mich Gott näher, und fühle auch, dass ich etwas geschafft habe, in dem kurzen Monat.“ Er möchte die Zeit nicht missen.

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