Das ist der Alptraum schlechthin: Vor Weihnachten fast die gesamte Habe zu verlieren – wie die Familie Amend.

Krefeld. Am dritten Tag nach dem Großbrand im Flügelanbau des Altbaus Blumenstraße 70, Ecke Roßstraße (die WZ berichtete), machen Kerstin Amend (51) und ihre Söhne Johannes (16) und Aris (10) einen gefassten Eindruck in der städtischen Notunterkunft am Siemesdyk 25.

Tochter Aileen (12) ist noch bei einer Freundin, die in der Nähe der Prinz-Ferdinand-Schule wohnt. Dafür ist Anton (19), der älteste, allein lebende Sohn in das spartanisch eingerichtete Reihenhaus südlich der Untergath gekommen, um Mutter und Geschwister zu bekochen. Aufbackbrötchen hat er mitgebracht, für Bratlinge sucht er in der noch fremden Küche eine große Pfanne. Die gibt es aber nicht.

Schulbücher, Spielsachen, Kleidung und der Computer wurden zerstört

"Geschirr und Porzellan haben das Feuer unbeschadet überstanden", sagt Kerstin Amend. Die Naturholz-Küchenzeile und die anderen unbehandelten Holzmöbel in der Wohnung im Vorderhaus sind aber durch Löschwasser und Ruß zerstört. Und alles, was sich in den drei Kinderzimmern im ausgebrannten Flügelanbau befand: Schulbücher, Spielsachen, sämtliche Kleidungsstücke und natürlich auch der Computer und die drei Gitarren des 16-jährigen Johannes. Der ist Schüler der Musikschule, wo er auf der Konzertgitarre das ganze Spektrum lernt: Klassik, Blues und Pop.

Und wegen des zerstörten Computers ist Johannes derzeit von den Freunden abgenabelt. "Wenn jemand einen Internet-Stick und eine Gitarre übrig hätte?" fragt Mutter vorsichtig. Sie bezieht Arbeitslosengeld II und hat einen Ein-Euro-Job im Altenheim an der Westparkstraße: "Das reicht gerade zum Leben." Natürlich existiert keine Hausratversicherung. "Das Sozialamt hat früher die Kosten dafür übernommen, die Arge zahlt keine Versicherungen." Immerhin existiert eine Haftpflichtversicherung, die ihr Vater übernommen hat. "Damit wären Forderungen Dritter durch das Feuer abgedeckt", hofft sie.

Am Mittwoch war die Familie mit Notfallseelsorger Michael Hack in der Stadt unterwegs, um von den ersten Geldspenden, die bei der Psychosozialen Notfallversorgung eingegangen waren, Schuhe und andere wichtige Kleidungsstücke einzukaufen. Denn als am Sonntagvormittag die Flammen aus dem Mädchenzimmer schlugen, waren die Kinder mit dem Wenigen auf die Straße geflüchtet, das sie am Leibe trugen, begleitet von Bahdi, einem großen Mischling aus Belgischem Retriever und Sennenhund.

Ihrer Tochter macht Kerstin Amend keine Vorwürfe. "Aileen hat mit zwei Freundinnen in ihrem Zimmer gespielt - Mutter mit Baby. "Dass das Hochbett zusammenbrach, war ein Unfall." Die Teelichte hätten in gläsernen Haltern auf einem Schränkchen gestanden. Ausgerechnet darauf fiel das Bett. "Immerhin ist von den 16 Personen, die sich im Haus aufgehalten haben, niemand verletzt worden," zeigt sich Kerstin Amend erleichtert. Alle anderen Mieter sind bei Freunden und Verwandten untergekommen.

Den Heiligen Abend verbringen Kerstin Amend und die Kinder bei der Großmutter in Uerdingen. Dorthin hat sie am Montag schon die Geschenke gebracht, die im Vorderhaus das Feuer unbeschadet überstanden haben. Nur das vom kleinen Aris ist zerstört. Das Wichtigste für die obdachlose Familie aber ist eine neue geräumige Wohnung. Erst dann kann sie die zugesagten Möbelspenden annehmen.

Johannes, Schüler des Berufskollegs Uerdingen, trägt das Schicksal mit Fassung: "Wenn du ganz tief drin steckst, kann es nur besser werden."

Kontakt: Psychosoziale Notfallversorgung, Ruf 524254 (für Geldspenden), Kerstin Amend 0176/22105051 (Sachspenden).

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