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Ein Kommentar von Karl-Gerhard Deußen.

Ein Kommentar von Karl-Gerhard Deußen.

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Ein Kommentar von Karl-Gerhard Deußen.

Krefeld. Im März, im Mai und im September werden Mitarbeiter der Arbeitsagentur bei den Firmen wieder Klinken putzen für mehr Lehrstellen. Das tun sie in diesem Jahr unter einem besonderen Vorzeichen: Der schon seit längerem beschriebene drohende Fachkräfte-Mangel wird so konkret, dass die Leitung der Krefelder Agentur ihm sogar schon einen festen Termin gibt: Aktuell, sagt der zweite Geschäftsführer Christopher Meier, habe Krefeld Fachkräfte-Bedarf, in einem Jahr Fachkräfte-Mangel. Das weiß nicht nur er, dass wissen auch die Unternehmen.

Aber sie reagieren nicht. Zu wenige Firmen bilden Nachwuchs für den eigenen Bedarf aus. Da muss man sich fragen: Hat die Akzeptanz von Ausbildung bei Firmenchefs derart abgenommen? Schießen sie die Warnung in den Wind: „Wer jetzt nicht ausbildet, steht am Ende mit leeren Händen da“? Oder, wie ein Arbeitsmarkt-Experte es formuliert: Wer nicht ausbildet, gefährdet die Zukunft des eigenen Betriebes. Wer nicht zusätzlich ausbildet, kann das eigene Wachstum hemmen.

Heftige Kritik an der heimischen Wirtschaft kommt vom Krefelder DGB. „Der drohende Fachkräfte- und jetzt bereits beklagte Azubi-Mangel ist hausgemacht. Er ist durch den Rückgang der Ausbildungsbereitschaft mit verursacht worden“, sagt DGB-Kreisvorsitzender Ralf Köpke. „Auch durch die Behauptung, viele Jugendliche seien nicht ausbildungsgeeignet.“

Damit rennt er bei der Arbeitsagentur offene Türen ein. „Achten Sie nicht nur auf die Zeugnisse. Ein Jugendlicher ist mehr als die Aufzählung seiner Noten“, appellierte Agentur-Leiter Peter Ewert bereits im vergangenen Jahr und tut das immer wieder. Projekte von Thyssen-Krupp Nirosta in Stahldorf und Siemens in Uerdingen zeigen, wie man motivierte Schüler an die Ausbildung heranführen kann.

Die Zahl der Lehrstellen-Bewerber ist 2010 gestiegen und wird dies auch weiter tun – durch die ausgesetzte Wehrpflicht und den Doppel-Jahrgang bei den Abiturienten 2013. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen hingegen ist 2010 in Krefeld um acht Prozent gesunken. Wenn dies zum Trend wird, müssen die Unternehmen nicht über Fachkräfte-Mangel klagen. Denn dann haben die Firmen ihn mit verursacht. Dann ist er hausgemacht.

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