Fachkräfte werden in Zukunft knapp, weil ein Drittel der Beschäftigten in zehn bis 25 Jahren in Renten geht.
Fachkräfte werden in Zukunft knapp, weil ein Drittel der Beschäftigten in zehn bis 25 Jahren in Renten geht.

Fachkräfte werden in Zukunft knapp, weil ein Drittel der Beschäftigten in zehn bis 25 Jahren in Renten geht.

dpa

Fachkräfte werden in Zukunft knapp, weil ein Drittel der Beschäftigten in zehn bis 25 Jahren in Renten geht.

Krefeld. Arbeitsagenturchef Dirk Strangfeld konnte am Dienstag die beste Jahresbilanz am heimischen Arbeitsmarkt seit Jahren vermelden: weniger Arbeitslose im Agenturbezirk als im Vorjahr, eine entsprechend geringere Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent und mehr sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Strangfeld spricht von einer positiven Entwicklung: „Selbst im Dezember ist die Arbeitslosigkeit saisonuntypisch gegenüber November 2016 und dem Vorjahr gesunken“, sagte er.

Durch den Zugang an sozialversicherungspflichtigen Stellen erreichte der Bestand verfügbarer Stellen mit 13 955 ein Langzeithoch, das um 13,5 Prozent über dem Vorjahr lag. „Die Herausforderung für uns für die kommenden Jahre ist der Abbau der Zahl der Langzeitarbeitslosen“, betont Strangfeld. Auch wenn die Zahl um rund 400 auf 9931 zurückgegangen sei, sei diese Aufgabe besonders schwierig. Eine positive Tendenz zeige sich bei allen besonderen Personengruppen. So ist auch die Arbeitslosigkeit von Menschen über 55 Jahre (4795) und von Schwerbehinderten (1680) rückläufig. Die Zahl der unter 25-Jährigen ist mit 1664 fast gleich geblieben, bedingt durch die hohe Zahl an jungen Flüchtlingen.

Die Situation von arbeitsuchenden Flüchtlingen wird am Beispiel des Agenturbezirks im Dezember 2016 deutlich: Mehr als 32 000 deutschen Arbeitsuchenden und Arbeitslosen (82 Prozent) stehen gut 4000 Ausländer ohne (10) und 3000 mit Fluchtmigration (8) gegenüber.

Laut Strangfeld sind viele Unternehmen bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. „Zumeist sind das Stellen als Helfer in gering qualifizierten Bereichen“, berichtet Hartmut Schmitz von der Unternehmerschaft Niederrhein als Vorsitzender des Verwaltungsausschusses der Agentur. Zunächst müssten die Flüchtlinge ausreichend Deutsch lernen, erst dann könne die innerbetriebliche Qualifizierung erfolgen.

„Viele Unternehmer sind beim Thema Fachkräfte zu spät aufgewacht.“

Hartmut Schmitz, Unternehmerschaft Niederrhein, zum demografischen Wandel

Dies zeige, wie wichtig Ausbildung und Qualifizierung seien, sagt Strangfeld und fasst das in Zahlen: Fast die Hälfte der Arbeitssuchenden haben demnach „nur Helferniveau“ und stehen im Wettbewerb um 24 Prozent offene Stellen. Umgekehrt verhält es sich bei den Fachkräften. Davon sind knapp 38 Prozent arbeitslos. Ihnen stehen zwar 63 Prozent der Stellen offen, sie haben aber nicht die gesuchte Qualifizierung.

Schwer zu schaffen macht dem Agenturchef die demografische Entwicklung: In Krefeld geht ein Drittel der Beschäftigten in den nächsten zehn bis 25 Jahren in Rente. Gut die Hälfte dieser 60 000 Beschäftigten gehören zum Kreis der Fachkräfte. „Viele Unternehmer sind beim Thema Fachkräfte zu spät aufgewacht“, klagt Schmitz. Immerhin wollten 87 Prozent der Unternehmer die Ausbildung beibehalten. Allerdings werde kaum noch über Bedarf ausgebildet, bedauert Strangfeld.

Eine weitere Herausforderung sei die Digitalisierung, auf die die Arbeitssuchenden vorbereitet werden müssen. „Das fängt bei unseren Mitarbeitern an.“

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