In keiner anderen Stadt in NRW gibt es so viele Defibrillatoren wie in Krefeld.

Krefeld. Krefeld hat Vorbildfunktion. In keiner anderen Stadt in NRW spannt sich ein so enges Netz von kleinen Lebensrettern. 207 automatische externe Defibrillatoren (AED) gibt es in der Seidenstadt.

Sie stehen in beinahe allen öffentlichen Gebäuden, vielen Apotheken, in Bädern, an Sportplätzen, bei Zahnärzten und in Krankenhäusern sowie in privaten Unternehmen. Auch einige Polizeistreifen sind mit den kleinen Lebensrettern ausgestattet.

Die Elektroschock-Geräte haben schon einige Leben gerettet

Anfang des Jahres konnten so Polizisten einer Frau das Leben retten. "Hätten die Beamten wie früher den Rettungsdienst gerufen, hätte die Patientin wohl nicht überlebt", sagt Uli Leensen.

Er ist der ärztliche Leiter des Krefelder Rettungsdienstes und gleichzeitig zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung (AWI), die das Defibrillatoren-Netz koordiniert und sich für seinen Ausbau stark macht.

"Krefeld ist in einigen Stadtteilen schon ganz gut mit AEDs bestückt, aber viele wissen nichts davon", sagt Lenssen. So ist Aufklärung das größte Arbeitsfeld der AWI.

Ein automatischer externer Defibrillator kann zwischen 900 und 2400 Euro kosten. "Es gibt verschiedene Modelle, aber die Grundausstattung mit Sprachanweisung, EKG und Elektroschock ist immer gleich", sagt Fachmann Uli Lenssen. Auf dem Foto zeigt Friedrich L. Lucas den Defibrillator, der ihm vor sechs Jahren das Leben gerettet hat.

Bei der Stadt Krefeld gibt es zum Preis von fünf Euro Stadtkarten, in denen alle Standorte der Defibrillatoren verzeichnet sind. Erhältlich sind diese im Stadthaus, Konrad-Adenauer-Platz 17.

Die Arbeitsgemeinschaft Wiederbelebung (AWI) macht sich in Krefeld für den Einsatz der Defibrillatoren stark. Der Verein, dem viele Klinikärzte angehören, finanziert sich über die Björn-Steiger-Stiftung und durch Spenden. Mehr Informationen über die AWI und Defibrillatoren gibt es im Internet (siehe unten).

Lenssen selbst unterweist die Krefelder Polizei im Umgang mit den Elektroschock-Geräten, die ein lebensgefährliches Herzflimmern stoppen können.

Der AED misst den Herzstrom des Patienten, und wenn dieser keinen klaren Impuls mehr sendet, startet ein Stromstoß das wichtigste menschliche Organ praktisch neu. Wie ein Neustart bei einem Computer, der sich aufgehangen hat. Stellt der AED fest, dass das Herz in Ordnung ist, passiert gar nichts.

"Man kann also keinen Fehler bei der Anwendung machen", sagt Lenssen und klärt damit eine der häufigsten Fragen, die in seinen Schulungen auftaucht.

Die Bedienung ist kinderleicht - doch nur wenige wissen das

Hinzu kommt, dass die AEDs ein Sprachprogramm haben, das dem Anwender jeden einzelnen Schritt erklärt. Dennoch gibt es für Lenssen zu viele "Unwissende" in Krefeld.

"Das Training mit den Defibrillatoren sollte in allen Erste-Hilfe-Kursen zur Regel werden. Gerade beim Unterricht für Führerschein-Anwärter." Bei Unternehmen, in Fabriken oder Vereinen gibt es meist einen Beauftragten, der sich mit den AEDs auskennt und sich um deren Wartung kümmert.

Wenn es zu einem Ernstfall kommen sollte, kann dieses Wissen Leben retten. So wie auch 2003 im Badezentrum Bockum, als ein Bademeister den Leiter eines Berufsschulkollegs dank eines AEDs erfolgreich wiederbeleben konnte.

Friedrich L. Lucas hatte im Becken eine Herzattacke erlitten und hätte ohne Hilfe wohl nicht überlebt. "Er konnte mit dem AED so schnell wiederbelebt werden, dass keinerlei Folgeschäden zurückblieben", sagt Lenssen.

Aber auch wenn - und das hoffen ja schließlich alle - nie etwas passiert, haben die Defibrillatoren einen positiven Effekt. "Überall da, wo es die Defibrillatoren gibt, hat sich die Bereitschaft zu helfen erhöht. Allein die Anwesenheit der Geräte aktiviert die Menschen", sagt Lenssen.

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