Beim Auftakt von „Ich hab’s geschafft – du kannst es auch“ berichteten drei Flüchtlinge von ihrer gelungenen Integration in Arbeit und Ausbildung.

Die neue Reihe im Begegnungscafé im Bischof-Sträter-Haus war gut besucht. Fotos (2): Dirk Jochmann
Die neue Reihe im Begegnungscafé im Bischof-Sträter-Haus war gut besucht. Fotos (2): Dirk Jochmann

Die neue Reihe im Begegnungscafé im Bischof-Sträter-Haus war gut besucht. Fotos (2): Dirk Jochmann

Organisatoren und Gäste (v.l.):Petra Pigerl-Radtke (IHK), Mohamed Khattab (Absolvent Weiterbildung als Schweißer Bildungszentrum Tönisvorst), Ina Hünicke (Sozialarbeiterin), Mustapha Amroui (Azubi bei Schürmanns Elektrotechnik), Bernd Rütten (Betriebsleiter Bildungszentrum Tönisvorst), Katja Herold-Sugg (Inhaberin Sport-Oase), Hansgeorg Rehbein (Flüchtlingskoordinator), Muhannad Derki (Absolvent Einstiegsqualifizierung Sport-Oase) und Lawin Osman (IHK).

Bild 1 von 2

Die neue Reihe im Begegnungscafé im Bischof-Sträter-Haus war gut besucht. Fotos (2): Dirk Jochmann

Krefeld. „Ich hab‘s geschafft – du kannst es auch!“ lautete der Titel der Auftaktveranstaltung zu einer neuen Reihe im Begegnungscafé Café Sarah im Bischof-Sträter-Haus. Drei Flüchtlinge gaben ihre Erfahrungen in Sachen erfolgreicher Integration an andere weiter. Zunächst berichteten die jungen Männer über ihre Erlebnisse auf der Flucht und bei ihrer Ankunft und Aufnahme in Deutschland. Danach ging es aber auch um Fragen wie: Wie finde ich Arbeit, welche Papiere brauche ich, wie funktioniert das Ganze, muss ich jemand um Erlaubnis fragen und wenn ja, wen?

„Jott sei dank habe ich janz jut Deutsch gelernt und Platt.“

Muhanad, Flüchtling

Dolmetscher übersetzten für die Zuhörer ins Arabische und in die persische Sprache Farsi. Denn Muhanad und Mohammed aus Syrien sowie Mustapha aus Marokko berichteten auf Deutsch, wie sie in Deutschland empfangen wurden, was ihre größten Probleme waren und woher sie so gut Deutsch können.

Muhanad flüchtete vor eineinhalb Jahren aus Syrien. Derzeit absolviert der junge Mann eine Einstiegsqualifizierung in der Sport-Oase in Uerdingen. Sein Ziel: eine Ausbildung als Kaufmann für Sport und Fitness. Er sagte: „Ich habe großes Glück gehabt.“

Nach seiner Ankunft war er zwei Monate in einer Sporthalle untergebracht, eignete sich in einem Online-Kurs erste Deutschkenntnisse an und wurde über eine Flüchtlingshelferin in deren Familie aufgenommen. „Jott sei dank habe ich janz jut Deutsch gelernt bei der deutschen Familie und ich kann auch Platt sprechen“, erzählte er. Er absolvierte einen Integrationskurs und einen Deutsch-Einstiegskurs beim Krefelder Weiterbildungsinstitut LernArt. Seine Einschätzung: „Ich finde gut, dass man selbst lernen muss, aber man muss auch Kontakt haben.“

Sein Landsmann Mohammed hatte Probleme. Er erzählte: „Ich habe erst nach sieben Monate meinen Aufenthaltszettel bekommen. Man möchte etwas machen, aber kann leider gar nichts tun.“ Ein Sprachkurs allein genüge nicht, sagt Mohammed. „Man muss auch Kontakt zu den Menschen aufnehmen.“ Mohammed hat im Bildungszentrum St. Tönis eine Ausbildung als Schweißer absolviert und sucht nun eine Anstellung.

Chefin findet Kontakt zu Gleichaltrigen ist „ganz wichtig“

Mustapha flüchtete vor elf Monaten aus Marokko. Derzeit absolviert er ein Praktikum bei der Firma Schürmanns in St. Tönis im Elektrobereich. Sein Ziel: seine Ausbildung als Elektriker fortsetzen, die er in Marokko angefangen hat. „Ich habe keine Schwierigkeiten und möchte nur besser Deutsch lernen.“

Seine Chefin Renate Schürmanns unterstützt ihn tatkräftig. „Er muss erst lernen, welche Werkzeuge wir benutzen. Daher habe ich eine Art Bilderbuch für ihn erstellt mit Abbildungen und Bezeichnungen“, berichtete sie. Schürmanns findet toll, dass Mustapha Fußball spielt. „Es ist ganz wichtig, dass die jungen Leute Kontakt zu Gleichaltrigen haben.“

Anstatt Arbeit zu suchen, wählte Mohammed die Ausbildung. Denn er findet, „dass die Arbeit hier in Deutschland komplizierter ist als in den arabischen Ländern. Man muss jedes Metall lernen.“ Wenn er sofort in dem Beruf arbeiten würde, fehlten ihm Kompetenzen, sagt er. Sein wichtigster abschließender Tipp an die Zuhörer: „In Deutschland muss man pünktlich sein.“

Im zweiten Teil der Veranstaltung nutzten viele Besucher die Gelegenheit für Einzelgespräche bei den Ansprechpartnern. Der Krefelder Flüchtlingskoordinator Hansgeorg Rehbein, der mit zu den Veranstaltern des Abends gehörte (siehe Kasten), freute sich über den aus seiner Sicht mehr als gelungenen Abend: „Die Idee war richtig, auf die Menschen zuzugehen, Dinge zu besprechen und sie zu motivieren.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer