In den frostigen Tagen häufen sich die Unfälle. Nicht nur Autofahrer, auch Fußgänger sind gefährdet. Kliniken melden mehr Knochenbrüche als sonst im Winter.

Krefeld.  Sie wollte nur zum Yoga, brach sich aber das Handgelenk. Helene Schumacher (68) stieg am Donnerstagmorgen an der Haltestelle Rheinstraße aus der Bahn und wollte die Straße überqueren. Dazu kam sie nicht mehr: Schumacher rutschte aus und stürzte. Unter großen Schmerzen wurde sie in die Klinik gefahren. Der Bruch ist so kompliziert, dass eine Operation unausweichlich ist.

Auf die muss sie aber eine Woche warten, da die OP-Termine belegt sind. "Ich habe so große Schmerzen und letzte Nacht keine 20 Minuten geschlafen", so Schumacher. Abends befreite die GSAK den Bahnsteig von Schnee und Eis. "Da muss erst wieder etwas passieren, bevor gehandelt wird", klagt Schumacher. Sie ist in den nächsten Wochen auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. Wenn sie genesen ist, werde sie ängstlicher sein, befürchtet die rüstige Dame.

Hochbetrieb in den Gipsräumen der Krankenhäuser

Das Schicksal Schumachers teilen viele Krefelder in diesen Tagen: Die Krankenhäuser melden Hochbetrieb in der Notaufnahme. "Wir hatten hier alle Arten von Brüchen. Es waren sogar Fälle dabei, in denen jemand beim Aussteigen aus dem Auto ausrutschte und sich einen Oberschenkelhalsbruch zuzog", sagt Sigrid Baum, Sprecherin des St. Josefshospitals Uerdingen. Aufgrund der Glätte bekamen in diesem Jahr schon 22 Patienten einen Gips verpasst - im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur neun Fälle. Auffälliger sind die Zahlen des Helios Klinikums: "Seit Beginn der Kälteperiode haben wir hier in der chirurgischen Notaufnahme etwa 55 Verletzungen behandelt, die auf die derzeitige Wetterlage und Glätte zurückzuführen sind. Vorrangig waren dies Knochenbrüche, Verstauchungen, Platzwunden und Prellungen", berichtet Hartmut Reimer, Pfleger in der Zentralambulanz am Helios Klinikum.


Das Maria-Hilf-Krankenhause bestätigt auch, dass d³ie Zahl der Brüche zugenommen hat. "Besonders Handgelenks- aber auch Sprunggelenksfrakturen sind vermehrt zu behandeln, die Operationen häufen sich", schildert Mehmet Aydinle, Arzt in der Chirugie. Anders sieht es in Hüls aus: "In Hüls ist es trotz der Glätte bislang ruhig geblieben. Dennoch sollten besonders ältere Menschen beim Gang vor die Tür auf geeignetes Schuhwerk achten", betont Dr. Hans-Joachim Brosda, Chefarzt der Abteilung für Chirurgie an der Helios Klinik Hüls.

Wer aufgrund der Glätte stürzt und sich Verletzungen zuzieht, kann theoretisch Schadenersatz und Schmerzensgeld geltend machen. Ob er damit durchkommt, ist aber eine andere Frage. "Ganz wichtig sind Zeugen, ohne die geht gar nichts", sagt Dr. Regis Plümacher, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Krefeld. Denn es gilt nachzuweisen, dass der Eigentümer des Weges, der Straße oder auch einer Haltestelle seiner Verkehrssicherungspflicht nicht oder nur ungenügend nachgekommen ist.

Mitunter kann aber auch bei Fußgängern und Radfahrern die Frage nach einer Mitschuld gestellt werden - etwa, wenn Radfahrer auf dem erkennbar vereisten Radweg fahren und nicht auf die freigeräumten Straßenteile ausweichen.

Hausbesitzer müssen zwischen 7 und 22 Uhr die Gehwege freimachen und streuen. Das gilt übrigens auch, wenn sich Bushaltestellen vor dem Haus befinden. Angesichts der zuletzt sibirischen Verhältnisse in Krefeld sei aber durchaus darüber nachzudenken, auch später bzw. früher für sichere Wege zu sorgen, sagt Plümacher. Allerdings gebe es dazu ein interessantes Urteil des Landgerichts Krefeld. "Das ist zwar von 1976, aber noch gültig. Ein Taxifahrer hatte gegen 23 Uhr einen Unfall auf glatter Straße gehabt und klagte damals gegen die Stadt. Er unterlag aber."

Die Fälle, in denen Unfallopfer ihren Anwalt zu Rate ziehen, gebe es immer wieder. "In diesem Jahr allerdings bei uns noch nicht", so Plümacher. Um Bilanz zu ziehen, sei es aber auch noch zu früh. "Wer stürzt und sich verletzt, geht erst einmal zum Arzt." Über den Gang zum Rechtsanwalt werde - wenn überhaupt - erst später nachgedacht, was das Problem, eine Schuld nachzuweisen, noch schwieriger macht.


Die Verantwortlichen sehen keine Lücken in der Räumung


Im Fall der Haltestelle Ostwall/Rheinstraße liegt die Verantwortung bei der GSAK. Dieser Bereich stellt einen öffentlichen Raum dar, so SWK-Sprecherin Dorothee Winkmann. Mehrere Durchgänge pro Tag werden getätigt, die SWK unterstütze dabei die GSAK. Die Arbeit an den Haltestellen, vor allem an stark frequentierten Haltestellen laufen seit Montag, erläutert Holger Funke, der Fuhrparkleiter der GSAK. Gerade die Haltestellen Rheinstraße und Hauptbahnhof erfordern häufigere Räumungen, da der Schneematsch durch die Bahnfahrer immer wieder neu aufgetragen wird. "Es gibt feste Pläne, und diese Haltestellen sind ganz weit oben angesiedelt", so Funke.

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