Die Stadt lässt in rund 1.600 Geschäften die Verkaufsfläche und das Sortiment untersuchen.

Krefeld. Die Einzelhändler bekommen in diesen Tagen ungewöhnlichen Besuch. Es sind keine Kunden, die etwas kaufen möchten. Das Interesse gilt vielmehr der Verkaufsfläche und dem Sortiment. Erst wenn alles vermessen und die Ware analysiert ist, geben sich die Besucher zufrieden.

"Wir werden für etwa 1.600 Läden in Krefeld Daten liefern", berichtet Stefan Kruse. Der 48-Jährige ist Mitinhaber des Dortmunder Planungsbüros Junker und Kruse, bei dem die Stadt im Juli ein Einzelhandelsgutachten bestellt hat. Bis Ende des Jahres soll die Studie vorliegen. Erste Ergebnisse wird das Büro bereits am 7. Oktober der sogenannten Steuerungsgruppe präsentieren. Hier sind Politik, Verwaltung und Interessengruppen wie die Einzelhändler vertreten.

Auf Widerstand stoßen Kruses Mitarbeiter in den Geschäften nur selten. Fast immer seien die Händler kooperativ. Nur bei den Discountern gebe es fast immer Ärger. Hier müssten die Daten verdeckt ermittelt werden.

"Wir erstellen zunächst eine Potenzialanalyse", erläutert Kruse. Im Klartext: Was haben die Geschäfte in Krefeld zu bieten. Auch die Läden der umliegenden Kommunen werden unter die Lupe genommen. Dies sei dann eine gute Basis für den zweiten Schritt des Gutachtens - die Wirkungsanalyse. "Schließlich wollen die Krefelder von uns wissen, ob die Innenstadt ein Einkaufszentrum braucht und - wenn ja - an welchem Standort."

Erst die Wirkungsanalyse, dann ein neues Einkaufszentrum

Das Gutachten sei ergebnisoffen bestellt worden, betont Kruse. Er habe aber schon den Eindruck, dass es für ein Einkaufszentrum in Krefeld eine Mehrheit gebe.

Bisher wurden drei mögliche Standorte für ein Einkaufszentrum in der Krefelder Innenstadt diskutiert: Theaterplatz, Ostwall, St.-Anton-Straße. Vor Jahren gescheitert ist der Versuch, auf dem Gelände des Stadtbades Neusser Straße ein Center zu errichten.

Dieser Standort wird vom Projektentwickler ECE bevorzugt. Doch die Politik lehnt dies einmütig ab, will dort keinen Einzelhandel zulassen.

Seit die Schweizer Investorengesellschaft Luximo die Idee einer Passage vom Ostwall zum Behnisch-Haus vorgestellt hat, ist auch dieser Bereich von Horten bis zur Neuen Linner Straße - oder darüber hinaus - ein Thema.

Ebenfalls ausgehend vom Horten-Gebäude gab es an dieser Stelle bereits Überlegungen bis hin zum Ziellenbach- und Papst-Johannes-Haus.

Den Vorwurf, die Stadt habe für viel Geld ein überflüssiges Gutachten bestellt, weist Kruse zurück. Ohne Wirkungsanalyse könne Krefeld jedenfalls kein Einkaufszentrum bauen, da eine solche Untersuchung im Gesetz vorgeschrieben sei.

Die Kritik vieler Krefelder an ihrer Innenstadt hält Kruse für nicht dramatisch. "Wir erleben immer wieder, dass Menschen ihre eigene City negativer wahrnehmen als auswärtige Besucher." Krefeld bilde da keine Ausnahme.

Wie Kruse will auch Rolf Junker, ebenfalls Mitinhaber des Dortmunder Büros, nicht über Details des Gutachtens sprechen. Dass ein "städtebaulicher Handlungsbedarf" vorliege, sei aber offensichtlich, so der 60-Jährige. Lösungen sehe er eher in kleineren Passagen und nicht in großen Zentren.

Dass das Büro Junker und Kruse beim Blick auf den Einzelhandel über Erfahrung verfügt, zeigen die Referenzprojekte. Zu den Auftraggebern zählen u.a. die Städte Bochum, Bremen, Leverkusen und Mönchengladbach.

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