In acht statt neun Jahren zum Abitur – das hat Auswirkungen auf die Länge der Unterrichtsstunden. In Fischeln haben sie sogar krumme Minutenzahlen.

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Eine Unterrichtsstunde hat 45 Minuten – diese Regelung gehört spätestens ab dem 1. Februar der Vergangenheit an. Am MSM-Gymnasium ist eine Schulstunde dann exakt 67,5 Minuten lang. (Archiv

Eine Unterrichtsstunde hat 45 Minuten – diese Regelung gehört spätestens ab dem 1. Februar der Vergangenheit an. Am MSM-Gymnasium ist eine Schulstunde dann exakt 67,5 Minuten lang. (Archiv

dpa

Eine Unterrichtsstunde hat 45 Minuten – diese Regelung gehört spätestens ab dem 1. Februar der Vergangenheit an. Am MSM-Gymnasium ist eine Schulstunde dann exakt 67,5 Minuten lang. (Archiv

Krefeld. Die Gymnasien befinden sich im Wandel. Mit "G8" führen nun acht statt neun Jahre zum Abitur an der weiterführenden Schule. Damit verbunden ist die Ausdehnung des Unterrichts in den Nachmittag und eine vorgeschriebene Mittagspause von einer Stunde. Zum Beginn des neuen Halbjahres am 1. Februar gibt es, daraus resultierend, noch eine gravierende Änderung: Die Schulstunden verlängern sich.

Künftig dauern sie in der Regel nicht mehr 45, sondern meistens 90 Minuten und sind somit Doppelstunden. Oder sie betragen "krumme" 67,5 Minuten - exakt anderthalb bisherige Schulstunden - wie am Fischelner Maria-Sibylla-Merian-Gymnasium (MSM). Ziel ist es, den Ganztag zu strukturieren unter dem Motto: "Weniger ist mehr."

An längeren Schultagen sind die 45-Minuten-Stunden hinderlich

"Da jetzt täglich mehr Unterricht stattfindet, gibt es das neue Zeitraster", sagt Rolf Nagels, der Sprecher der Gymnasien. Würde - wie bisher - nach jeder 45-Minuten-Schulstunde das Fach wechseln und das achtmal bis in den Nachmittag hinein, käme zu viel Unruhe auf Lehrer und Schüler zu. Mit der neuen Regelung gebe es mehr Zeit am Stück für den Unterrichtsstoff, der so auch besser gefestigt und vertieft werden könne. Weiterer Vorteil: Der Schultag wird nicht zum "Wandertag" von Raum zu Raum.

Im vergangenen Jahr haben die Verantwortlichen der Krefelder Gymnasien die verschiedenen Modelle für eine Veränderung des Zeitrasters durchdacht. Für das Doppelstunden-Modell hat sich, wie viele andere Gymnasien auch, die Schule am Stadtpark entschieden. "Es ist das Beste und Einfachste", denkt Nagels. "Andere Modelle, wie die 67,5 Minuten-Einheit, würden eine zu große logistische Herausforderung mit sich bringen." Der Pädagoge sieht in der Doppelstunde die Möglichkeit, variabel arbeiten zu können. "Ist ein Projekt beendet, kann ich auch nach 40 Minuten eine kleine Pause schalten und danach ein neues Thema beginnen." Zudem fahre das Fabritianum, mit der die Oberstufe kooperiere, das gleiche Modell.

Befürworter: Unterrichtsstoff lässt sich besser vermitteln

Heinz Strohe, Direktor am MSM, ist dagegen ein glühender Verfechter der 67,5-Minuten-Stunde. "Klaus-Peter Hauer, der unseren Stundenplan erstellt, ist ebenfalls ein Hauptbefürworter", berichtet der Schulleiter. "Ich finde, dass sie sich sogar leichter realisieren lässt." Ein gutes Beispiel sei ein dreistündiges Fach in der Woche. "Man sieht die Schüler öfter." Andere Schulen mit einem 90-Minuten-Rhythmus fahren dagegen beispielsweise A- und B-Wochen, in denen es abwechselnd eine oder zwei Doppelstunden gibt, um auf die vorgeschriebene Stundenzahl zu kommen.

Es bleibt den Schulen freigestellt, wie lange sie die Schulstunden gestalten. Es muss nur das Gesamtvolumen der Unterrichtszeit eingehalten werden. Die Schulkonferenz muss das Vorhaben absegnen.

Die Preußen haben im Jahr 1911 die 60-Minuten- in eine 45-Minuten-Unterrichtsstunde umgewandelt. Der Grund: Die Konzentration der Schüler sei in der kürzeren Zeit besser.

"Darüber hinaus", so Strohe, "gibt die 67,5-Stunde die Grundlage für methodischen Unterricht mit Gruppenarbeiten, Schülerversuchen und der Präsentation der Ergebnisse." Letzteres sei bisher oft der Klingel zum Opfer gefallen. Hinzu komme, dass auch die Konzentration der jüngeren Schüler hierbei konstant bleibe. "Wir sind gespannt, wie es läuft und werden das nach einem Jahr überprüfen."

Zeiteinheiten für "Unterricht von früher" bemessen

Ähnliche Gründe führt sein Kollege Rolf Nagels für die Stundenverlängerung an: "Die Zeiten, in denen der Pädagoge vor der Klasse zentral gesteuerten Frontalunterricht erteilt hat, sollten vorbei sein. Der Lehrer ist vielmehr ein Helfer an der Seite, der die jungen Leute in einer veränderten Methodik an kooperatives Lernen in Gruppen- und Partnerarbeit heranführt." Dies sei in 45 Minuten nicht zu packen.

Ann-Katrin Roscheck, stellvertretende Schulsprecherin am MSM und Finanzreferentin der Bezirks-SV, findet das Zeitraster an ihrer Schule gut. Sie ist jedoch der Ansicht, dass mehrere Dinge dabei beachtet werden müssen: "Wir Oberstufenschüler haben nun mehr Freistunden und brauchen ruhige Aufenthaltsräume, in denen wir auch lernen können. Für die Kleinen haben wir Spielgeräte angeschafft." Außerdem sei die Cafeteria für alle Schüler mittags zu klein, und wie sich die Kooperation mit dem Fichte-Gymnasium gestalte, wo Doppelstunden gefahren würden, bleibe abzuwarten. "Nach einem halben Jahr werden wir mal gucken."

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