K.A. Janßen war schon 1974 und 1980 im Kaiser-Wilhelm-Museum vertreten. 30 Jahre später zeigt er fragile Kartonschnitte.

Der Künstler und sein Bogenlauf: K.A. Janßen im Museum.
Der Künstler und sein Bogenlauf: K.A. Janßen im Museum.

Der Künstler und sein Bogenlauf: K.A. Janßen im Museum.

Dirk Jochmann

Der Künstler und sein Bogenlauf: K.A. Janßen im Museum.

Krefeld. 14 Figuren bilden einen harmonisch geformten Halbkreis. "Bogenlauf" hat der Künstler K.A. Janßen seine Arbeit genannt. Sie bildet ein prägnantes Element seiner Installation "Schattenwelt - wenn Raum sich öffnet", die bei "Quer geschnitten" im Kaiser-Wilhelm-Museum zu sehen ist.

Der Begriff des Bogenlaufs stammt aus der romanischen Architektur und ist nicht zufällig gewählt. Auf vielen Reisen durch Frankreich hat Janßen diese Architektur schätzen gelernt. Ein Satz, den er in einem literarischen Reiseführer gelesen hat, ist ihm im Gedächtnis geblieben. Vom Stein, der blüht, war da die Rede. Diese Erzählfreude hat auch seine eigenen Arbeiten geprägt, die meist in Zyklen entstehen.

Seiner jetzigen Rauminstallation aus Kartonschnitten, die sich über drei Wände erstreckt, hat er neben dem Bogenlauf noch weitere romanische Stilelemente zugrunde gelegt. Die zweite Wand ist als Fries gestaltet, auf der dritten befindet sich eine zum Turm geformte Arbeit. Diese drei Elemente bilden eine äußere Klammer, inhaltlich werden viele Geschichten erzählt. Immer wieder geht es um den Menschen, der bei Janßen als äußerst fragiles Wesen in netzartigen Strukturen gefangen ist oder abzustürzen droht.

Zahlen sind erkennbar, bedrohliche Kreisformen und geheimnisvolle Gerätschaften, die an technische Instrumente denken lassen. Die Welt der Technik als faszinierendes, aber auch Besitz ergreifendes Medium spiegelt sich wider. Der Künstler prangert nicht an, er hinterfragt kritisch. Eine Treppe führt scheinbar ins Nichts, eine menschliche Figur, von deren Kopf zierliche Strahlen ausgehen, fällt ins Leere.

Die Formen verstehen sich nicht illustrativ, Geschichten werden nur angerissen, der Betrachter kann sie für sich selbst weiterspinnen. Vieles ist in Beziehung zueinander gesetzt. Bestimmte Motive wie Figuren, Kreise oder Zahlen kehren wieder. Mit großer Virtuosität schneidet der Künstler fragile Formen aus dem starren Karton.

Besonders schön ist das beim Motiv des "sprechenden Baums" zu sehen, der feinste Linien wie bei einer Zeichnung aufweist. Seine eigenen Schattenfotos dienen Janßen als Anregung für Formen, die, locker an der Wand befestigt, ihren eigenen Schatten werfen. Während die Vorderansicht stets dunkel gefärbt ist, leuchten die Rückseiten gelb. Je nach Lichteinfall bilden sich zwischen Wand und Kartons sanfte Übergänge. "Der Schatten produziert sein eigenes Licht", sagt der Künstler, der in seinen Arbeiten eine enge Verknüpfung von Material, Form und Thema anstrebt.

Mit 72 Jahren ist Janßen der älteste Künstler bei "Quer geschnitten" - für ihn auch eine Art Rückkehr. Bereits 1974 und 1980 hat er im Museum Einzelpräsentationen gehabt. Damals wurde er eingeladen, jetzt hat er sich wie alle anderen beworben. "Die Chance, hier noch einmal dabei zu sein, wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dass es geklappt hat erfüllt mich mit großer Freude".

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer