Julius Georg Scheu kreuzte im Jahr 1916 Rebsorten und entwickelte daraus die Scheurebe. Winzer entdecken diese nun wieder.

Julius Georg Scheu kreuzte im Jahr 1916 Rebsorten und entwickelte daraus die Scheurebe. Winzer entdecken diese nun wieder.
In Krefeld gibt es wenige Hinweise auf Scheu. Nur die Geburtsurkunde im Stadtarchiv erinnert an ihn.

In Krefeld gibt es wenige Hinweise auf Scheu. Nur die Geburtsurkunde im Stadtarchiv erinnert an ihn.

Stadtarchiv Krefeld

In Krefeld gibt es wenige Hinweise auf Scheu. Nur die Geburtsurkunde im Stadtarchiv erinnert an ihn.

Mitte. Vor 112 Jahren züchtete der gebürtige Krefelder Julius Georg Scheu die sogenannte Scheurebe. Hierzu kreuzte er eine Weißweinsortenkreuzung aus dem Riesling und der Bukettraube und beschreibt sie wie folgt: „Die Rebe ist rund, gelblich-grün und die Trauben größer als jene vom Riesling. Zudem ist sie süß und hat ein feines Muskatbukett.“ Neben der Scheurebe züchtete er zahlreiche andere Reben neu – unter anderem die Huxel- und Siegerrebe.

Zu pappig und süß: Rebe war nicht immer beliebt

Das Deutsche Weininstitut bezeichnet die Scheurebe als eine der erfolgreichen deutschen Neuzüchtungen, die heutzutage auf 1,4 Prozent der deutschen Weinanbaufläche zu finden ist. Von rund 1400 Hektar mit Scheureben befinden sich rund 700 Hektar in Rheinhessen, etwa 350 in der Pfalz und gut 100 an der Nahe. So beliebt und erfolgreich war sie aber nicht immer. In den 1970er und 1980er Jahren wurden in den großen westdeutschen Anbaugebieten daraus überwiegend süße, pappige Weine produziert, die später keiner mehr haben wollte. So geriet sie in Vergessenheit. Doch im 21. Jahrhundert feiert sie ihre Rückkehr. So wurde 2016 zum ersten Mal der Scheurebe-Preis verliehen.

Da Scheu 1949 in Alzey starb, bekam er den Erfolg seiner Entdeckung nicht mehr mit. Ein Denkmal in dem rheinland-pfälzischen Ort Alzey würdigt ihn, zudem wird jährlich die Georg-Scheu-Plakette als Weinkulturpreis verliehen. In seiner Geburtsstadt Krefeld gibt es kaum Hinweise auf den Rebenzüchter: Auf der Geburtsurkunde, die im Stadtarchiv Krefeld aufbewahrt wird, sind sein Vater Jakob Scheu und die Mutter Johanne, geborene Wesche, verzeichnet.

Der Sohn kam am 21. Juni 1879, vormittags um 11.30 Uhr in der elterlichen Wohnung an der Gerberstraße 24 zur Welt. Der Vater übte den nicht weiter erläuterten Beruf des „Agenten“ aus, die Mutter war Hausfrau. Weitere verwandtschaftliche Beziehungen in Krefeld sind nicht eindeutig: Ein Vermerk im Meldebuch verweist auf einen Georg Scheu. Dabei könnte es sich um den Vater von Jakob Scheu gehandelt haben. Auch der Zweitname „Georg“ bei Julius Georg Scheu deutet darauf hin.

Georg Scheu lebte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Krefeld, geboren wurde er wohl 1810 in Koblenz. Über Bonn zog er nach Krefeld, wo er als Krawattenfabrikant an der Hochstraße wohnte. Jacob Scheu wurde im September 1849 in Krefeld geboren. Im Stadtarchiv finden sich über ihn erst knapp drei Jahrzehnte später wieder Hinweise, als er von Leipzig zurück nach Krefeld zog.

Mit 30 ging es ins rheinhessische Alzey

Im folgenden Jahr heiratete der Katholik seine aus Braunschweig stammende evangelische Frau. Die Familie siedelte 1880 nach Wolfenbüttel über, in die Nähe von Braunschweig. Andere Quellen berichten, dass Julius Georg Scheu nach seiner gärtnerischen Ausbildung in Hannover unter anderem in München als Gartenbautechniker arbeitete. Er ließ sich an der Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim im Rheingau sowie am Kaiser-Wilhelm-Institut im preußischen Bromberg weiter ausbilden. Mit 30 Jahren kam er ins rheinhessische Alzey, wo er seit 1909 zuerst als Kreisberater für Wein- und Obstbau bei der Landwirtschaftskammer und später in der Region als Leiter einer neu gegründeten Rebschule tätig war. Dort begann Scheu mit diversen Kreuzungszüchtungen und beschäftigte sich mit Fragen zur Verbesserung des Weinbaus.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer