Educura sucht Pflegefamilien, die für einen befristeten Zeitraum Kindern ein neues Zuhause geben.

Educura sucht Pflegefamilien, die für einen befristeten Zeitraum Kindern ein neues Zuhause geben.
Maria Nellessen (l.) und Marion Emde leiten die Bereitschaftsbetreuung.

Maria Nellessen (l.) und Marion Emde leiten die Bereitschaftsbetreuung.

Andreas Bischof

Maria Nellessen (l.) und Marion Emde leiten die Bereitschaftsbetreuung.

Krefeld. Lena ist zwei Jahre alt. Ihre alleinerziehende Mama ist krank geworden und braucht deshalb professionelle Hilfe. Für Lena ist das alles ziemlich verwirrend und macht ihr Angst. Damit sie sich in dieser schwierigen Situation nicht auch noch an das wechselnde Personal in einem Heim gewöhnen muss, wird eine Pflegefamilie für die Zweijährige gesucht, um ihr die Zeit bis zur Genesung ihrer Mutter, zu vereinfachen.

So wie in diesem Fallbeispiel kann es vielen Kindern ergehen. Sie kommen in eine Situation, in der die Eltern nicht mehr für sie sorgen können. Damit in diesem Moment aber jemand anders einspringen kann, werden Familien gesucht, die sich für die familiäre Bereitschaftsbetreuung oder für eine befristete Vollzeitpflege interessieren: „Manchmal werden Kinder misshandelt oder Eltern erkranken und das Jugendamt muss die Kinder aus den Familien nehmen“, erläutert Maria Nellessen, Leiterin des Fachbereichs familiäre Bereitschaftsbetreuung die Problematik bei der Educura GmbH. Oft müsse dann akut reagiert werden, um für die Kinder ein neues, vorübergehendes, Zuhause zu finden.

Da der Bedarf weit über den vorhandenen Kapazitäten lag, kam das Jugendamt der Stadt Krefeld im vergangenen Jahr auf Educura zu: „Unser erstes Kind haben wir am 28. Oktober letzten Jahres aufgenommen und in eine Pflegefamilie vermittelt“, berichtet Nellessen, die gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin, Marion Emde, für die familiäre Bereitschaftsbetreuung tätig ist. Zwei Familien, die jeweils zwei Plätze anbieten, haben sich bereits bei Educura gemeldet: „Es dürfen aber gerne noch mehr Familien werden, der Bedarf ist da“, so Emde.

Bevor ein Pflegekind im Alter von null bis vier Jahren in eine Pflegefamilie kommt, wird diese eingehend überprüft. „Neben einigen allgemeinen Kriterien, die Hauptbetreuungsperson sollte so zum Beispiel nicht außerhäuslich tätig sein, schauen wir uns beide dann die Familie genauer an. Wie ist die Situation in der Familie? Sind die Betreuungspersonen sich sicher, dass sie ein Kind aufnehmen möchten?“

Viele Fragen gibt es im Vorfeld bereits zu klären. Ganz wichtig ist vor allem die Motivation, aus der die Betreuungspersonen sich für ihre Aufgabe entscheiden: „Natürlich bekommen sie etwas Geld dafür, reich wird man davon aber mit Sicherheit nicht“, erklärt Nellessen, die noch hinzufügt: „Es sollte den Personen aber vor allem um das Wohl des Kindes gehen.“ Wenn die Familie überprüft und sowohl vom Team der familiären Bereitschaftsbetreuung als auch vom Pflegekinderdienst des Jugendamtes das ‚Okay’ bekommen hat, heißt es, auf ein Kind zu warten: „Manchmal wissen wir ein paar Tage vorher Bescheid und können die Betreuungspersonen darum vorbereiten. Manchmal muss es aber auch sehr schnell gehen“, so Nellessen.

Wer sich auch dafür interessiert, ein Kind zur Pflege aufzunehmen, sollte folgende Anforderungen erfüllen: Die Hauptbetreuungsperson sollte sich im Alter von 28 bis 60 Jahren befinden. Die Hauptperson sollte nicht außerhäuslich tätig sein. Befinden sich weitere Kinder im betreuende Haushalt, sollten diese mindestens drei Jahre alt sein.

Offenheit und Toleranz für eine Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist unerlässlich. Es muss ausreichend Platz (ein eigenes Zimmer) für die Unterbringung geben. Ein erweitertes Führungszeugnis muss vorgelegt werden. Wünschenswert sind praktische pädagogische Erfahrungen, zum Beispiel, durch ein eigenes Kind.

Die Educura GmbH betreut 180 Familien im regionalen Umkreis und bietet seit einiger Zeit auch den neuen Zweig der familiären Bereitschaftsbetreuung an.

Educura hilft dann bei der Erstausstattung aus: „Wir sorgen dafür, dass die Eltern nicht alleine sind und ein Bett, einen Kindersitz und alles weitere, was benötigt wird, bekommen.“ Aber auch darüber hinaus endet die Arbeit für Emde und Nellessen noch lange nicht: „Wir sind immer als Ansprechpartner für die Pflegefamilien da. Wir machen Hausbesuche und helfen auch bei den Umgangsstunden, die die Kinder einmal wöchentlich mit ihren leiblichen Eltern haben.“ Damit es zu keinerlei Schwierigkeiten zwischen Pflege- und leiblichen Eltern kommt, sind die Daten der Pflegefamilien anonym. Je nach Situation kann das Kind dann unterschiedlich lang in der Pflegefamilie bleiben. Während des ganzen Prozesses stehen Emde und Nellessen der Pflegefamilie beratend zur Seite und versuchen, die bestmögliche Situation für das Kind zu erschaffen, denn „das Kind hat bei uns oberste Priorität“, so Nellessen abschließend.

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