Eine Ausstellung im Haus der Seidenkultur widmet sich erstem „Goldenen Spinnrad“.

Eine Ausstellung im Haus der Seidenkultur widmet sich erstem „Goldenen Spinnrad“.
Ilka Neumann, Kuratorin der Ausstellung im Haus der Seidenkultur, hinter einem der futuristischen Outfits aus den 60er-Jahren von Cardin, die auch 1966 in Krefeld gezeigt wurden. Fotos (2): A. Bischof

Ilka Neumann, Kuratorin der Ausstellung im Haus der Seidenkultur, hinter einem der futuristischen Outfits aus den 60er-Jahren von Cardin, die auch 1966 in Krefeld gezeigt wurden. Fotos (2): A. Bischof

Pierre Cardin experimentierte auch bei seinen Abendkleidern erfolgreich mit geometrischen Formen.

Höchste Schneiderkunst: Der rote Mantel mit Plissee-Falten auf dem Rücken stammt aus den 80er-Jahren.

In Vertretung für den heute 94-jährigen Cardin sind in Krefeld zu Gast, Chefdirektrice Maryse Gaspard und Jean-Pascal Hesse als engste Vertraute. (DJ)

Höhepunkt der Gala im Krefelder Hof war am 25. November 1966 die Verleihung des ersten Goldenen Spinnrads an den Modeschöpfer Pierre Cardin. Im Jahr 1994 wurde ihm außerdem bei der „Größten Straßenmodenschau der Welt“ die Goldene Seidenschleife überreicht. Archiv

Alber Elbaz (l.) Verleihung Goldenes Spinnrad 1997, r. OB Dieter Pützhofen. Foto: Axel Gayk

Claude Montana wurde 1992 mit dem Goldenen Spinnrad ausgezeichnet.

Christian Lacroix (2.v.l.) mit seinem Lieblingsmodel Marie Sezncec 1990 nach der Preisübergabe.

Karl Lagerfeld erhielt 1973 in Krefeld das Goldene Spinnrad.

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Ilka Neumann, Kuratorin der Ausstellung im Haus der Seidenkultur, hinter einem der futuristischen Outfits aus den 60er-Jahren von Cardin, die auch 1966 in Krefeld gezeigt wurden. Fotos (2): A. Bischof

Krefeld. Zu einer glamourösen Zeitreise in die Welt der Haute Couture und die textile Geschichte der Samt- und Seidenstadt lädt das Haus der Seidenkultur seit Freitag ein. Auf den Tag genau, am 25. November 1966, wurde damals im prunkvollen Saal des alten Krefelder Hofes zum ersten Mal das „Goldene Spinnrad“ verliehen. Ein Geniestreich des damaligen Verkehrsdirektors Herbert Maeger in Sachen innovatives Stadtmarketing. Der in der Welt der Couture in den folgenden Jahren auch als deutscher Mode-Oscar bekannte Preis ging an den französischen Modeschöpfer Pierre Cardin. Der stand zu diesem Zeitpunkt kurz vor dem Durchbruch als Revolutionär der Mode. Die kleine, aber feine und sehr hochwertige Ausstellung erinnert an diesen besonderen Moment.

Modeschöpfer war von der Idee der Ausstellung sofort begeistert

Die Idee dazu ist Kurator Klaus Drenk im vergangenen Jahr gekommen, als er zufälligerweise das Datum der ersten Preisverleihung las. Gemeinsam mit seiner Vorstandskollegin vom Haus der Seidenkultur, Ilka Neumann, und weiterer Unterstützung wurden zunächst viele Archive durchstöbert und der erste Kontakt zu Pierre Cardin geknüpft. „Auf unseren Brief hat er relativ euphorisch reagiert“, erinnern sich Drenk und Neumann immer noch erleichtert. Der Modeschöpfer war von der Idee der Ausstellung „Pierre Cardin 1966 – 2016“ begeistert und sagte seine volle Unterstützung zu.

Der inzwischen 94 Jahre alte Modeschöpfer erinnert sich gut und gerne an Krefeld. Cardin hatte 1958 die erste Prêt-à-Porter-Kollektion herausgebracht. Bis dahin war hochwertige Mode nur in der Haute Couture für einen kleinen Kreis von Damen erschwinglich. Der gebürtige Italiener hingegen wollte Exklusivität den Massen bieten und nutzte dazu seine überbordende Kreativität. Die Zitate in der Ausstellung zeugen davon. Dieses Talent hatte die hochwertig besetzte Jury erkannt und mit der Verleihung des „Goldenen Spinnrads“ ausgezeichnet.

An diesen besonderen Abend im Krefelder Hof erinnert die Ausstellung im Haus der Seidenkultur mit zahlreichen Zeitdokumenten. Fotografien, Zeitungsausschnitte, ein elf-minütiger Fernsehbeitrag aus dem Jahr 1966 und das Goldene Spinnrad sind ebenso zu sehen wie zwölf exklusive Modelle, Accessoires, Schuhe und Schmuck aus dem Archiv des Pariser Cardin-Museums. Einiges davon war vor 50 Jahren bei der Modenschau im Rahmen der Preisverleihung schon hier vor Ort zu sehen. Fotografien der Mannequins an den Wänden spiegeln das eindrucksvoll wieder.

Diese Exponate hat bei einem Besuch von Drenk und Neumann in Paris unter anderem mit ausgewählt Maryse Gaspard. Das einstige Star-Mannequin und heutige Chefdirektrice des Modehauses arbeitet seit 50 Jahren an der Seite des Modeschöpfers. Gemeinsam mit Jean-Pascal Hesse, engem Vertrauten Cardins, besuchte sie am Freitag als Erste die Ausstellung. Beide waren begeistert von der Interpretation des modischen Werkes über sechs Jahrzehnte. Mit einer festlichen Soiree mit geladenen Gästen am Abend bei Mode Schinke feierte man die Preisverleihung vor 50 Jahren.

Am Sonntag wird die Ausstellung um 11 Uhr offiziell eröffnet.

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