Nach der Festnahme von vier mutmaßlichen Tätern beklagt ein Opfer, die Polizei habe der Straftat zugeschaut, ohne einzugreifen.

Kriminalität
Mit Verkehrskontrollen versucht die Polizei in dieser und der kommenden Woche verstärkt, Einbrecher zu fassen. Archiv

Mit Verkehrskontrollen versucht die Polizei in dieser und der kommenden Woche verstärkt, Einbrecher zu fassen. Archiv

Andreas Bischof

Mit Verkehrskontrollen versucht die Polizei in dieser und der kommenden Woche verstärkt, Einbrecher zu fassen. Archiv

Krefeld. Der erfolgreiche Schlag der Polizei gegen eine Einbrecherbande am 19. Dezember (die WZ berichtete) hat bei einem Ehepaar einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Die Einbruchsopfer werfen den Ermittlern vor, quasi dabei zugesehen zu haben, wie die Täter bei ihnen einstiegen – um sie erst Stunden später festzunehmen. Und als ob das noch nicht reicht, soll auch noch ein Teil der Beute verschwunden sein. Was war passiert? Die Polizei meldete am 20. Dezember, sie habe am Kreisverkehr Hardenbergstraße/Dießemer Straße vier Tatverdächtige festgenommen, die für verschiedene Einbrüche in Frage kommen. Im Fahrzeug fanden sich Beutestücke aus einem Einbruch kurz zuvor an der Wusthoffstraße in Essen.

„Die Polizei hat den Einbruch bewusst zugelassen und billigend in Kauf genommen.“

Einbruchsopfer

Kurz vor dem Zugriff hatten die Männer bereits etwas aus dem Autofenster geworfen – preiswerten Modeschmuck, den das Quartett offensichtlich loswerden wollte, so Polizeisprecher Acor Kniely. Er berichtet, dass die Zivilfahnder der Ermittlungskommission Dämmerung die mutmaßlichen Einbrecher gezielt gestoppt und überwältigt hätten. Mittlerweile ist klar: Die Ermittler der Sonderkommission hatten mit Unterstützung von Kollegen aus Mönchengladbach die vier Männer bereits am Morgen in Krefeld im Visier, da es eindeutige Erkenntnisse zu deren krimineller Tätigkeit gegeben haben soll. Das bestätigt Kniely auf WZ-Anfrage. Man observierte die Tatverdächtigen und folgte ihnen bis nach Essen.

Die Ermittlungskommission Dämmerung bekämpft nunmehr im zweiten Jahr in den Herbst- und Wintermonaten die Einbruchskriminalität. In dieser Jahreszeit schlagen Täter besonders häufig zu.
 

Dass die Beamten die Einbrecher nun einfach in ihrer Wohnung zuschlagen und dann davonfahren ließen, erzürnt die Einbruchsopfer. Sie sagten der WAZ in Essen: „Die Polizei hat den Einbruch bewusst zugelassen und billigend in Kauf genommen.“ Die Betroffenen haben kein Verständnis dafür, dass die Beamten die Täter in die Wohnung eindringen und dann sogar davonfahren ließen. Als die Eheleute vier Tage später ihr Hab und Gut bei der Polizei in Krefeld abholen, sind sie zudem geschockt: Wertvoller Schmuck aus Gold und Edelsteinen, der ebenfalls gestohlen worden sein soll, befindet sich nicht darunter. Die Ermittler betonen aber, dass sie die gesamte Beute sichergestellt hätten. Acor Kniely tritt dem Eindruck entgegen, die Polizei habe einfach zugesehen, als die Täter in Essen in die Wohnung einbrachen. Bei der Observation – die Zivilfahnder folgten in mehreren Fahrzeugen – habe man beobachtet, wie der Wagen im Stadtteil Rüttenscheid stoppte und nur ein Teil der Tatverdächtigen ausgestiegen sei. Diese seien zu Fuß weiterverfolgt worden, allerdings habe man nicht nachvollziehen können, wo sie sich exakt aufhielten.

Die Krefelder Polizei weist die Vorwürfe zurück

„Wenn wir sehen, dass beispielsweise eine Tür aufgehebelt wird, hätten wir selbstverständlich sofort zugegriffen“, macht Kniely deutlich, dass ein Einbruch nicht einfach zugelassen werde. Die Männer hätten aber, wie man hinterher feststellen musste, im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses zugeschlagen, was seine Kollegen nicht hätten sehen können. Das Quartett sei zudem so schnell wieder in Essen losgefahren, dass man dessen Wagen dort nicht stoppte: „Wir wollten keine Verfolgungsfahrt riskieren“, sagt Kniely. So erfolgte der Zugriff erst in Krefeld. Die Festnahme sei tumultartig gewesen und ein stämmiger Tatverdächtiger habe erhebliche Gegenwehr geleistet. Dass dabei ein Teil der Beute irgendwo versteckt werden konnte, hält die Polizei allerdings für abwegig. „Es ist vorher etwas aus dem Fenster geworfen worden. Das war aber Modeschmuck, der aussortiert wurde“, so der Polizeisprecher. Dass bereits auf der Autobahn etwas aus dem Wagen gelangt wäre, könne aufgrund der Observation ausgeschlossen werden. Man habe nach dem Hinweis der Geschädigten auf fehlende Schmuckstücke noch einmal intensiv den Wagen des Quartetts und den Ort der Festnahme inklusive Gullis abgesucht – ohne Ergebnis.

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