Fast 1000 Krefelder gehen an einem Freitagabend mit Kerzen auf die Straße, um gegen die menschenverachtenden Anschläge von Paris zu demonstrieren. Ein eindrucksvolles Bild.

Gleichzeitig haben die Teilnehmer mit dem aus dem Karnavel entliehenen Motto „All onger een Kapp“ unterstrichen, dass Krefeld kein Ort für Fanatiker und Rassisten ist – egal welcher Herkunft oder welchen Glaubens. Das steht der Stadt – gerade mit Blick auf ihre Geschichte der religiösen Toleranz – gut zu Gesicht.

Der Impuls kam aus unerwarteter Ecke, nicht selten amüsiert man sich in der närrischen Bütt auf Kosten von Minderheiten. Karnevalsprinz Heribert II. (Boosen) hatte aber das Sessionsmotto bei der Proklamation als „alle gemeinsam“ interpretiert.

Innerhalb von nur einer Woche wurde diese eindrucksvolle Demonstration daraus. Das Prinzenpaar führte denn auch den Schweigemarsch an. Diese Reaktion auf die aktuellen Ereignisse verlangt Respekt.

Vielleicht war es sogar gut, dass der Aufruf nicht aus der Politik, der Stadtspitze oder Verbänden kam. So konnte sich wirklich jeder angesprochen fühlen. Alle haben sich daran gehalten, keine Banner für die eigene Sache zu zeigen. Sondern nur Trauer und Solidarität mit den Opfern der Anschläge.

In Krefeld braucht es auch keinen Pegida-Aufmarsch, um die Menschen, die gegen fremdenfeindliche Sprüche sind, zu mobilisieren. Vielleicht kommt das Signal auch außerhalb an, so dass es hier gar nicht erst zu Aufrufen kommt.

Angesichts der aufgeheizten Stimmung im ganzen Land bleiben die Krefelder ruhig. Sie wissen aus ihrer Historie, dass Menschen anderer Herkunft oder Religion ihre Stadt bereichern können. Daran sollten wir uns auch erinnern, wenn in den nächsten Wochen und Monaten wieder über Flüchtlings- und Zuwanderungswellen diskutiert wird.

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