Rund 40.000 Besucher kamen am Samstag zu „Kitsch, Kunst und Co“.

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Verkäuferin Tanja Hilger versucht, die Besucher mit einem Megaphon zum Kauf zu animieren.

Verkäuferin Tanja Hilger versucht, die Besucher mit einem Megaphon zum Kauf zu animieren.

Andreas Bischof

Verkäuferin Tanja Hilger versucht, die Besucher mit einem Megaphon zum Kauf zu animieren.

Krefeld. Freudestrahlend schwingt Christa Preuß einen alten Bowletopf durch die Luft. "Es ist einfach herrlich. Hier findet man noch ganz antiquarische Stücke." Das gute Stück mit bunten Verzierungen hat die Remscheiderin auf dem Trödelmarkt auf dem Sprödentalplatz ergattert. "Den Bowletopf werde ich als Blumentopf umfunktionieren und bepflanzen", sagt die stolze Besitzerin.

"Vier Euro habe ich nur dafür bezahlt. Ursprünglich wollte der Besitzer doppelt so viel." Christa Preuß lässt sich trotz guter Stimmung und herrlichem Wetter nicht täuschen. "Ich habe für alles die Hälfte gezahlt. So leicht lasse ich mir das Geld nicht aus der Tasche ziehen." Und die ist prall gefüllt mit einer neuen, oder besser gesagt alten Kaffeemühle, einem echten Steifteddy und einer Tischdecke.

Nicht alle Händler machen gute Geschäfte

Von 7 bis 17 Uhr schlendern an diesem Samstag bis zu 40.000 Besucher aus dem Rheinland, dem Ruhrgebiet und den benachbarten Niederlanden über den beliebten Trödelmarkt.

Während die meisten Besucher entspannt die Trödelatmosphäre genießen, hätte einer am liebsten direkt wieder seine sieben Sachen gepackt. Christian Zimmermann aus Willich ist einer von rund 900 Trödlern, der seit 5 Uhr auf dem 52.000 Quadratmeter großen Gelände steht und versucht, seine Bronzefiguren und Parfümflaschen unter die Leute zu bringen.

"Bisher habe ich gerade mal 70 Euro eingenommen", sagt der 52-Jährige frustriert. "Davon gehen aber 44 Euro für Standgeld und Reinigungskaution drauf." Der Privathändler hat auch schon lange die Hoffnung aufgegeben, dass sein wertvollstes Schmuckstück, der 130 Euro teure Spiegel aus der Biedermeierzeit, verkauft wird.

"Die Besucher wollen immer nur 50 Cent ausgeben. Da bin ich hier völlig fehl am Platz." Trotzdem sagt er: "Ich bin zwar heute das erste und letzte Mal hier, trotzdem macht es mir Spaß. Wenigstens scheint die Sonne."

Während Zimmermanns mit seinen beiden Trödelnachbarn gute Miene macht, sind Gabi und Lisa Kramer hellauf begeistert. Das Mutter-Tochter-Gespann aus Hochneukirch bei Jüchen hat lange auf den Sonntag gewartet. "Wir kommen jedes Mal hierher", sagt Mutter Gabi. "Hier werden Gott sei Dank keine Handys oder Putzartikel verkauft, sondern nur richtig schöne Schmuckstücke."

Während die 56-Jährige bergeweise Tüten mit Gläsern und anderen Haushaltsartikeln zum Auto schleppt, hat sich Tochter Lisa mit einer kompletten Frühjahrskollektion eingedeckt. "Ich habe mir neue Strickjacken, T-Shirts und Schuhe gekauft. Die sind hier sehr individuell und trotzdem schick."

Ein modisches Einzelstück hat sich auch Anne Ratke aus Vorst gesichert. Sie trägt die neu erworbene, selbst genähte Handtasche schon um den Hals. "Die habe ich für 5 Euro gekauft. In der Stadt hätte ich so eine Tasche nie bekommen", sagt die 22-Jährige.

Während sich tausende Trödelliebhaber schon die Second-Hand-Ware aus den Händen gerissen haben, können andere nur neidisch aus dem Autofenster gucken. Denn Parkplätze waren beim Trödelmarkt Mangelware.

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