37583735504_9999.jpg
Eine Kommentar von Christoph Elles.

Eine Kommentar von Christoph Elles.

Bischof, Andreas (abi)

Eine Kommentar von Christoph Elles.

Krefeld. Stellen wir uns das Etikett einer „Stadt wie Samt und Seide“ doch mal kurz bildlich vor. Trotzig haftet es an der Wand, doch die Farben sind längst vergilbt, die Ecken lösen sich. Abgerissen wird es nur deshalb nicht, weil dann weiße Fransen und hässliche Klebereste zurückbleiben.

Der oft kritisierte, gern belächelte Slogan, mit dem Krefeld sich schmückt, wirkt altbacken und rückwärtsgewandt – und doch hat er viel mit dieser Stadt zu tun. Ohne die Seidenbarone gäbe es kein Rathaus, kein Kaiser-Wilhelm-Museum, keinen Stadtwald. Auch der berühmte Architekt Ludwig Mies van der Rohe wäre wohl nie nach Krefeld gekommen. Es wäre geschichtsvergessen, diese Wurzeln einfach zu begraben.

Ab April wird es einen Ort geben, an dem dieser prägende Teil der Stadtgeschichte erlebbar wird. Das Haus der Seidenkultur, bislang ein eindrucksvolles, leicht verstaubtes Industriedenkmal mit dem Charme des Provisorischen, wird als modernes Museum neu eröffnet. Die Konzepte, die der Förderverein sich überlegt hat, klingen überzeugend. Im besten Fall wird das Museum Erwachsenen und Kindern ein ganz neues Gefühl für die Geschichte ihrer Stadt geben.

Dieser große Wurf, der da zu gelingen scheint, war nicht zu erwarten. Als das Haus wegen Brandschutzmängeln geschlossen wurde, waren die Verantwortlichen um Hansgeorg Hauser konsterniert. Ihre jahrelange ehrenamtliche Arbeit schien von der Stadt bestraft zu werden.

Dennoch haben sie binnen zweieinhalb Jahren 350 000 Euro gesammelt und dafür ein Bauprojekt gestemmt, das unter behördlicher Führung leicht das Doppelte gekostet hätte. Dass sie ihr kleines Museum dadurch aus der Not heraus neu erfunden haben, ist eine kleine Sensation. Es ist ein Beispiel, das in Zeiten von Nothaushalt und Sparwut Mut macht: Kreativität und bürgerschaftliches Engagement sind nicht so leicht totzukriegen

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer