Die Bürgerinitiative für die Aufforstung des Kasernengeländes hofft weiter auf ein Naherholungsgebiet.

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Mit einem Plakat machen Bürger am Hochbendweg im Forstwald klar, was sie wollen: eine Aufforstung des Kasernengeländes. Vor allem Geschossbebauung stößt auf Kritik.

Mit einem Plakat machen Bürger am Hochbendweg im Forstwald klar, was sie wollen: eine Aufforstung des Kasernengeländes. Vor allem Geschossbebauung stößt auf Kritik.

Aufforstung oder Bebauung? Jahrzehnte haben die Briten das Gelände am Hochbendweg/Stockweg genutzt.

HH, Bild 1 von 2

Mit einem Plakat machen Bürger am Hochbendweg im Forstwald klar, was sie wollen: eine Aufforstung des Kasernengeländes. Vor allem Geschossbebauung stößt auf Kritik.

Krefeld. Protest kann sich auf vielen Wegen äußern. Mitstreiter der Bürgerinitiative Forstwald für die Aufforstung des Kasernengeländes haben jetzt eine öffentlichkeitswirksame Variante gewählt: Am Hochbendweg, an den das 16 Hektar große, ehemals von den Briten genutzte Gelände grenzt, haben sie zwei Tage vor der Ratssitzung gut sichtbar ein Banner befestigt. Der Text ist knapp: „Hier? Sozialwohnungen als Schallschutz? Nein! Bäume statt Beton“.

Rot markiert ist der Bereich, über dessen Zukunft die Forstwalder intensiv diskutieren. Der aktuelle Anlass: Der Rat hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause die Weichen gestellt und entschieden, dass sich die Stadt Krefeld um den Kauf des Grundstücks von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bemühen wird.

Nicht diese Tatsache, wohl aber die in der Vorlage enthaltene Zweckbestimmung, lehnt die Bürgerinitiative kategorisch ab. In dem Beschluss des Rates steht, dass eine „lockere Bebauung unter Berücksichtigung der vorhandenen Baumbestände bzw. Waldansätze“ ergänzt werden sollte um „eine möglichst in geschlossener Bauweise konzipierten Mehrfamilienhausbebauung (gefördert)“ entlang des Hochbendwegs. Das läuft dem Wesen der Bürgerinitiative zuwider, deren Mitglieder sich mit ihrem Beitritt zur Aufforstung des Areals der ehemaligen Forstwaldkaserne und den damit verbundenen Erhalt sowie die Stärkung der Kulturlandschaft Forstwald bekennen.

Auch die Erschließung als Baugebiet kostet Geld

Heribert Haus, stellvertretender Vorsitzender der „BI Grünfläche“, wie er selbst sie scherzhaft nennt, ist entsetzt. Nicht nur, dass die BI nicht eingebunden und jetzt „Fakten geschaffen“ worden seien. Krefeld brauche das Naherholungsgebiet, das durch die Aufforstung und den Waldverbund bis St. Tönis entstehen würde. St. Tönis, erinnert Haus, habe die Aufforstung beschlossen.

Dass der Aufbau eines Waldes Geld kostet – Krefelds Planungsdezernent spricht von einem „hohen siebenstelligen Betrag“ – beeindruckt Haus nicht. „Niemand rechnet vor, was es kostet, das Grundstück für eine Bebauung zu erschließen.“ Außerdem könne man für die Aufforstung möglicherweise an Fördertöpfe kommen und das Gelände als Ausgleichsfläche nutzen. Nach der Ratsentscheidung sei die Waldvermehrung vielleicht schwieriger geworden, so Haus.

Auch eine „magere Bebauung“ mit Einfamilienhäusern lehnt die Bürgerinitiative ab. Mittel, die „Vergreisung des Forstwalds“ oder sein „Aussterben“ zu verhindern, hält Haus für überflüssig. „Auch wenn hier mehr Menschen wohnen würden, würde niemand in einem relativ kleinen Laden einkaufen“, sagt Haus. Große Läden in St. Tönis lägen direkt um die Ecke. Nachdrücklich fordert auch der Bürgerverein Forstwald eine frühzeitige Einbindung in die Planung.

Planungsdezernent Martin Linne hat darauf hingewiesen, dass mit der Aufnahme der Kaufverhandlungen keine finale Entscheidung für die Bebauung gefallen sei, der Wohnungsbedarf sei aber hoch. Neubauten auf versiegelter Fläche statt auf freiem Feld überzeugt Grüne, und auch die SPD tritt für eine dichtere Bebauung und weniger Einfamilienhäuser ein. Ältere Menschen wollten kleinere, barrierefreie Wohnungen, möglichst in ihrem Bezirk. Auch für sie müsse es ein Angebot geben, sagt Heidi Matthias (Grüne).

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