Der 15-jährige Hülser mit Down-Syndrom tritt am Samstag zum zehnten Mal beim Down-Sportlerfest an.

Wenn Felix mit seiner Schwester Hannah zuhause im Garten toben kann, dann ist die Welt in Ordnung.
Wenn Felix mit seiner Schwester Hannah zuhause im Garten toben kann, dann ist die Welt in Ordnung.

Wenn Felix mit seiner Schwester Hannah zuhause im Garten toben kann, dann ist die Welt in Ordnung.

Jochmann

Wenn Felix mit seiner Schwester Hannah zuhause im Garten toben kann, dann ist die Welt in Ordnung.

Krefeld. Dieses breite Zahnspangen-Grinsen. Felix’ Lachen ist ansteckend, und er lacht viel an diesem Tag. Gründe dazu gibt es genug. Wenn er so wie jetzt mit seiner jüngeren Schwester Hannah im Garten tobt, ist die Welt in Ordnung. Sowieso.

Dass Felix alleine Fahrradfahren, Fußball- und Tennisspielen „und unglaublich gut schwimmen“ kann, wie Mutter Claudia Odendahl stolz erzählt, das ist für seine Familie nicht selbstverständlich. Vor 15 Jahren kam er mit Trisomie 21 zur Welt. Am Samstag tritt der Schüler aus Hüls mit 600 anderen Menschen mit Down-Syndrom beim Deutschen Down-Sportlerfestival in Frankfurt an. Stolz zeigt er auf die goldenen Medaillen der vergangenen neun Jahre, die sauber aufgereiht, eine neben der anderen, vor ihm auf dem Tisch liegen. Beim 100-Meter-Lauf in seiner Altersklasse wird er Erster, natürlich, für Felix besteht überhaupt kein Zweifel daran. Und wenn nicht? Auch kein Problem. „Jeder Teilnehmer bekommt eine Urkunde und eine Medaille – und ist darüber glücklich“, sagt Claudia Odendahl. Sportliche Verbissenheit? Gibt es beim Down-Sportlerfestival nicht. „Dafür berührt es mich jedes Mal unglaublich, welche Freude die vielen Menschen zwischen vier und 50 Jahren mit Down-Syndrom bei diesem Fest haben.“

Dass Felix behindert ist, erfahren die Eltern erst nach der Geburt

Als der Arzt den jungen Eltern vor 15 Jahren im Kreißsaal sagt, dass sie ein behindertes Kind haben, „da sind wir in ein tiefes Loch gefallen“, erzählt Claudia Odendahl. „Es stand während der Schwangerschaft gar nicht zur Diskussion, dass wir ein Baby mit Down-Syndrom bekommen.“ Noch ein Jahr später habe sie Alpträume davon gehabt, wie der Arzt sie und ihren Mann kurz nach der Entbindung fragte: „Haben Sie Ihrem Sohn denn nicht mal ins Gesicht geguckt?“ „So etwas vergisst man nie.“ Erst in der Nacht nach Felix’ Geburt habe sie sich getraut, ihren Sohn zum ersten Mal anzusehen. Und festgestellt: „Es ist alles in Ordnung, mein Baby ist gut – so, wie es ist.“

„Er kann es nicht – das gibt es für mich nicht. Felix lernt in kleinen Schritten, aber er lernt.“

Claudia Odendahl, Felix’ Mutter

Als Felix noch klein ist, treten Claudia und Ralph Odendahl dem Morbus-Down-Verein-Krefeld bei. Dort treffen sie auf Familien, denen es ähnlich geht wie ihnen; lernen, welche Bereicherung ein Kind mit Handicap für das Leben sein kann. Sie spielen mit ihrem Sohn Fußball, sie bringen ihm Schwimmen und Radfahren bei. „Wir sind eine sehr sportliche Familie. Und alles, was er lernt, das gibt uns Freiheiten“, sagt Claudia Odendahl. „Er kann es nicht – das gibt es für mich nicht. Felix lernt in kleinen Schritten, aber er lernt.“

Lesen? Schreiben? Rechnen? Das alles fällt Felix schwer. Es wird nicht leichter, seit seine jüngere Schwester Hannah ihn in vielen Dingen überholt. Aber nicht in allen. „Felix kann viel besser Fußballspielen als ich“, sagt die Elfjährige. „Und er ist sehr feinfühlig. Wenn es einem anderen schlecht geht, wenn sich jemand wehtut, dann leidet Felix mit“, sagt seine Mutter. Und der 15-Jährige hat „einen super Orientierungssinn“, sagt Hannah, „er findet jeden Weg“. Natürlich auch den zur Schule.

Felix besucht die achte Klasse der Robert-Jungk-Gesamtschule, als Inklusionskind mit besonderem Förderbedarf. Den Kampf um Inklusionsplätze, um mehr Stellen für Pädagogen – davon kann Familie Odendahl ein Lied singen. Aber Felix geht gerne zur Schule, erzählt er, seinen Eltern ist das wichtiger, als dass er möglichst schnell Lesen, Schreiben und Rechnen lernt. „An Felix’ Schule gehen 1000 Kinder“, sagt Claudia Odendahl, „und jeder kennt ihn. Das Miteinander ist uns wichtig, Felix ist Teil der Schule. Und er ist in Hüls integriert“, dafür ist die Familie dankbar.

Im nächsten Schuljahr macht Felix ein Praktikum. Nicht, wie für Jugendliche mit Handicap wie Felix vorgesehen, in einer Behindertenwerkstatt – sondern bei der Caritas. In der Seniorenbetreuung. „Wir waren schon ein paar Mal da, und die alten Menschen waren total begeistert, wenn Felix mit ihnen gespielt hat. Unser Wunsch ist es, dass er für andere da sein kann“, sagt seine Mutter. Ja, der Gedanke an die Zukunft falle manchmal nicht leicht. „Wir fragen uns schon: Wo kann er in seiner Freizeit Menschen mit Handicap kennenlernen, vielleicht auch eine Freundin finden?“ Bevor die Sorgen zu groß werden, erinnern sich die Odendahls daran, dass Felix einmal pro Woche in der Inklusionsmannschaft des SV Oppum Fußball spielt. Oder an das große Down-Sportlerfestival morgen in Frankfurt – auf dass die Familie sich schon seit Wochen freut und wo Felix wieder viele Freunde mit und ohne Handicap wiedertrifft.

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