Interview Dominik Jejkal
Interview Dominik Jejkal

Interview Dominik Jejkal

Bischof, Andreas (abi)

Interview Dominik Jejkal

Krefeld. Dominik Jejkal ist ein heller Kopf. Das merkt jeder, der sich zwei Minuten mit dem jungen Fischelner unterhält. Jejkal ist mit seinen gerade mal 24 bereits Kommunalpolitiker bei der SPD, Jugendsekretär der IG Metall, Kreisligafußballer bei Hellas Krefeld, Katholik und Student in einer Person. Einer, der anderen jungen Menschen beibringen will, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Um bessere Löhne, gerechte Arbeit und Teilhabe. Und dass es – gesellschaftspolitisch betrachtet – jeden angeht, auch jeden Jugendlichen, wenn Rechtspopulisten und weniger helle Nachplapperer die Gesellschaft vergiften. Aber eben auch, dass nicht jeder ein Nazi ist, der konservative Werte pflegt.

Herr Jejkal, wenn Sie sonntags nach dem Spiel in der Kabine sitzen, sind Sie dann ein Exot?

Dominik Jejkal: Wieso?

Naja, wir glauben, Tarifautonomie und Mitbestimmung sind jetzt nicht so sexy bei jungen Männern, die in die Kreisliga A aufsteigen wollen.

Jejkal: (lacht) Sie wissen schon, dass das ein Vorurteil ist. Aber im Ernst: Dass das Thema insgesamt nicht sexy ist, weiß ich selbst. Und ja, es ist nicht leicht, junge Menschen für Politik und Gewerkschaftsarbeit zu begeistern. Und doch gelingt es oft genug. In der Mannschaftskabine eher selten, da reden wir meist über Fußball.

Wo gelingt das denn öfter?

Jejkal: Zum Beispiel in den Unternehmen, die wir mit der IG Metall betreuen, erreiche ich die Azubis und Gesellen mit betrieblichen Dingen. Da geht es um Übernahme nach der Lehre, schlicht um Kohle und Rechte. Das interessiert jeden, ob er politisch denkt oder nicht. Begriffe wie Betriebsverfassungsgesetz oder Berufsbildungsgesetz klingen sicher sperrig, aber das eine klärt Mitbestimmung und Übernahmeregelungen, das andere regelt die duale Berufsausbildung im Allgemeinen. Duale Azubis kommen aber bislang im Gesetz nicht vor, dafür setzt sich die IG Metall ein. Wussten Sie, dass ein Betrieb zwar das duale Studium bezahlt, aber verlangen kann, dass die betreffende Person außerhalb der betrieblichen Kernarbeitszeit studiert? Es geht auch darum, was unsere Gesetze nicht regeln. Viele junge Menschen wissen das nicht. Und da setzen wir an.

Und dann engagieren sich viele junge Arbeitnehmer auch in der Gewerkschaft?

Jejkal: Nein, natürlich nicht automatisch. Aber ich bin ja selbst noch jung. Und wenn ich mit jungen Erwachsenen rede, ist es immer noch etwas anderes, als wenn der erfahrene Kollege es tut. Wir versuchen, die Leute da abzuholen, wo sie sind. Und Spaß zu vermitteln an der Gemeinschaft. Nach der monatlichen Sitzung gibt’s auch mal ein Bierchen, das ist ähnlich wie beim Fußballtraining. Und letztens haben wir im Stadtpark Fischeln ein Integrationsfest mit 400 Besuchern organisiert. Man sieht einfach, dass man was erreichen kann, wenn das Engagement da ist.

Die Gewerkschaftsarbeit berührt im Alltag. Wo und wie schafft es die Politik, Berührungspunkte zu finden?

Jejkal: Zunächst mal: Es ist unglaublich cool, jungen Menschen die Politik nahe zu bringen. Wenn es funktioniert. Aber es ist auch schwer, denn gerade Jugendliche haben oft erstmal ein schlechtes Bild von Politik, sehen in Serien wie „House of Cards“, wie manipulativ sie sein soll. Die Politik muss es wieder schaffen, die Sprache der Bürger zu sprechen, zu wissen, was die Krefelder bewegt, die jungen und die alten. Und davor muss sie lernen, sich wieder gegenseitig zuzuhören.

Wie meinen Sie das?

Jejkal: Sehen Sie, ich hab’s vergleichsweise einfach. Ich bin politisch geprägt. Durch meinen Geschichtslehrer an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, der sich gern abseits des Lehrplans bewegte. Das war super. Dann durch meine Familie. Meine Mutter, die in den 70er Jahren als Kind aus Oberschlesien nach Krefeld kam, meinen Großvater, der in Gefangenschaft war, meine Oma, die mir „Nie wieder Krieg eingeimpft hat.“ Ich finde Begriffe wie faire Arbeit, gute Löhne, Gerechtigkeit und Solidarität spannend, und nicht angestaubt. Viele junge Leute sind anders geprägt, würden aber vielleicht etwas tun.

Aber?

Jejkal: Wenn dann zum Beispiel Größen wie Malu Dreyer oder Hannelore Kraft den Dialog mit der AfD zunächst kategorisch ablehnen, was ist das denn für ein Signal? Und das frage ich als überzeugter Sozialdemokrat. Das ist doch genau das, was die von der AfD wollen. Dass die keiner haben will. Mir greift es auch zu kurz, die AfD auf eine Anti-Flüchtlingshaltung zu reduzieren. Da steckt so viel mehr Gefährliches dahinter, lesen Sie mal deren Programm. Das betrifft auch die Arbeitswelt und ist immer ein gutes Thema für die Gewerkschaftsarbeit.

Hilft Ihnen solche Kritik bei Ihren Parteifreunden?

Jejkal: Die Sozialdemokratie hält den Diskurs aus. Man kann sich nichts vormachen: Wir haben Probleme in der Gesellschaft, die müssen wir diskutieren, aber bitte nicht pauschalisieren. Nicht jeder, der sich konservativ äußert, ist ein Rassist. Andere sprechen hingegen von islamischem Terror, weil ein Bruchteil die Religion für seine Zwecke instrumentalisiert. Religion hat in der Politik nichts zu suchen. Mir geht es um den differenzierten Dialog, das klappt bei den Jusos gut. Und auch bei der IG Metall. Dort kann ich auch Themen von FDP oder CDU ansprechen, die ja auch nicht alle falsch gesetzt sind. Weil es eben immer um Inhalte geht. Ich will auch keine Karriere machen als Berufspolitiker, ich arbeite gern im Hintergrund für mehr Diskurs. Aber um unsere Politiker in Schutz zu nehmen: Sie sitzen oft in der Falle.

Inwiefern?

Jejkal: Ich würde als IG Metaller ja sagen, dass sich viele Politiker von der Gradlinigkeit und der klaren Ansage eines Vertrauenskörpers eine Scheibe abschneiden können. Das ist auch so. Andererseits: Sind Politiker zu laut, heißt es reflexartig: Der hat die Kontrolle verloren. Das ist mir zu einfach und das versuche ich an junge Leute weiterzugeben. Bei der IG Metall und bei den Jusos.

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