Patrick Jülich forscht für seine Doktorarbeit in der Linner Historie.

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Patrick Jülich auf der Spurensuche in Linn.

Patrick Jülich auf der Spurensuche in Linn.

Andreas Bischof

Patrick Jülich auf der Spurensuche in Linn.

Krefeld. Dass ein Archäologe immer mit beiden Händen in der Erde stecke, ist nur die halbe Wahrheit. Sehr oft ist er mit der Auswertung von Funden beschäftigt, die ihm als Zeichnungen und Fotografien vorliegen und auf Karten verzeichnet sind.So auch der Krefelder Archäologe Patrick Jülich. Für seine Doktorarbeit mit dem Arbeitstitel "Die Stadt im Untergrund - Stadtarchäologische Forschung am Beispiel Krefeld Linn" untersucht er 56 Funde aus dem Stadtgebiet. Sie reichen vom Mittelalter bis etwa zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648.

Funde belegen, dass Linn mit System aufgebaut wurde

Insgesamt wurden hier in Linn 71 Stellen erfasst: Bei Neubauten oder baulichen Veränderungen kommen erstmal die Archäologen zum Zuge. Die Kanalsanierung unter der Rheinbabenstraße zum Beispiel erlaubt dann die genaue Betrachtung der Schichten und damit Rückschlüsse auf die Besiedlung und Infrastruktur im Laufe der Zeit.

Patrick Jülich ist nun an die Betrachtung dieser Funde mit vielen Fragen herangegangen. "Was hat zur Stadtgründung geführt?" war dabei ganz wichtig. Denn es gibt keine Urkunde, in der Linn zur Stadt erklärt wurde. Und es ist auch immer noch fraglich, ob es sie je gab.

Strukturelle Merkmale einer Stadt weist Linn allerdings auf, und Patrick Jülich konnte anhand zahlreicher Funde feststellen, dass Linn planmäßig gegründet wurde. "Hier ist systematisches Handeln erkennbar", sagt Jülich, "zum Beispiel im Verlauf der Stadtmauer".

Das unterscheidet Linn von anderen Städten wie Kempen. Hier wurde mit der Zeit aus einer Ansiedlung durch stetige Vergrößerung eine Stadt. In Linn stand zuerst die Burg mit zwei Bauernhöfen, zwischen 1298 und 1314 soll dann die Stadt gegründet worden sein.

Gründe dafür: Der Landesherr wollte seine Burg absichern und einen Raum schaffen, in dem seine Gesetze Gültigkeit hätten. "Ein Landesherr will Städte gründen, um sein Territorium abzusichern und auch Kontrolle über die Bürger zu haben", sagt Jülich, der auch geologische, geographische und historische Quellen auswertet. Aus archäologischer Sicht handelt es sich "um eine Ausnahmestadt, da hier in so großem Umfang ausgegraben wurde", sagt der Doktorand.

Detailliert wird Jülich in einem Vortrag in Zusammenarbeit mit der VHS auf seine Forschungen eingehen; am 18. November um 20 Uhr in der Museumsscheune. Seine Erkenntnisse bündelt Jülich dann in seiner Doktorarbeit, die er im nächsten Jahr abschließen will. Denn tagsüber buddelt er wirklich: seinen Lebensunterhalt verdient Jülich sich als Grabungsleiter am Niederrhein.

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