Die Markthändler spüren zwar Verunsicherung, doch die Kunden haben Vertrauen zu ihren Geflügel- und Eierhändlern.

futtermittel-Skandal
Die Kunden kauften gestern auf dem Westwallmarkt auch weiterhin Eier und Geflügel.

Die Kunden kauften gestern auf dem Westwallmarkt auch weiterhin Eier und Geflügel.

Dirk Jochmann

Die Kunden kauften gestern auf dem Westwallmarkt auch weiterhin Eier und Geflügel.

Krefeld. Ist Dioxin in Eiern, Hühner- und Schweinefleisch nur ein Ausrutscher? Bei den Kunden auf dem Westwallmarkt hält sich die Verunsicherung in Grenzen. Sie fragen, woher die Produkte kommen und vertrauen dann den Aussagen der Beschicker. Umsatzeinbußen werden kaum beklagt, zumal die Bauern vorgesorgt haben.

„Unsere Futtermittel sind frei von Dioxinen“, steht auf einem leuchtend orangefarbenen Schild im Verkaufswagen des Geflügelhofes von Gerd Ingenbleek aus Kevelaer. Zusätzlich hält Verkäuferin Christa Gorke ein Merkblatt bereit, auf dem zu lesen ist, dass die „Mischfuttermittel die gesetzlichen Grenzwerte im Hinblick auf Dioxine unterschreiten.“

Die Verkäuferin hatte sich die allgemeine Verunsicherung schlimmer vorgestellt. „Einige Leute fragen bei den Eiern nach“, berichtet sie. „Es gibt weder Panik, noch Umsatzeinbußen.“ Lediglich ältere Menschen kämen schlechter mit der Verunreinigung im Futtermittel zurecht und seien unsicher.

„Dieser Skandal beunruhigt mich sehr“, sagt Maria Müller. Dennoch kauft sie Eier. „Die habe ich vor Monaten bereits zu mir genommen, da wären sie sicherlich auch schon bedenklich gewesen. Ich vertraue vielmehr meinem Händler, der die Hühner in Bodenhaltung hält.“

Unbedenklichkeits-Erklärung der Lieferanten liegt auf dem Tisch

Monika Kukofka findet das Thema sehr wichtig und hört in den Medien genau hin. Sie kauft aber dennoch Eier und Hühnchen ein. „Silvester habe ich sogar eine schöne Hühnerbrühe gekocht.“ Sie denkt, dass in NRW alles in Ordnung ist. „Ich traue meinem Händler.“

Bis zu 3000 Tonnen verseuchtes Tierfutterfett wurden nach Erkenntnissen der Bundesregierung im November und Dezember 2010 hergestellt.

Das Fett wurde in Mischfutter für Legehennen, Mastgeflügel und Schweine eingemischt.

Mehr als 1000 landwirtschaftliche Betriebe wurden wegen des Skandals gesperrt.

Marion Hartmann lässt sich das Eieressen nicht vermiesen und sagt es am Eier- und Gemüsestand mit Nachdruck: „Jawohl, ich esse Eier und Huhn und lasse mich nicht verrückt machen¸ sonst dürfen wir ja bald gar nichts mehr essen. Ich arbeite selbst im Einzelhandel. Wer Bio-Eier kauft, betrügt sich selbst.“

Die Verseuchung sei ein Problem, das die Verbraucher selbst produzierten, ist Willi Cartigny in seinem Verkaufswagen mit Fleisch und Geflügel sicher. Er hält für alle, die nachfragen, eine Unbedenklichkeits-Erklärung seines Lieferanten parat. „Alle wollen billig einkaufen und die Discounter drücken die Preise. Die Futtermittelwerke müssen damit leben und benutzen billiges Futter. Die Verbraucher sind die Verursacher. In Frankreich würde das nicht passieren; dort würden die Futtermittelhersteller gesteinigt.“ Der Umsatz ist nach seinen Aussagen nicht zurückgegangen. Cartigny: „Die Kunden haben Vertrauen.“

Hans-Jürgen Herzog hat seine Frau am Morgen scherzhaft gefragt, ob er ein Dioxin-Huhn und –Eier auf dem Markt holen soll. Sein Vertrauen in die Marktbeschicker hat sich auf jeden Fall nicht verändert. „Im Supermarkt würde ich diese Produkte zurzeit nicht kaufen.“

Bei Marktbeschicker Willi Terporten aus Wegberg ist der Umsatz an Eiern Dienstag und Mittwoch nach eigenen Aussagen leicht weggebrochen. „Jetzt ist er wieder in Ordnung. Viele fragen weiterhin nach.“ Auch er hat die Unbedenklichkeits-Erklärung Schwarz auf Weiß auf dem Tisch.

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